Originaltext aus YACHT 16/01.
Herr Erdmann, vor mehr als drei Jahren haben Sie diese Fahrt in Gedanken begonnen. Empfinden Sie jetzt, da der Törn zu Ende geht, so etwas wie Trauer, Wehmut?
Wehmut? Nee. Es reicht ja jetzt auch.
Sie haben bei der Abfahrt in Cuxhaven gesagt, dass dies Ihre letzte große Reise sei. Endet damit ein Lebensabschnitt für Sie?
Ich bin einfach nur froh. Es hat ja ganz schön gedauert. Ich hätte nie gedacht, dass wir so lange unterwegs sein würden.
Eigentlich wollten Sie einen Monat früher zu Hause sein.
Das hatte ich gehofft. Aber als die 320 Tage, die ich mir gegeben hatte, vorüber waren und wir noch so weit weg waren, das fiel mir schwer.
Seit wann wussten Sie, dass Sie es packen würden?
Ich wäre nicht losgefahren, wenn ich daran nicht von Anfang an geglaubt hätte. Aber ein paar Mal war’s schon eng. Vor allem vor Kapstadt. Da hab ich meine Detailkarten rausgeholt, die ich für den Notfall dabei hatte, und mir vorgestellt, wie schön es wohl im Hafen wäre. Ich bin dann aber doch weiter. Ich habe gedacht: Ich muss da durch, deshalb bin ich ja da und mache das alles.
Wenn Sie jetzt Bilanz ziehen: War es eine Freude oder eine Qual?
Das war schon gut. Ich habe ja mehr glückliche Momente erlebt als schlechte.
Vor Ihrem letzten Nonstop-Törn hatten Sie sich schon gefragt, ob Sie mit 44 Jahren nicht zu alt seien. War es jetzt, mit 61, nicht noch viel härter?
Es war an der Grenze. Aber ich will nicht klagen. Ich habe mir das gewünscht. Ich wollte noch einmal etwas ganz Besonderes machen.
Ist Ihre Sehnsucht nach langen Schlägen damit gestillt?
Ja, jetzt sind mal andere an der Reihe. Ich hoffe, da gibt es welche. Wir sind ja weit weg von den großen Ozeanen. Die Engländer und Franzosen haben es da besser. Wenn ich mir vorstelle, die brauchen nur einen Tag zu segeln und sehen schon dieses schöne tiefe, blaue Wasser.
„Kathena nui” hat Sie zwei Mal sicher um die Welt getragen. Ist sie das ideale Schiff für Sie?
Ich habe mir manchmal ein größeres Boot gewünscht. Nicht so sehr wegen der Geschwindigkeit, aber wegen des Lebensraums und der Bewegungen. Im Southern Ocean habe ich nur die Mittagspositionen genommen, weil alles andere zu viel Arbeit gemacht hätte. Das schräge Hängen vor dem Kartentisch, das hat einmal am Tag gereicht.
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Aufgewachsen in Süddeutschland, hat Jochen Rieker das Segeln auf Bodensee, Ammersee und Starnberger See gelernt. Zunächst war er auf Pirat, H-Jolle und Tempest unterwegs, später auf Hobie Cat, A Cat und Dart 16. Aber wie das so ist: Je weiter entfernt das Meer, desto größer die Leidenschaft danach. Inspiriert durch die Bücher von Bobby Schenk und Wilfried Erdmann, folgte in den 90ern der erste Dickschifftörn im Ionischen Meer auf einer Carter 30, damals noch ohne Segelschein. Danach war’s um ihn geschehen. Als YACHT-Kaleu und Jury-Vorsitzender des European Yacht of the Year Award hat Rieker in den vergangenen mehr als 25 Jahren gut 500 Boote getestet. Sein eigenes, ein 36-Fuß-Racer/Cruiser, lag zuletzt in der Adria. Diesen Sommer verholt er es an die Schlei, wo er inzwischen lebt.
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