Vor 25 JahrenPsychologe über Wilfried Erdmann – Was ihn so stark machte

Psychologe Stadler über Wilfried Erdmann: "Er ist ein seltener Glücksfall!"
Foto: H.-G. Kiesel
​Wilfried Erdmanns Einhandtörn um die Welt zählt zu den größten Leistungen des Sports. Der Psychologe Michael A. Stadler, Hochschullehrer und selbst Hochseesegler, analysierte 2001 für die YACHT die schwachen Momente und die starken Seiten des einsamen Kämpfers.

Originaltext aus YACHT 01/16.

YACHT: Herr Stadler, Sie als versierter Fahrtensegler mit Ozean-Erfahrung – wären Sie verrückt genug, so einen Törn zu planen und durchzuführen wie Wilfried Erdmann?

Stadler: Eine Nonstop-Weltumsegelung? Niemals! Dazu muss man sein Leben dem Segeln widmen und sehr genau wissen, was auf einen zukommt, dazu gehört eine ganz spezielle Biografie. Von daher werden nicht viele auf diese Idee verfallen. Außerdem braucht es eine besondere psychische Verfassung, die es einem ermöglicht, so etwas zu planen und dann auch durchzuhalten.

Erkennen Sie diese Art von geistiger Kraft bei Erdmann?

Wilfried Erdmann ist ein seltener Glücksfall. Auf der einen Seite der „lonesome sailor“, der einsame Protagonist, aber andererseits nicht der große Helden-Darsteller. Er ist in der Lage, über sich zu sprechen und die psychischen Probleme und Stimmungsschwankungen, die bei solch einem Extremtörn auftreten, aufrichtig anderen mitzuteilen. Er berichtet ganz ehrlich über sich und was mit ihm passiert.


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Das ehrliche Eingeständnis von Schwäche ist Ausdruck einer inneren Stärke?

Auf jeden Fall. Dabei hat man ihm 1984/85 möglicherweise auch aufgrund seiner offen eingestandenen psychischen Schwankungen den Schlimbach-Preis für die erste deutsche Nonstop-Weltumsegelung verweigert. Damals stellte man noch andere Erwartungen an einen Weltumsegler. So einer musste „tough“ sein, wie sich das für das Bild eines harten Seebären halt gehört.

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Macht die Distanzierung vom erwarteten Image Sinn?

Unbedingt. Durch dieses Offenlegen seiner sehr persönlichen Gefühle gibt Wilfried Erdmann den Menschen, die seine Reisen verfolgen, eine ganze Menge. Sie können sich in ihn hineinversetzen und seine Nöte nachvollziehen. Sie verstehen ihn und denken: So wäre es mir bestimmt auch ergangen.

Welche elementaren Eigenschaften braucht ein Nonstop-Weltumsegler außerdem?

Das Feuer der Motivation muss ständig weiter brennen. Auch wenn man dem Aufgeben sehr nah ist. Wilfried Erdmann schreibt ja in seinen Briefen sehr eindringlich, dass er sich nicht getraut hat, nah an Land heranzufahren, weil er den „Attraktor-Effekt“ fürchtet. Der ist in der Verhaltensforschung auch von Tieren bekannt: Wenn sie dem Stall näher kommen, werden sie schneller. Genau so zieht das Land einen einsamen Segler förmlich an. Jeder Segler weiß, dass einer der Gründe für das Losfahren die Hoffnung auf sichere Ankunft ist. Das ist das eigentlich Schöne, aber der Extremsegler muss dem andauernd widerstehen. Im Falle von Erdmann ein Jahr lang, und das erfordert unglaublich viel Kraft und den Willen, diese Sache zu Ende zu bringen. Trotz aller Stimmungstiefs und -schwankungen hat sein Feuer der Motivation immer gelodert.

Was ist noch nötig, um eine solch extreme Segelreise erfolgreich zu Ende zu bringen?

Vor allem hohe Intelligenz im Sinne von Vorstellungskraft, Antizipationsfähigkeit. Eins der Geheimnisse liegt in der richtigen Vorbereitung, und Wilfried Erdmann hat in vieler Hinsicht immer wieder beschrieben, wie sorgfältig er dabei vorgegangen ist. Auch wenn er diesmal ein wenig Probleme mit der Proviantmenge bekommen hat. Ich bin mir sicher: Erdmann kann einen solchen Törn im Ganzen im Kopf durchspielen. Und dazu gehört viel. Weiterhin braucht man die Kraft, etwas anzufangen und zu Ende zu bringen, also auch Stimmungsschwankungen zu überwinden. „Positive Selbstverbalisation“ wird das fachlich genannt. Man muss sich ständig die Vorteile und Ziele vorsagen und darf sich nicht von möglichen Nachteilen beeinträchtigen lassen. Nur so kann man mit der Belastung fertig werden.

