Antonia von Lamezan
· 26.06.2026
Es ist ein ruhiger Abend im dänischen Hafen von Korsør. Kirsten und Detlef essen gerade, als plötzlich das Brummen eines Motors die Ruhe unterbricht. „Da ist ein lautes Geräusch draußen, guck doch mal raus“, sagt Kirsten. Detlef steht auf, blickt durch das Kajütfenster – und sieht nichts als Rot.
Was Kirsten sieht, ist die Bordwand der “Olymp Trader”, eines 104 Meter langen Frachters. Der fährt bereits im Rückwärtsgang, etwa 30 Meter entfernt, direkt auf Kai und Yacht zu. Für das Paar ist in diesem Moment klar: Dieses Schiff ist nicht unter Kontrolle. Sie retten sich an Land und beobachten, wie der Frachter rückwärts anläuft, Granitpoller zerstört, Lampen rammt und sich weiter nähert.
Für ein Manöver bleibt keine Zeit. Vier Festmacher halten die Elan 45 am Kai, nur noch Sekunden bis zum Aufprall. Unter dieser Belastung lassen sich die Leinen nicht mehr lösen, ein Ablegen ist ausgeschlossen. Von der Brücke des Frachters kommen keine Warnsignale. Nur das Dröhnen des Motors ist zu hören.
In Episode 78 des YACHT-Podcasts berichten die Yachteigner, was in diesen Sekunden passierte, wie sie die Situation geistesgegenwärtig mit dem Handy filmten, um Beweise zu sichern, wie sich die Kollision bei ihnen einprägte. Die Videos, die Detlef Kaack und ein Passant in der entscheidenden Phase mit dem Handy aufnahmen, sind am Ende des Artikels zu sehen.
Nach dem Crash stellen sich sofort die wichtigsten Fragen: Schwimmt das Boot noch? Ist der Rumpf dicht? Hält die Statik? Kirsten und Detlef berichten im Podcast von den ersten Stunden nach der Kollision, die sich tief in ihr Gedächtnis eingebrannt haben.
Im Hafenbecken steht Schwell, das Boot wird hin- und hergeworfen. Der gebrochene Mast pendelt, Bauteile schlagen, es knarzt, scheppert, bewegt sich. Die beiden müssen abwägen: An Bord bleiben, sichern, beobachten, oder das Boot verlassen und riskieren, dass es unkontrolliert beschädigt wird.
Schnell stellen sich auch systematische Fragen: Wie konnte es so weit kommen? Warum gab es keine Warnung von der Brücke? Was hat die Besatzung des Frachters wahrgenommen?
In der Folge wird deutlich, wie sehr ein solcher Vorfall nachwirkt. „Wenn ich jetzt unterdecks bin und einen lauten Motor höre, dann kommen die Bilder“, sagt Kirsten Kaack. Geräusche, die früher ganz selbstverständlich zum Hafenalltag gehörten, lösen heute zunächst Stress aus. Gleichzeitig schaut sie zuversichtlich nach vorn: „Das Vertrauen kommt bestimmt wieder.“
Beide schildern, dass der erschreckende Vorfall sie trotz allem auch positiv beeindruckt hat: Der Rumpf ihrer Elan 45 hielt den enormen Belastungen stand, obwohl der Druck des Frachters gewaltig gewesen ist. Für Detlef Kaack ist das keineswegs nur eine Randnotiz. „Mein Vertrauen in dieses Boot ist gewachsen“, sagt er.
Die Schuldfrage ist aus Sicht von Polizei und Versicherung eindeutig geklärt, die Reparatur in der Yachtwerft Großenbrode läuft bereits. Wie es mit ihrem Boot weitergeht, ob das Paar trotz des Schrecks weitersegelt und welche Lehren andere Segler aus dem Vorfall ziehen können, erfahrt ihr in der aktuellen Folge.
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