LanzaroteSegelyacht vor Órzola zerstört, fünf Menschen gerettet

Lars Bolle

 · 26.10.2026

Die auf die Felsen geratene Segelyacht.
Foto: Rafael Ángel Hernández / Voz de Lanzarote
Eine französische Segelyacht ist am frühen Sonntagmorgen, 25. Oktober, an der Hafeneinfahrt von Órzola im Norden Lanzarotes auf die Felsen geraten und später zerbrochen. Alle fünf Menschen an Bord überlebten mit leichten Verletzungen. Vier verließen das Schiff in einer Rettungsinsel, der Skipper gelangte über die Felsen an Land.

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Nach Angaben der spanischen Seenotrettungsorganisation Salvamento Marítimo ging die Meldung über die manövrierunfähige Segelyacht vor Lanzarote gegen 5.45 Uhr Ortszeit beim kanarischen Rettungskoordinierungszentrum ein. Zu diesem Zeitpunkt befand sich das Boot bereits unmittelbar an der Hafenmole von Órzola. Die Leitstelle alarmierte das Seenotrettungsboot „Salvamar Acrux“, den Hubschrauber „Helimer 211“ und die Feuerwehr von Lanzarote.

Warum die Yacht nicht mehr manövrierfähig war, ist ungeklärt. Spanische Medien berichten von einem Motorausfall.

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Vier Crewmitglieder in der Rettungsinsel

Als die Rettungskräfte eintrafen, lag die Yacht auf den Felsen im Bereich der Hafeneinfahrt. Vier Besatzungsmitglieder hatten sich in eine Rettungsinsel begeben. Der Skipper hatte die felsige Küste aus eigener Kraft erreicht.

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Die Feuerwehr barg die vier Schiffbrüchigen mit einem Wasserrettungsfahrzeug aus der Insel und brachte sie nach Órzola. Anschließend nahm die „Salvamar Acrux“ die verlassene Rettungsinsel auf. Ob die vier Crewmitglieder schon vor dem Auflaufen oder erst nach dem ersten Kontakt mit den Felsen von Bord gingen, geht aus den vorliegenden Berichten nicht eindeutig hervor.

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Wie das Auslösen und Besteigen einer Rettungsinsel praktisch geübt wird, beschreibt der Bericht über ein Sea-Survival-Training für den Seenot-Ernstfall unter kontrollierten Bedingungen.

Nach Angaben des örtlichen Katastrophenschutzes handelt es sich bei der Besatzung um drei Männer und zwei Frauen französischer Staatsangehörigkeit im Alter zwischen 20 und 30 Jahren. Rettungssanitäter untersuchten und versorgten sie im Hafen. Zwei litten unter Unterkühlung und hatten Schürfwunden, unter anderem an Händen und Knien. Auch die übrigen Crewmitglieder erlitten leichte Verletzungen beziehungsweise Prellungen.

Besatzungsmitglieder wurden zur weiteren Untersuchung in das Krankenhaus Doctor José Molina Orosa in Arrecife gebracht. Schwere Verletzungen wurden nicht gemeldet.

Rumpf zerbricht im Wellenschlag

Die Yacht lag zunächst auf der Seite an der steinigen Hafenbefestigung. Wellen schlugen den Rumpf wiederholt gegen die Felsen. Nach Angaben des örtlichen Katastrophenschutzes brach er schließlich auseinander. Teile des Schiffes sanken, andere blieben zwischen den Felsen liegen.

Einsatzkräfte untersuchten die Unglücksstelle auf mögliche austretende Betriebsstoffe und andere umweltgefährdende Rückstände. Nach ersten Angaben der Seenotrettung stellten die Wrackteile keine unmittelbare Gefahr für die Schifffahrt dar. Ob Treibstoff ausgetreten ist und wie die Überreste geborgen werden sollen, war zunächst offen.

Unfallhergang bleibt ungeklärt

Spanische Lokalmedien berichten, dass Vertreter des Katastrophenschutzes auf frühere ähnliche Vorfälle im Bereich der Hafeneinfahrt verwiesen. Dabei sei auch deren Kennzeichnung angesprochen worden. Ob diese bei der aktuellen Strandung eine Rolle spielte, ist nicht bekannt.

​Wann sollte die Crew in die Rettungsinsel gehen?