Wie wichtig ist dabei Selbstdisziplin?

Sie gehört zu den wesentlichen Persönlichkeitseigenschaften, die man besitzen muss, um diesen Törn zu bewältigen. Denn es gibt ja keine äußeren Disziplinierungsfaktoren. Erdmann hat gewiss einige von ihnen internalisiert, gewisse gesellschaftliche Gepflogenheiten. Beispielsweise, dass er sich zu bestimmten Anlässen etwas Besonderes anzieht, etwa zum Telefonieren. Obwohl ihn dabei niemand sehen kann und er nur sich selbst verantwortlich ist. Es gibt niemanden, der ihm sagt, was er zu tun hat. Also braucht er Selbstdisziplin. Er sagt ja offen, sein Tag sei sehr rhythmisiert. Diese Fähigkeit, sich selbst Fixpunkte zu geben, ist enorm wichtig, um bei der Sache zu bleiben.

Erdmanns erste Nonstop-Weltumsegelung hat 270 Tage gedauert. Diesen Zeitraum vergleicht er mit einer Schwangerschaftsperiode und sagt, er glaube, dass ein Mensch so lange wohl allein sein könne, aber das sei das Limit des Erträglichen. Diesmal war er wesentlich länger unterwegs.

Mag sein, dass dieser Zeitraum in der Evolution für Frauen eine gewisse Bedeutung gewonnen hat, für Männer sicher nicht. Ich glaube auch nicht, dass mit 270 Tagen eine solche Grenze erreicht ist. Menschen haben gezeigt, dass sie viel länger unter extremen Bedingungen allein sein konnten. Auch das knappe Jahr, das Erdmann jetzt brauchte, ist aus wissenschaftlicher Sicht noch keine Grenze.

Wilfried Erdmann hat in seinem letzten Brief von Bord geschrieben, er sei sein „ganzes Leben bestrebt, keine mittelmäßigen Sachen zu machen“ – aus Ihrer Sicht ein ausreichendes Motiv für solch eine brutale Reise?

Das Ziel haben viele, aber nur wenige erreichen es. Es gibt Menschen, die völlig unrealistisch aus dem Mittelmaß herauswollen, aber nicht wissen, wie. Und es gibt Menschen, die wissen, wie es funktionieren kann und die sich dann irgendwann einmal zu diesem Ziel bekennen. Aber das ist ja nicht Erdmanns zentrales Motiv.

Sondern? Er hat zu dem Aspekt nur gesagt: „Ich mache das für mich selbst.“

Ich glaube das, weil ich nicht weiß, was man zur Erklärung sonst noch an extrinsischen, also äußeren Motivationen hinzunehmen könnte. Natürlich will Wilfried Erdmann seine Bücher schreiben und verkaufen, sein Image als Extremsportler, Extremsegler weiter aufrechterhalten. Aber das allein würde nicht reichen. Es geht um eine Herausforderung, die er an sich stellt, und er konnte das nur durchhalten, weil er an sich selbst glaubt. Nicht weil er an andere glaubt oder daran denkt, wie er diese Fahrt möglicherweise vermarkten kann.

Wie wichtig ist seine Erfahrung, die er bei der ersten Weltumsegelung gewonnen hat?

Ich kann mir absolut nicht vorstellen, dass jemand diese Fahrt gegen den Wind machen kann, ohne vorher die Welt mit dem Wind umrundet zu haben. Das muss nicht nonstop geschehen, aber die Seegebiete sollten bekannt sein. Das Wissen um das, was einen erwartet, zählt wesentlich zur Vorbereitung.

Sie sagten, jeder sei beim Ablegen von dem Wunsch getrieben, wieder anzukommen. Für Erdmann bedeutet die Ankunft aber auch die Erfüllung seines größten Segeltraums. Mit seiner Ankunft endet ein Lebensabschnitt, es ist wohl die letzte große Reise eines Mannes, der sagt: „Meine größte Angst ist, nichts mehr mit dem Meer zu tun zu haben.“ Erwarten Sie Probleme?

