Olympia-BewerbungMünchen macht das Rennen, Kiel an Bord!

Tatjana Pokorny

 · 26.09.2026

Esther Sedlacek führte durch die Wahlsendung der ARD, spricht hier mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und DOSB-Chef Thomas Weikert.
Foto: Screenshot/ARD
Riesenjubel in München, Kiel und bei allen Olympia-Fans der bayerischen Bewerbung mit ihren Partnern. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat München zum Kandidaten für die internationale Bewerbung um die Austragung Olympischer und Paralympischer Spiele in Deutschland gewählt.

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Nach dem Rückzug von Hamburg und Berlin war es am Ende ein Duell: München und KölnRheinRuhr kämpften bis zuletzt um das Votum der DOSB-Wahlberechtigten. Bei der Entscheidung an diesem Samstag in Baden-Baden wurden die Delegationen aus München und NRW von den beiden Ministerpräsidenten Markus Söder und Hendrik Wüst angeführt. Sie erwarteten das Votum wie die weiteren Gäste und TV-Zuschauer unter Hochspannung.

Die deutsche Olympia-Bewerbung: München geht ins internationale Rennen

Sportgrößen wie Boris Becker, Michael Groß, Isabell Werth, Kristina Vogel und viele mehr waren im großen Saal des Kurhauses von Baden-Baden, als Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Samstagnachmittag an der Seite von DOSB-Boss Thomas Weikert um 14.43 Uhr den Wahlsieger offiziell verkündete: München! Der bayerische Kandidat wird für das weitere Verfahren beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) gemeldet.

​Weil nur noch zwei Bewerbungskonzepte zur Wahl standen, war die Entscheidung bereits nach einem Wahlgang am Vormittag gefallen: Die stimmberechtigten Delegierten der außerordentlichen DOSB-Mitgliederversammlung wählten München mit 64,91 Prozent zum nationalen Bewerber auf internationalem Parkett. 91 Stimmen entfielen auf den bayerischen Bewerber, 50 Stimmen auf KölnRheinRuhr.

Abstimmungsberechtigt waren die 42 olympischen Fachverbände mit je drei Stimmen sowie die zehn Mitglieder des DOSB-Präsidiums und acht “Persönliche Mitglieder” mit je einer Stimme. Von ihnen konnten Elena Gilles, Leon Goretzka und Anna Schaffelhuber aus persönlichen Gründen nicht teilnehmen. So waren insgesamt 141 Stimmen zu vergeben. Hier geht es zur DOSB-Meldung zur Wahl.

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Ein Olympia-Kandidat, ein Land: Bundespräsident beschwört “Riesenchance”

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte nach der Bekanntgabe: “Die Bewerbung ist eine Riesenchance für das gesamte Land. Bauen wir Barrieren ab, nutzen wir den Schwung, um unser Land voranzubringen und zu bekräftigen, wer wir sind und was wir bleiben wollen. Bringen wir unser Land in Bewegung, um alles zu stärken, was uns verbindet. Machen wir die Bewerbung zu unserer gemeinsamen Sache!”

Wenn wir als Team Deutschland antreten, haben wir beste Chancen, Gastgeber zu werden.” Frank-Walter Steinmeier

Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause reagierte überglücklich und sagte: “Die Freude ist jetzt unendlich.” Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hielt fest: “Es ist was Historisches. Und wir wollen alles geben, damit wir am Ende gemeinschaftlich als Deutschland, als Partner für Nord, für Süd, für Ost und West, uns als ein Land präsentieren.”

Als Segelpartner im Norden hat die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt Kiel mit München gewonnen. Im Heimatrevier der Kieler Woche brach mit der Verkündung von Münchens Wahlsieg überall der Jubel los. Kiels Oberbürgermeister Samet Yilmaz sagte: “Ein Traum ist Wirklichkeit geworden.” Schon vor dem Wahlsieg hatte sich sechs Fachverbände unter DSV-Dach für Kiel als Olympia-Kandidaten ausgesprochen.

“Sailing City” Kiel kämpft mit München um die Spiele in Deutschland

Nach der Entscheidung sagte Jan-Dirk Tenge vom Seglerverband Schleswig-Holstein (SVSH): “Es war ein perfektes Mannschaftsspiel zwischen Stadt Kiel, der Landesregierung und dem zuständigen Sportministerium, dem Landessportverband und dem Seglerverband Schleswig-Holstein. Jeder in unserem Team hat seine Stärke bestmöglich zur Entfaltung und damit unsere Bewerbung über die Ziellinie gebracht.”

