SeenotLagoon 42 trotz nachgerüsteter Notluke auf Tiefe

Michael Rinck

 · 12.10.2026

Seenot: Lagoon 42 trotz nachgerüsteter Notluke auf TiefeFoto: AMSA
Der Lagoon 42 von James Rutledge. Der Einhandsegler konnte sich in sein Dingi retten.
Eine Lagoon 42 lief Anfang September im Indischen Ozean voll. Der Einhandsegler wurde gerettet, das Boot ging verloren. Nach Angaben des Skippers drang das Wasser durch eine Notausstiegsluke ein, die bereits im Rahmen einer Rückrufaktion nachgerüstet worden war. Warum die Sicherung den Schaden nicht verhinderte, ist offen.

Als auf seiner Lagoon 42 nachts der Alarm auslöste, fand James „Ted“ Rutledge Wasser im Steuerbordrumpf. Nach seiner Schilderung gegenüber dem australischen Sender ABC hatte sich die Verglasung einer Notausstiegsluke gelöst. Wasser strömte durch die Öffnung ins Boot. Der 70-jährige Kanadier war allein unterwegs, rund 1.000 Kilometer ostsüdöstlich der Weihnachtsinsel.

Rettung aus dem Beiboot

Rutledge gab den Katamaran auf und brachte sich im Beiboot in Sicherheit. Seine Rettungsinsel war nach seiner Darstellung bereits unter Wasser und nicht mehr nutzbar. Weil zwei vereinbarte Meldungen an seine Familie ausblieben, verständigte sein Bruder die australische Seenotrettung. Ein Suchflugzeug fand den teilweise versunkenen Katamaran und Rutledge im Beiboot. Die Besatzung warf ihm eine Rettungsinsel mit Funkgerät, Wasser und Verpflegung ab. Anschließend holte ihn ein Hubschrauber der australischen Marine an Bord der „HMAS Supply“. Die australische Seenotrettungsbehörde AMSA dokumentierte den Einsatz vom 6. September 2026. Über die Rettung hatten wir bereits Anfang September berichtet, bevor der Eigner Angaben zum Wassereinbruch machte.

Luke nach Rückruf gesichert

Rutledge sagte gegenüber ABC, die betroffene Luke sei in Panama nach einer Rückrufaktion nachgerüstet worden. Ob und wie das Haltesystem im konkreten Fall versagte, lässt sich aus seiner Schilderung nicht feststellen. Auch das Alter der eingebauten Luke und ihr Zustand vor der Havarie sind damit nicht geklärt.

Der Rückruf betrifft eine bekannte Schwachstelle: Bei bestimmten fest eingebauten Goiot-Notausstiegsluken kann sich die mit dem Rahmen verklebte Verglasung lösen. Lagoon erklärt in seiner Mitteilung zum Goiot-Rückruf, dass seit 2019 Haltevorrichtungen nachgerüstet werden. Sie sollen die Scheibe bei einer Ablösung sichern und das Risiko eines Wassereinbruchs verringern. Die Mitteilung bezieht sich auf entsprechend ausgerüstete Lagoon-Katamarane der Baujahre 2007 bis 2019.

Ein älterer Artikel aus dem Jahr 2023 beschreibt einen anderen Katamaran-Untergang im Zusammenhang mit defekten Notausstiegsluken. Welche Schlüsse sich daraus für die aktuelle Havarie ziehen lassen, ist offen.

Schon im Frühjahr 2025 berichtete die YACHT zudem über einen havarierten Lagoon 42, der in der Karibik ebenfalls durch eine defekte Notluke gekentert war. Zusammen mit dem aktuellen Fall summieren sich damit drei Totalverluste, die alle die gleiche Ursache haben.

Lagoon weist zugleich auf eine separate Wartungsvorgabe von Goiot hin: Die betreffenden Luken sollen nach zehn Jahren ersetzt werden, auch wenn das Haltesystem montiert wurde. Eine Nachrüstung verlängert die Nutzungsdauer der Luke also nicht. Ob diese Altersgrenze bei Rutledges Boot eine Rolle spielte, ist nicht bekannt. Für Eigner betroffener Katamarane sind damit zwei Fragen zu klären: Wurde die Rückrufmaßnahme ausgeführt, und wann wurden die Luken zuletzt ersetzt?

Haben Sie die Rückrufmaßnahme und das Alter der Notausstiegsluken an Ihrem Katamaran geprüft? Schreiben Sie Ihre Erfahrungen in die Kommentare.

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Michael Rinck

Michael Rinck

Redakteur Test & Technik

Michael Rinck war das Kind, das nach der Schule direkt aufs Wasser wollte – Segeltraining, Regatten, Hauptsache nass. Diese Vorliebe machte er zum Beruf: Erst als Segellehrer auf der Alster (während des Studiums), dann ab 2014 in der YACHT-Redaktion. Dort hat er im Bereich Test & Technik seine Berufung gefunden: Segelboote und Sicherheitsequipment testen. Was besonders bei Rettungswesten und MOB-Systemen bedeutet, dass er mehr Arbeitsstunden im Wasser treibend verbringt als die meisten Menschen im Büro sitzend. Höhepunkt: eine ganze Nacht in der Rettungsinsel auf der Ostsee. Seine Familie hat inzwischen durchgesetzt, dass Urlaubstörns auf der eigenen Fahrtenyacht deutlich trockener ablaufen.

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