So ein Satz ist leicht zu sagen, wenn man wieder an Land zurück ist. Aber die Aussage lässt die Dimensionen der Angst verwischen. Ich glaube, Erdmann ist sich bestimmt im Klaren darüber, dass dieses Unternehmen auch vom Alter her der letzte große Törn gewesen sein wird. Er ist jetzt 61 und wird so etwas nicht noch einmal machen können. Schon wegen der unglaublichen körperlichen Anstrengung: ständige Nässe, Bewegung und Enge. Verbunden mit entsprechenden psychischen Befindlichkeiten, denn körperlicher und geistiger Zustand sind ja eng miteinander verbunden. Von daher hatte das Festmachen in Cuxhaven für ihn eine ganz besondere Bedeutung.

Sie sagen, psychische und physische Belastung seien miteinander verwoben. Können Sie sie prozentual gewichten?

Nicht in absoluten Zahlen. Jeder körperliche Vorgang ist zugleich ein psychischer. Andersherum: Wenn Erdmann extremen mentalen Belastungen ausgesetzt ist, dann haben diese immer auch physische Wirkungen. Ein Beispiel, das keiner Seite eindeutig zuzuordnen ist: Er beschreibt immer wieder seine Probleme mit dem Mangel an Schlaf. Er gibt sich ja auch nicht einfach der Situation hin wie andere Hochseesegler, wenn sie eine Kollision für sehr unwahrscheinlich halten und gegebenenfalls erst einmal ausschlafen. Er bleibt immer wach, wenn es nötig ist, das ist gute Seemannschaft. Aber er leidet deshalb unter enormem Schlafdefizit. Und das kann Menschen in völlig andere Stimmungen versetzen, zu emotionalen Schwankungen führen, Depressionen oder Euphorie hervorrufen. Insofern ist diese körperliche Anstrengung des Nichtschlafens eine Ursache von psychischen Folgeproblemen.

Erdmann nannte seine erste, ebenfalls sehr strapaziöse Nonstop-Tour „eine Reise an die Grenzen des Ich“. Und auch andere Ozeansegler sind durch die unvorstellbare Belastung an den Rand des Wahnsinns getrieben worden. Sehen Sie bei Wilfried Erdmann irgendwelche Anhaltspunkte dafür, oder zieht er die Reise Ihrer Meinung nach jederzeit kontrolliert durch?

Er ist sicher nicht immer souverän. In der konkreten Situation können wir ihn ja nicht beobachten, aber Schilderungen nach extremen Erlebnissen – wie zum Beispiel den fünf Stürmen im Südpazifik, als er den Kochtopf zerschlug und weinte – sprechen dafür, dass er sich in einer psychischen Ausnahmesituation befunden hat. Damit ging keine Aggressionsabfuhr einher, denn er konnte niemandem etwas zeigen. Es hatte also nur einen kathartischen, einen selbstreinigenden Effekt. So etwas muss sein, aber es dann auch zu beschreiben und zuzugeben, das finde ich bemerkenswert und toll an Wilfried Erdmann.

Glauben Sie, dass Erdmann diese Fahrt mit psychologischer Vorbereitung noch besser hätte hinbekommen können?

Er hat schon einmal gesagt, er hätte noch mehr positives Denken üben müssen. Aber nach dem, was er beschreibt, hat er schon die geeigneten Verarbeitungsstrategien für diese Stimmungsschwankungen gefunden. Er stellt sich etwas Positives vor, hat sich Teilziele gesetzt und lebt auf diese hin, etwa das Treffen mit seinem Sohn Kym vor Neuseeland. So etwas hält ihn natürlich aufrecht. Auch die British-Telecom-Yachten zu treffen, die bei ihrer Weltregatta ja auf seinem Kurs mit verschiedenen Hafenstopps segelten, war so ein wichtiges Ziel, selbst wenn es ihm letztlich nicht gelungen ist. Aber es hat ganz bestimmt seine Wirkung in Bezug auf Motivation und Orientierung gehabt. Dabei hat der Gedanke an Kontaktaufnahme sicher eine wichtige Rolle gespielt, genau wie die Hoffnung, mal wieder Land zu sehen. So nah ranzufahren, dass man es sieht, aber wiederum auch nicht zu nahe. Denn er weiß, dass es einen „Point of no return“ gibt, an dem er sich nicht mehr bremsen kann und einläuft. Da war Erdmann trotz des Verlangens mit sich selbst sehr vorsichtig.

