YACHT
· 06.05.2023
Liebe Leserinnen und Leser,
kürzlich hatte ich gemeinsam mit meiner Familie eine Begegnung besonderer Art. Dabei waren wir nicht einmal auf dem Wasser, sondern schlenderten am Sonntagnachmittag vom Yachthafen in Strande zurück in Richtung Leuchtturm Bülk, als unsere zwölfjährige Tochter auf Höhe des Strandbistros plötzlich wild winkte, aufs Wasser zeigte und schrie: „Delfine! Schaut schnell, die springen richtig!“
Es waren keine Delfine, sondern eine kleine Schule Schweinswale. Das war gut zu erkennen, denn die Tiere waren deutlich kleiner als Große Tümmler. Drei Wale, die etwa 50 Meter(!) von der Küste entfernt offensichtlich ihrem Abendsnack hinterherjagten, dabei sichtlich Spaß hatten und sich auch von vorbeifahrenden Segel- und Motorbooten nicht stören ließen. Ein wahres Naturschauspiel!
Nun habe ich mich in meiner Zivildienstzeit bei der Schutzstation Wattenmeer in Hörnum auf Sylt viel mit diesen Tieren beschäftigt, an Zählungen teilgenommen und dadurch regelmäßig Schweinswale gesehen. Ich hatte damals sogar das Glück und konnte mehr als einmal mit den Kleinwalen schwimmen, die von sich aus die Nähe suchten. Ein unglaubliches Gefühl. Egal ob Wale oder Delfine, als leidenschaftlicher Wassersportler bin ich jedes Mal wieder fasziniert und euphorisiert, wenn die schwimmenden Säugetiere auftauchen. Und in der Ostsee hatte ich seit Jahren keinen Schweinswal gesehen. Schon gar nicht so nah an der Küste.
Am nächsten Tag startete ich im Büro eine Umfrage unter meinen Kollegen, von denen die meisten eigene Schiffe besitzen und viel zwischen Heiligenhafen, Kiel, der Schlei und Dänemark unterwegs sind. Und, ja, alle hatten schon Begegnungen mit Schweinswalen, mitunter wurden sie sogar von den Tieren begleitet, während sie unter Segeln ihren Kurs fortsetzten. Einer meiner Kollegen sagte sogar, er hätte gehört, dass sich die Bestände der stark gefährdeten Schweinswale über die letzten Jahre gut erholt hätten. Die folgende Recherche meinerseits bestätigte diese Wunschvorstellung allerdings nicht.
Die präzisesten Zahlen zur Verbreitung von Schweinswalen in der Ostsee liefern aktuell die Deutsche Stiftung Meeresschutz und das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung, kurz ITAW, die über zwei Populationen berichten, die sich genetisch und in ihrer Morphologie unterscheiden. So gilt der Bestand der Beltsee-Schweinswale, die westlich von Rügen bis ins dänische Kattegat vorkommen, mit rund 42.000 Tieren als weitestgehend stabil, wobei einige Institutionen wie das Meeresmuseum Stralsund davon ausgehen, dass die Bestandszahlen seit Jahren sinken. Sehr viel kleiner ist dagegen die Population in der zentralen Ostsee, östlich von Rügen. Dort leben weniger als 500 Schweinswale, sodass sie von der Weltnaturschutzunion International Union for Conservation als „vom Aussterben bedroht“ eingestuft werden.
Schweinswale sind kleine, hochmobile Meeressäugetiere, deren Erfassung schwierig ist. Deshalb zählen Wissenschaftler die Tiere aus der Luft. Um präzisere Daten zu erhalten, sind sie darauf angewiesen, dass Schweinswalsichtungen gemeldet werden. Wir können also alle helfen, die Datenlage zu optimieren. Hier der Link zur Sichtungsmeldung.
