PlaymobilWie aus zwei Piratenschiffen eine Hansekogge wird

David Ingelfinger

 · 31.05.2026

Oliver Schaffer baut seit 
über 23 Jahren Playmobil
Schaulandschaften. Seine 
Privatsammlung umfasst 
1.500 Boxen voller Einzelteile, die er sogar schon im 
weltberühmten Louvre in 
Paris ausstellen durfte.
Foto: Internationales Maritimes Museum Hamburg
Das Internationale Maritime Museum Hamburg zeigt Schifffahrtsgeschichte im Miniaturformat. Künstler Oliver Schaffer rekonstruiert in sieben Miniaturwelten aus Playmobil die Entwicklungen der internationalen Schifffahrt. Ein Blick in den Werdegang des Künstlers und hinter die Kulissen der Sonderausstellung.

​Die Ausstellung „Maritime Geschichte in sieben Welten – Vom alten Ägypten bis in die Neuzeit“ ist noch bis zum 1. November im Internationalen Maritimen Museum in Hamburg zu sehen. Wir haben mit dem Dioramen-Künstler Oliver Schaffer vor Ort über die Herausforderungen gesprochen, historische Schiffe originalgetreu aus Playmobil nachzubauen.


Sagen Sie mal, Herr Schaffer… wie wird man eigentlich Playmobil-Künstler?

Ich war in der Kindheit ein großer Zirkus-Fan und habe zu Hause Manegen mit Playmobil nachgebaut. Schließlich gründete ich meinen eigenen Zirkus Oliver, nur aus Playmobilfiguren. Zehn Jahre später, im Jahr 2003, als Playmobil 30 Jahre alt geworden ist, wurde ich gefragt, ob ich meinen Zirkus nicht zum Jubiläum ausstellen möchte. Das habe ich dann gemacht. Im Grunde war das meine erste Erfahrung dieser Art. Jetzt stehen wir in meiner inzwischen 85. Ausstellung.

Das Museum nimmt es mit der Schifffahrtsgeschichte sehr genau. Wie schwierig war es, die historischen Boote korrekt darzustellen?

Das war in vielen Fällen tatsächlich gar nicht so einfach. Wir mussten einige Modelle anpassen. Dabei war die Zusammenarbeit mit den Kuratoren des Maritimen Museums wirklich sehr gut. Das macht diese Arbeit für mich auch so interessant. Einige Male musste ich mich auch ein bisschen überzeugen lassen. Ich bin ja immer etwas in meiner Playmobil-Welt gefangen. Daher musste man mich vielleicht ein wenig mit Samthandschuhen anfassen und mir über die Schulter schauen. Da bin ich halt auch einfach Künstler. Das haben die Kuratoren aber sehr gut gemacht.

Was hatten die Kuratoren denn anzumerken?

Na ja, ich kann ja bei einer Ausstellung im Maritimen Museum nicht einfach irgendwelche Schiffe in meine Welten verbauen. Da war schon der Anspruch, möglichst nah an das historische Original heranzukommen. Ein Beispiel sind die Schuten – antriebslose Kohlebarken für den Kanaltransport –, so etwas hatte ich vorher gar nicht in meinem Ausstellungsprogramm. Die habe ich für diese Ausstellung angepasst, genau wie die originalen Piratenschiffe, denen ich für die Ägypter extra Lateinersegel verpassen musste.

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Was überwiegt denn beim Bau einer neuen Ausstellung: akribische Planung oder die Spontaneität vor Ort?

Meine Dioramen – so heißen die ausgestellten Schaulandschaften – entstehen immer erst vor Ort. Ich hätte vor zwei Wochen noch nicht sagen können, was genau da drinsteht. Das passiert alles in diesem Moment. Insgesamt brauchten wir für den Aufbau zwölf Tage.

Was war die größte Herausforderung?

Das ist schwer zu sagen. Vielleicht die Hansekogge aus Bremerhaven. Hier sind die archäologischen Erkenntnisse aus dem Wrack in den Umbau des Schiffsmodells geflossen. Das gibt es so gar nicht von Playmobil. Ich habe dafür zwei Piratenschiffe zu einem zusammengefügt. Eine Hansekogge hat nur einen Mast, und zwar mittig. Da, wo jetzt die Luke zu sehen ist, musste ich eine Grundplatte des Schiffes ausschneiden, damit der Mast in der Mitte steht. Und, ganz wichtig: Es gibt kein Steuerrad, sondern ein Gangspill. Das ist extra für dieses Stück angepasst, damit die Experten hinterher nicht sagen können: „Höh, da ist ja ein Steuerrad, das ist doch komplett falsch!“


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Weit entfernt von den Küsten im Rhein-Main-Gebiet aufgewachsen, fand David Ingelfinger erst im Alter von elf Jahren auf den niederländischen Gewässern zum Segelsport. Was als Familienurlaub ohne großartige Vorkenntnisse begann, mündete in einer steilen Lernkurve, aus der die dauerhafte Leidenschaft fürs Segeln entsprang. Seine praktischen Erfahrungen festigte er über die Jahre mit dem Erwerb des SKS und zahlreichen Meilen als Skipper auf Charteryachten im Ijsselmeer, der Nordsee sowie im Mittelmeer. Nach seinem Studium der Publizistik schlägt er nun die Brücke zwischen dem journalistischen Handwerk und der Praxis auf dem Wasser und bringt seine Begeisterung für den Sport als Volontär in die Redaktion der YACHT ein.

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