Grundsätzlich gilt in der Seemannschaft die Regel, eine noch schwimmfähige Yacht nicht vorschnell aufzugeben. Selbst ein schwer beschädigtes Schiff bietet meist mehr Schutz als eine Rettungsinsel und ist für Rettungskräfte leichter zu entdecken. Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) empfiehlt deshalb, die Rettungsinsel nur als letzte Möglichkeit zu nutzen. Auch die YACHT hat in verschiedenen Versuchen festgestellt, dass wegen ihres relativ geringen Schutzes die Rettungsinsel der letzte Ausweg sein sollte.

Das bedeutet allerdings nicht, mit den Vorbereitungen bis zum letzten Moment zu warten. Sobald eine ernste Gefahr erkennbar ist, sollte die Besatzung einen Notruf absetzen, Rettungswesten anlegen, die Rettungsinsel vorbereiten und wichtige Notfallausrüstung griffbereit halten. Hilfreich sind dabei vorher festgelegte Notrollen und Checklisten für verschiedene Seenotsituationen.

Anders sieht es aus, wenn eine Yacht bereits auf Felsen aufgelaufen ist und von der Brandung immer wieder gegen die Steine geschlagen wird. Dann kann das Schiff innerhalb kurzer Zeit auseinanderbrechen. Zudem drohen Verletzungen durch heftige Bewegungen, brechende Teile oder das Rigg. In einer solchen Situation kann es lebensgefährlich sein, zu lange an Bord zu bleiben. Entscheidend ist nicht, ob die Yacht noch schwimmt, sondern ob sie der Besatzung tatsächlich noch ausreichend Schutz bietet. Sobald das Verlassen des Schiffes sicherer ist als der weitere Aufenthalt an Bord, sollte die Evakuierung erfolgen.

Allerdings ist auch der Einstieg in die Rettungsinsel unmittelbar neben einer felsigen Küste gefährlich. Die Brandung kann die Insel gegen die Felsen oder den beschädigten Rumpf werfen und ihre Luftkammern beschädigen. Nach Möglichkeit sollte sie deshalb an einer geschützten, von Hindernissen freien Seite der Yacht ausgebracht werden. Die Verbindungsleine muss zunächst am Schiff befestigt bleiben. Idealerweise steigt die Besatzung direkt von Bord in die vollständig aufgeblasene Insel, ohne ins Wasser zu müssen. Wie schwierig der Einstieg und der anschließende Aufenthalt selbst bei vergleichsweise ruhigen Bedingungen sein können, zeigt ein YACHT-Selbstversuch mit einer Nacht in der Rettungsinsel. Sobald alle eingestiegen sind und die Nähe zum Wrack gefährlich wird, muss die Verbindung gekappt und die Insel aus dem Gefahrenbereich gebracht werden. Das ist bei starker Brandung möglicherweise nur eingeschränkt möglich.

Auch der vermeintlich kurze Weg über die Felsen an Land ist nicht zwangsläufig sicherer. Brechende Wellen können Menschen gegen die Steine schleudern oder ins Wasser zurückreißen. Deshalb sollte eine Evakuierung möglichst mit der Seenotrettung abgestimmt werden, sofern dafür noch Zeit bleibt. Im Fall von Lanzarote gelangte ein Besatzungsmitglied über die Felsen an Land, während die vier anderen in der Rettungsinsel Schutz suchten. Ob diese Entscheidungen unmittelbar vor oder erst nach der Strandung getroffen wurden, ist bislang nicht bekannt. Deshalb lässt sich aus dem Unfall auch nicht ableiten, welcher Zeitpunkt zum Verlassen der Yacht optimal gewesen wäre.

Die wichtigste Lehre lautet: Die Rettungsinsel frühzeitig vorbereiten, das Schiff aber erst verlassen, wenn es für die Besatzung gefährlicher wird, an Bord zu bleiben. Bei einer Yacht, die in der Brandung auf Felsen liegt und auseinanderzubrechen droht, kann dieser Zeitpunkt allerdings sehr viel früher erreicht sein als bei einem beschädigten, aber noch frei schwimmenden Schiff auf offener See.


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Welche Erfahrungen haben Sie mit der Nutzung der Rettungsinsel?

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Lars Bolle

Lars Bolle

Chefredakteur Digital

Lars Bolle ist Chefredakteur Digital und Gründer von YACHT-Online. Viele Jahre war der Diplom-Sportwissenschaftler als Redakteur der YACHT in den Bereichen Sport und Seemannschaft tätig und hat die größten Segelsport-Veranstaltungen der Welt begleitet, vom America's Cup bis zu Olympischen Spielen. Seine persönliche Segel-Vita reicht vom Leistungssport in der Jolle (Deutscher Meister 1992 im Finn Dinghi) über historische und moderne Jollenkreuzer bis hin zu europaweiten Charter-Törns.

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