Übrigens, mit ihrer ersten Vermutung, dass es Delfine wären, lag meine Tochter gar nicht so falsch. Ein paar Tage später sorgte ein solcher in der Lübecker Bucht und in der Trave für Aufsehen. Selbst die “Bild”-Zeitung berichtete. Das Tier war allein unterwegs und begeisterte mit hohen Sprüngen die Schaulustigen an Land. Es handelte sich um einen Großen Tümmler, der laut Informationen des ITAW seit mehreren Jahren rund um das dänische Svendborg beheimatet ist und anscheinend im Jagdrausch einem Heringsschwarm hinterherschwamm und vor der Lübecker Innenstadt landete. Schon einen Tag später war das Tier weitergezogen.
Haben Sie schon einmal Schweinswale oder Delfine in der Ostsee gesehen und eventuell sogar Fotos gemacht? Teilen Sie Ihre Geschichte mit uns: mail@yacht.de
In diesem Sinne, Ihnen einen tollen Segelsommer, wo auch immer Sie unterwegs sind.
Martin Hager,
Chefredakteur YACHT
Der Yacht Newsletter fasst die wichtigsten Themen der Woche zusammen, alle Top-Themen kompakt und direkt in deiner Mail-Box. Einfach anmelden:
Die vierte Etappe von The Ocean Race ist in vollem Gange. “Holcim – PRB” ist nach dem Mastbruch vergangene Woche mittlerweile per Frachter auf dem Weg in Richtung des nächsten Etappenhafens, Newport in den USA. Die Konkurrenz liefert sich derweil packende Duelle. Hier auf yacht.de gibt es wie immer tägliche News, Hintergründe und Updates zum Rennen!
Die niederländische Werft Royal Huisman hat einen wichtigen Meilenstein beim Bau des 81 Meter langen Schoner mit der Projektnummer 412 erreicht. Der Alu-Rumpf wurde auf der Werft in Vollenhove gedreht. Der Flybridge-Dreimaster aus der Trident-810-Serie wird 2028 ausgeliefert.
Unterricht, Internat und segeln: in Louisenlund finden diese Komponenten zusammen. Im YACHT-Podcast sprechen Stiftungsleiter Dr. Peter Rösner und Trainerin Anna Schweizer über das Schulkonzept.
Bangen um den Buckelwal vor Niendorf: Der gestrandete Wal kämpft ums Überleben. Rettungsversuche mit Saugbagger scheiterten. Tötung ist keine Option. Experten hoffen nun auf größeres Gerät.
Europas GPS-Alternative bekommt Verstärkung: ESA startet Celeste am 25. März mit zwei Satelliten in 510 Kilometer Höhe. Galileo wird robuster gegen Jamming, Indoor-Navigation möglich. Frequenzsicherung bis Mai kritisch.
Segeln ist bis ins hohe Alter möglich. Doch der Gedanke ans Aufhören gehört dazu. Wann ist damit Schluss? Die Antworten sind so individuell wie die Segler selbst.
Eine Deckssalon-Blauwasseryacht, die konsequent auf Leichtbau setzt? Und überraschend agil segelt? Das klingt ungewöhnlich, ist aber so. Scandi 42 im Test.
Reviernews-Dänemark 2026, Teil 3: Im Großen Belt nordwärts über das Kattegat bis zum Limfjord. Auch im westlichen Teil des Landes gibt es Neuerungen in einigen Häfen.
Drei neue Meeresschutzgebiete in Schleswig-Holstein starten ab dem 24. März 2026: Wo Ankern, Angeln und Tempo jetzt Grenzen haben – und warum die Regeln für Segler und Motorboote milder ausfallen als befürchtet.
Vier Jahrzehnte unter teils tragischen Umständen hat es gedauert, bis das Traumboot eines Vaters und seines Sohnes schwamm. Die "Arningali" ist ein segelndes Museum für nautische Preziosen.
Victoria Schultheis ist der leuchtende Stern am weiblichen Foiling-Himmel. Die Motten-Weltmeisterin und SailGP-Reservestrategin gewann den Foiling Award.
Der Yacht Newsletter fasst die wichtigsten Themen der Woche zusammen, alle Top-Themen kompakt und direkt in deiner Mail-Box. Einfach anmelden: