Olympia-BewerbungKiel oder Warnemünde – die Entscheidung naht

Tatjana Pokorny

 · 23.09.2026

Der Blick aufs Olympiazentrum Kiel-Schilksee, wo mit der Kieler Woche jährlich wie weltgrößte neuntägige Segelwoche ausgerichtet wird.
Foto: Christian Beeck/www.segel-bilder.de
Wenige Tage vor der DOSB-Entscheidung über den Kandidaten für die internationale Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland haben alle Bewerber über ihre potenziellen Olympia-Segelpartner entschieden. Während Berlin sich schon frühzeitig für das nahegelegene Warnmünde ausgesprochen hatte, fällten München und KölnRheinRuhr ihre Entscheidungen erst in dieser Woche. Eine überraschte.

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Am 26. September wird bei einer außerordentlichen Mitgliederversammelung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) im Kurhaus in Baden-Baden entschieden, welcher deutsche Bewerber ins internationale Ringen um Olympia hierzulande in den Jahren 2036, 2040 oder 2044 geschickt wird. Nach dem Rückzug von Hamburg sind offiziell noch Berlin, München und KölnRheinRuhr im Rennen. Auf der Zielgeraden zur Entscheidung wird mit viel Leidenschaft und starken Argumenten gekämpft.

München und Köln-Rhein-Ruhr fast Bug an Bug

Während die Berliner Bewerbung inzwischen wackelt, weil kurz vor der DOSB-Entscheidung nach der Hauptstadtwahl zum Abgeordnetenhaus am vergangenen Sonntag die politische Mehrheit für eine Olympia-Ausrichtung fehlt, war bis vor Kurzem offen, für welchem Segelpartner sich München und KölnRheinRuhr entscheiden würden. Den zuvor ausgesprochenen und veröffentlichten Empfehlungen der eigenen Landesfachverbände folgte nur einer der beiden Bewerber.

Mit den Landesseglerverbänden in Bayern (BSV) und in Nordrhein-Westfalen (SVNRW) hatten sich die beiden größten deutschen Fachverbände unter dem Dach des Deutschen Segler-Verbandes (DSV) für Kiel als Segelrevier ausgesprochen. München war der Empfehlung bereits am Montag gefolgt. Ministerpräsident Markus Söder nannte die Partnerschaft mit der schleswig-holsteinischen Sailing City “ein perfektes Match”. Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause erklärte: “München und Kiel haben 1972 gemeinsam Olympia-Geschichte geschrieben. Jetzt wollen wir diese gemeinsame Geschichte neu aufleben lassen.”

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Für Kiel hatten sich zuvor auch alle jüngsten deutschen Segel-Medaillengewinner bei Olympischen Spielen sowie Deutschlands Paralympics-Beste ausgesprochen. In Enoshima hatten zuletzt 2021 drei GER-Teams binnen dreieinhalb Stunden drei Medaillen gewonnen. Sie träumen mit ihren Nachfolgern von Olympia im eigenen Land. 49er-Bronzemedaillengewinner Thomas Plößel ist einer von ihnen und sagte: “Beide deutschen Reviere, Warnemünde und Kiel, sind sehr gut für Olympia geeignet. Die freie See in Warnemünde ist top, aber für Kiel spricht die Vielseitigkeit, die in einer Regattawoche sehr gut zu mischen ist.”

Segel-Medaillengewinner stehen hinter Kieler Olympia-Revier

In Kiel könne man, so Plößel, “unter Land segeln oder draußen bei harten Wellenbedingungen.” Seine Überzeugung: “Daher ist Kiel international als sehr anspruchsvolles Revier bekannt. Und die Athleten kommen gern hierher. Das liegt am Flair der Stadt, der guten Infrastruktur im Olympiazentrum und der Kieler Woche als Event. Es ist einfach gut inszeniert, und man hat eine tolle Zeit.”

​Für den fünfmaligen Paralympics-Teilnehmer und Gold- und Silbergewinner Heiko Kröger steht Kiel beispielhaft für den paralympischen Segelsport: „Als Segeln für 2000 paralympisch werden sollte, war man in Kiel auf meine Anfrage hin sofort bereit, das paralympische Segeln in die Kieler Woche aufzunehmen. Seitdem haben wir gemeinsam immer weiter daran gearbeitet, im Olympiazentrum einen barrierefreien Zugang zu den Stegen zu schaffen. Über die Qualitäten von Kiel gibt es keinen Zweifel.” 49erFX-Silbermedaillengewinnerin Sanni Beucke sagte: “Der Bekanntheitsgrad von Kiel in der Segelszene ist einfach riesig.”