Was halten Sie für gravierender bei Erdmanns Nonstop-Fahrt: die akute Bedrohung durch extreme Wettersituationen oder den Berg von Zeit, den er monatelang vor sich herschob – das Ziel rückt trotz ununterbrochener Anstrengung kaum näher?

Das ist im Einzelfall immer schwer einzuschätzen. Die Sache mit dem Zeitberg ist jedoch aus psychologischer Sicht sehr interessant. Denn er ist ja nur so lange relevant, so lange man den Gipfel nicht schon überschritten hat. Wenn man aber die Hälfte hat, nach dem Bergfest, verändert sich die Zeitdimension psychologisch völlig. Man segelt sozusagen bergab, orientiert sich am Ziel, nicht mehr am Ausgangspunkt. Stimmungsverändernd sind sicherlich eher die konkreten äußeren Umstände, nicht das Phänomen des Zeitbergs. Mir sind da vor allem Erdmanns plastische Schilderungen des Barometerfalls hängen geblieben.

Wilfried Erdmann macht aus seinen Ängsten keinen Hehl. Aber sie scheinen ihn nicht zu behindern. Wie erklären Sie sich das?

Es gibt eine interessante Untersuchung: Menschen, die erfahren und erfolgreich sind, durchleben und bewältigen ihre Angst, bevor eine gefährliche Situation entsteht. In dem konkreten Moment sind sie dann aber sehr kontrolliert. Diese Art Angst ist also hilfreich, um sich zum Beispiel optimal vorzubereiten auf ein kritisches Manöver. Wer so geartet ist, kann, wenn es hart kommt, cool und überlegt agieren. Angst, die sich erst in der Bedrohung zeigt, ist hingegen lähmend.

In einem schweren Sturm vor Südafrika kam Wilfried Erdmann an einen Punkt, an dem er mit dem Leben „abgeschlossen“ hatte: „Ich war in Gedanken – eine Zeit lang – sehr glücklich.“ Ist das ein bekannter Effekt?

Ich habe mir lange überlegt, was das bedeuten könnte. Wahrscheinlich bestand in diesem Moment eine unglaubliche Entlastung darin, dass er sich selbst aufgegeben hatte. Wenn er in diesem Moment irgendwo hätte einlaufen können, es wäre ihm gleichgültig gewesen. Der ganze Druck, das Feuer der Motivation am Leben zu halten, war in der Situation nicht mehr da, er fühlte sich deshalb glücklich. Ich kenne keine anderen vergleichbaren Beispiele. So etwas wird selten beschrieben.

Wenn an Land jemand Selbstgespräche führt, finden die Menschen das, gelinde gesagt, seltsam. Wilfried Erdmann tut das sehr ausgiebig und eher mehr als je zuvor. Wie deuten Sie das?

Es ist völlig normal. Er hat seine Selbstgespräche ja teilweise sogar aufgezeichnet. Man kennt das Phänomen von einsamen alten Menschen. Das hat eine wichtige psychische Entlastungsfunktion. In dem Zusammenhang ist Erdmanns Kommunikationssituation interessant. Im Vergleich mit seiner ersten Nonstop-Weltumsegelung, wo er nur fünf-, sechsmal Kontakt nach außen hatte, ist sie diesmal mit dem Telefon an Bord eher schwieriger. Die Gespräche haben ihn immer für längere Zeit bewegt. Sie haben ihn nicht losgelassen, haben seine Gedanken ins Laufen gebracht, ihn in eine andere Welt versetzt – in die zu Hause. Wenn man sich einmal abgefunden hat mit der Situation des Alleinseins, sollte man sie nicht immer wieder durchspielen müssen. Von daher war das regelmäßige Telefonieren mit Sicherheit eine Belastung.

Er beklagt sich aber nicht über das Telefonieren an sich, sondern über den damit verbundenen technischen Aufwand.

Er legt in die Beschreibung der technischen Probleme seinen Widerwillen gegen den Kontakt zur Außenwelt: die Schwierigkeit, den Generator den steilen Niedergang hochschleppen zu müssen et cetera. Dazu kommt, dass er von Beginn an eine innere Abwehr gegen das Gerät hatte.

Auch zum Fotografieren und Filmen muss er sich oft überwinden. Geht das in dieselbe Richtung?