Das erinnert fast an die Weltmeisterschaft 2014, die bewiesen hat, dass eine Teamleistung den Titel holen kann. München und Kiel sind nicht nur ein historisch gewachsenes Team, sondern im besten Sinne eine gesamtdeutsche Bewerbung.” Jan-Dirk Tenge

Im Kieler Yacht-Club hatten sich Mitglieder, Olympiasegler und Gäste versammelt, um die ARD-Live-Übertragung von der Entscheidung in Baden-Baden gemeinsam zu verfolgen. Einige der jungen Sportler können nun sogar von der persönlichen Olympia-Teilnahme an möglichen Spielen in ihrer Heimat träumen, auch wenn das IOC über die Vergabe der Austragungsrechte für die Olympischen Spiele 2036 erst 2029 entscheiden wird und es für die Vergabeprozesse für die Spiele 2040 und 2044 noch keine genauen Zeitpläne gibt.

Was die Segler in Kiel sagen

Die Hamburger SailGP-Strategin Anna Barth sagte im Kieler Yacht-Club: “Wir kennen es vom SailGP in Sassnitz. Da bebt die Tribüne, wenn wir vor heimischen Fans segeln. Ich glaube, dass wir ein ähnliches Feuer in Kiel entfachen können. Man hat es ja schon beim Start zum Ocean Race Europe sehen können, wie viele Menschen sich das an der Promenade angeschaut haben. Das wird auf jeden Fall gigantisch.”

Ich glaube, Kiel ist genau die richtige Stadt, um diese Aufgabe anzunehmen.” Ann Barth

Weiter sagte Anna Barth: “Wir profitieren ja heute noch davon (Red.: gemeint ist die Ausrichtung der olympischen Segelregatta 1972 in Kiel). Wir trainieren täglich am Olympia-Stadtpunkt, im Olympiahafen in Schilksee. Wir haben heute noch was von den Sportstätten, die damals gebaut wurden. Es wird aber jetzt auch langsam mal Zeit, dass da noch was dazukommt, dass da vielleicht auch mal was Neues gebaut wird und das wieder von den nächsten Generationen weitergenutzt wird.”

Wir freuen uns sehr, dass die Entscheidung für Kiel gefallen ist – Heimspiel für uns! Wir hoffen, dass wir dann da noch an den Start gehen können.” Anna Barth

Im Kieler Yacht-Club sprach auch 49er-Segler Frederik Schwall über die olympischen Zukunftsperspektiven. Der Sohn des olympischen Bronzemedaillengewinners René Schwall, der 2000 mit Roland Gäbler im Tornado bei den Sydney-Spielen auf Platz drei gesegelt war, sagte: “Olympia stellt unseren Traum und unser Ziel dar. Das ist es, was uns jeden Tag antreibt, weiter daran zu arbeiten. Sich vorzustellen, das Ganze womöglich sogar in der Heimat erleben zu können, verstärkt den Effekt auf jeden Fall.”

Ein emotionaler Tag in Kiel: “Die Stadt liebt ja Segeln!”

Emma Kohlhoff, 49erFX-Vorschoterin von Anna Barth und Schwester des Nacra17-Olympia-Dritten von 2021, Paul Kohlhoff, sagte: “Ich habe die Kampagne verfolgt, immer die Daumen gedrückt. Sogar Paul meinte: ‘Wenn es nach Kiel kommen sollte, ist es vielleicht eine Überlegung, da noch einmal teilzunehmen, weil es so ein Riesenerlebnis ist.”

Wie überzeugt die Athleten von Kiel sind? Emma Kohlhoff sagte: “Ich bin sehr überzeugt! Hier wird jedes Jahr die Kieler Woche ausgetragen. Das zeigt auch, dass Kiel dazu fähig ist, ein erfolgreiches Event hinzulegen. Auch international ist es ein guter Standort.”

49erFX-Vorschoterin Freya Feilcke, die den Wahlkrimi ebenfalls im Kieler Yacht-Club miterlebte, sagte: “Ich fand es eine tolle Atmosphäre, das hier mit der gesamten ‘Jo-Kampagne’, mit dem Team mitzuverfolgen. Es war super emotional, alle haben gejubelt. Wir sind alle super happy jetzt. Ich war von Anfang an überzeugt, dass Kiel der beste Segelstandort ist für olympische Segelwettbewerbe in Deutschland. Kiel ist unser Segelstützpunkt, wo wir seit Jahren trainieren. Auch die Stadt liebt ja Segeln, deswegen war es auf jeden Fall die richtige Entscheidung.”

Kiel hat die Chance aufs dritte Mal Olympia

Für Rostock-Warnemünde, Segel-Partner der unterlegenen Berwerbung KölnRheinRuhr, ist mit der Wahlentscheidung an diesem Samstag der Traum von olympischem Segelsport in seinem Heimatrevier vorerst geplatzt. Sollten die Olympischen Spiele in den kommenden Jahren tatsächlich nach Deutschland vergeben werden, würde der Segelsport zum dritten Mal nach 1936 und 1972 auf der Förde ausgetragen werden.

REPLAY! Wer die von der ARD live übertragene Entscheidung noch einmal sehen möchte, findet sie hier.

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Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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