Nils Leiterholt
· 26.03.2024
Das 1881 gebaute Segelschiff war vor etwas über zwei Wochen an seinem Liegeplatz am historischen Hafenschuppen 9 auf Tiefe gegangen. Das Traditionsschiff war Bestandteil des Lübecker Museumshafens. Es ist 32,50 Meter lang und 6,20 Meter breit. 1881 wurde die „Fridthjof“ in Norwegen für die Eisfahrt gebaut, später dann als Robben- und Walrossfänger genutzt.
Auf dem Schiff wurden laut Webseite des Museumshafens Lübeck früher Gästetörns für bis zu 35 Personen und Regattabegleitfahrten angeboten. Außerdem war es für Kinder und Jugendliche im Rahmen von Erlebnispädagogik im Einsatz.
Die “Fridthjof” sei laut der Stadtsprecherin Lübecks, Nicole Dorel, “stark sanierungsbedürftig” gewesen. Über die genauen Ursachen des Untergangs ist bisher nichts bekannt geworden.
Aufgrund des ungünstigen Standorts hinter dem Schuppen 9 konnte bei der Bergung der “Fridthjof” kein landseitiger Mobilkran eingesetzt werden. Stattdessen wurde das Kranschiff “Baltic Lift” geordert. Sein gewöhnlicher Liegeplatz ist in Rostock, es ist 53,78 Meter lang und 17,85 Meter breit. Die “Baltic Lift” hat einen Kran an Bord, der bis zu 200 Tonnen heben kann. Sie wurde bei der Mützelfeldtwerft in Cuxhaven gebaut und 1974 erstmals zu Wasser gelassen. Die “Baltic Lift” ist Bestandteil des Bootparks der “Baltic Diver Germany”, die Firma wurde engagiert, um die Bergung der “Fridthjof” vorzunehmen.
Bevor die Bergung mit dem Kranschiff vonstattengehen konnte, hatten Taucher vergangene Woche damit begonnen, diese vorzubereiten. Dazu waren große Teile der Takelage und des Masts entfernt worden, ebenso lose Teile. Am gestrigen Montag dann wurden Gurte unter dem Schiff platziert, danach folgte das erste Anheben durch die “Baltic Lift”. Nach dem Kajütendach kam das Deck der “Fridthjof” an die Wasseroberfläche. Dann wurde die Aktion vorerst gestoppt, um Tauchpumpen zu installieren, die den Traditionssegler auspumpen sollten. Der Einsatz der Pumpen reichte jedoch nicht aus, sodass ein schon bereitstehender Pumpwagen zum Einsatz kam, um die Tauchpumpen zu unterstützen.
Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit mussten die Arbeiten an der “Fridthjof” am späten Nachmittag unterbrochen werden. Im Laufe des heutigen Vormittags soll das gut 140 Jahre alte Schiff dann im Kran der “Baltic Lift” zum Platz seiner letzten Ruhe auf einer Fläche der Roddenkoppel verbracht und dort abgelegt werden. Der zuständige Projektleiter, Tim-Erik Beier, sagte dazu gegenüber dem NDR: “Jetzt wird die ‘Fridthjof’ ganz gehoben, an der ‘Baltic Lift’ angelehnt zum Verholen auf die Roddenkoppel. Dort wird das Schiff auf ein vorbereitetes Sandbett gelegt.” Hier soll es dann in den nächsten Wochen abgewrackt werden.