Der internationale Bekanntheitsgrad von Kiel sowie die Begeisterung der Bevölkerung wären für eine deutsche Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele sicher von großem Vorteil.“ Heiko Kröger

Der Münchner Entscheidung folgte am Dienstagabend die Bekanntgabe des Segel-Partners der KölnRheinRuhr-Bewerbung. Die überraschte, weil sie der Empfehlung des eigenen Fachverbandes nicht folgte. KölnRheinRuhr nimmt Rostock-Warnemünde mit an Bord. So hat es der DOSB mitgeteilt.

​München/Kiel nach Punkten knapp vor KölnRheinRuhr/Warnemünde

Torsten Haverland, 1996 in Savannah mit Ronald Rensch Zwölfter bei Olympia und heute Geschäftsführer des Landessportbunds Mecklenburg-Vorpommern, sagte gegenüber der Ostsee-Zeitung: “Wenn es um das Segelrevier und die Bedingungen drumherum geht, kann die Wahl nur auf Rostock-Warnemünde fallen.”

Indessen hat auch die DOSB-Evaluierungskommission ihre Arbeit am Dienstag abgeschlossen. Danach wurden die Bewerber München (87.03 Punkte) und KölnRheinRuhr (85,02 Punkte) laut DOSB als “sehr gut” eingestuft, Berlin (74,64 Punkte) als “gut”. Im Spitzenduell zwischen München und KölnRheinRuhr haben damit die Bayern die Bugspitze nach Punkten leicht vorne.

Laut DOSB haben die Deligierten der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen-Sportbundes am kommenden Samstag “die Wahl zwischen drei starken Konzepten für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044”. Das Plus von München und KölnRheinRuhr gegenüber der Berliner Bewerbung resultiere unter anderem aus den Bewertungen in den Kategorien “Sportfachliche & operative Eignung” sowie “Internationale Strahlkraft & und Nationale Akzeptanz”.

​DSV-Präsidentin Mona Küppers kommentiert Evaluierungsbericht

Als stellvertrtende Vorsitzende der Evaluierungskommission hat DSV-Präsidentin Mona Küppers den Berwertungsprozess zum Abschluss kommentiert: “In ihrer heutigen Sitzung hat die Kommission den finalen Evaluierungsbericht verabschiedet. Wir können einstimmig festhalten, dass der Prozess trotz der thematischen Komplexität vom DOSB jederzeit professionell, transparent und nachvollziehbar durchgeführt wurde. Die vereinbarten Kriterien wurden eingehalten und die im Abschlussbericht veröffentlichten Ergebnisse entsprechen der durchgeführten Evaluierung.”

Die Athletenkommission im DOSB hatte sich in ihrem Statement am 19. September gegenüber den Bewerbern neutral gehalten, aber festgehalten: “Am Ende geht es nicht um einzelne Städte oder Regionen – sondern um das gemeinsame Ziel, Olympische und Paralympische Spiele wieder in unserem eigenen Land zu erleben.” Die Athleten richteten ihren Appell an die DOSB-Mitglieder: “Treffen wir eine Entscheidung, die die besten Voraussetzungen dafür schafft, Olympische und Paralympische Spiele nach Deutschland zu holen.”

Lassen sie uns nach der Mitgliederversammlung geschlossen hinter der gewählten Kandidatur stehen und gemeinsam daran arbeiten, den olympischen und paralympischen Traum Wirklichkeit werden zu lassen.” DOSB-Athletenkommission

Davor steht die Wahl selbst am 26. September in Baden-Baden. 42 olympische Spitzenverbände dürfen am Samstag mit jeweils drei Stimmen für ihren Favoriten votieren. Daraus ergeben sich 126 Stimmen. Stimmberechtigt sind auch die Wintersportverbände. Die drei Stimmen dürfen von den Fachverbänden nicht aufgeteilt, müssen im Block an einen Bewerber vergeben werden. Die Wahl ist geheim.

Der Bundespräsident verkündet den deutschen Olympia-Kandidaten

Jeweils eine Stimme haben die zehn Präsidiumsmitglieder des DOSB sowie acht “persönliche Mitglieder” und damit ehemalige Aktive im Team D wie beispielsweise Fußballprofi Leon Goretzka. Die Gesamtstimmenanzahl beträgt 144. Der künftige deutsche Olympia-Kandidat benötigt die absolute Mehrheit, also mindestens 73 Stimmen. Daher sind mehrere Wahlgänge möglich. Die Entscheidung wird Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Samstag ab 13.45 Uhr in der ARD gemeinsam mit DOSB-Chef Thomas Weikert verkünden. Zum Live-Stream geht es dann hier.

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Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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