Ja, bestimmt. Beim Fotografieren und Filmen kommt jedoch hinzu, dass Erdmann in einem schweren Sturm oft genug anderes zu tun hat. Hinterher, wenn sich die Lage beruhigt hat, wird er sich fragen: Warum jetzt noch fotografieren? Die eigentlichen lohnenden Aufnahmen sind dann leider vorbei. Dieses Problem kennen viele Ozeansegler.

Welche Bindung besteht zwischen Wilfried Erdmann und seinem Schiff „Kathena nui“, das ihn schon zum zweiten Mal um die Welt getragen hat?

Wilfried Erdmann hat sicher ein ganz besonderes Verhältnis zu „Kathena“. Das wird schon daran sichtbar, wie er über sie spricht. Er redet von „wir“. Er personifiziert das Schiff. Und er spricht in der Mehrzahl, das zeigt ganz deutlich: Sie ist seine Partnerin. Er spricht mit ihr, „Kathena“ ist seine Freundin, auf die er sich verlassen kann. „Kathena“ hat für Erdmann menschliche Eigenschaften.

Können Sie sich vorstellen, dass er es jemals fertig brächte, die Freundin „Kathena“ zu verkaufen?

Nein. Er hat sie ja vorher schon über 15 Jahre hinter seinem Haus aufgebockt.

Wie beurteilen Sie die Situation, wenn jemand nach solch langer Abwesenheit wieder im Ausgangshafen festmacht?

Die Yachten, die Erdmann schon weit vor Cuxhaven empfangen und begleitet haben, die ganzen Leute an Land – viel zu viel Rummel. Es wird noch mal richtig schwierig für ihn, sich an die Kommunikation und die anderen Menschen zu gewöhnen, ohne sie als störend ablehnen zu dürfen. Dann geht es ja weiter: Funk, Fernsehen, Presse. Auch das wird schwer, denn er denkt zunächst wohl erst an die Familie und an seine Freunde. Nur darauf freut er sich.

Und danach kommt die große Leere?

Fest steht allemal, dass die nächsten Wochen für Wilfried Erdmann ähnlich schlimm werden wie ein tagelanger Orkan im Südpolarmeer.


Zur Person

yacht/screenshot-2026-07-22-112807_25f92ae283b14702370a7db0c8c7f0a4Foto: YACHT-Archiv

Prof. Dr. Michael A. Stadler wurde mit 26 Jahren der Doktortitel verliehen, mit 30 war er bereits Professor der Psychologie. Seit seinem 40. Lebensjahr dozierte er an der Universität Bremen. Stadler begann im Alter von 28 Jahren mit dem Segeln, zunächst auf Jollentörns durch die finnischen Schären. Seit dem Umzug nach Bremen widmete er sich dem Hochseesegeln. Der Eigner der 14-Meter-Stahlketsch „Strange Attractor“ absolvierte diverse Nordseetörns bis zu den Farøer-Inseln, dazu zwei Atlantik-Überquerungen. Der Liebhaber traditioneller Großsegler ist Autor verschiedener Bücher, u. a. „Psychologie an Bord“, Band Nr. 74 der YACHT-Bücherei, die antiquarisch zu erhalten sind. Stadler starb 2020.


Ist Erdmanns größte Stärke seine Härte – oder gerade seine Offenheit für Angst, Schwäche und Zweifel? Schreiben Sie Ihre Meinung in die Kommentare.

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Jochen Rieker

Jochen Rieker

Herausgeber YACHT

Aufgewachsen in Süddeutschland, hat Jochen Rieker das Segeln auf Bodensee, Ammersee und Starnberger See gelernt. Zunächst war er auf Pirat, H-Jolle und Tempest unterwegs, später auf Hobie Cat, A Cat und Dart 16. Aber wie das so ist: Je weiter entfernt das Meer, desto größer die Leidenschaft danach. Inspiriert durch die Bücher von Bobby Schenk und Wilfried Erdmann, folgte in den 90ern der erste Dickschifftörn im Ionischen Meer auf einer Carter 30, damals noch ohne Segelschein. Danach war’s um ihn geschehen. Als YACHT-Kaleu und Jury-Vorsitzender des European Yacht of the Year Award hat Rieker in den vergangenen mehr als 25 Jahren gut 500 Boote getestet. Sein eigenes, ein 36-Fuß-Racer/Cruiser, lag zuletzt in der Adria. Diesen Sommer verholt er es an die Schlei, wo er inzwischen lebt.

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