Liebe Leserinnen und Leser,
der gut recherchierte Artikel meines Kollegen Andreas Fritsch über die vermeldete Saison-Sperrung des Yachthafens in Damp erhitzt die Gemüter auf unserem Facebook-Kanal.
Zum Unverständnis und zur Wut über die vermeintliche Tatenlosigkeit oder gar Unfähigkeit von Hafeneigner, Pächter und den Landespolitikern in Kiel gesellen sich aber auch Stimmen mit der Aufforderung „die Kirche doch mal im Dorf zu lassen“. Und das ist gut so!
So ärgerlich es auch ist für die rund 300 Dauerlieger, die diese Saison an Land bleiben müssen, sofern sie nicht einen der raren Ausweichplätze an der Ostsee ergattern konnten – die Welt wird davon nicht untergehen. An den Orten, wo Kriege und Naturkatastrophen nicht nur materiellen Schaden, sondern auch unfassbares Leid für die dort lebenden Menschen erzeugen, sieht die Welt ganz anders aus.
Kann man wirklich erwarten, dass alle denkbaren Hebel in Gang gesetzt werden, damit wir unserem liebsten Hobby, dem Segeln, nachgehen können, während links und rechts die Welt unterzugehen droht? Ich habe zwar gut reden, da nicht nur mein Boot die Jahrhundertsturmflut gut überstanden hat, sondern auch mein Liegeplatz an der Flensburger Förde sichergestellt ist.
Selbstverständlich würde ich mich auch ärgern, wahrscheinlich in meinem Frust auch mal über die Stränge schlagen, wenn mein geplanter Segelurlaub ins Wasser fällt. Und nichts eignet sich besser, um den Alltagssorgen und Krisenmeldungen zu entkommen als das eigene Boot. Aber am Ende des Tages ist es ein Privileg, dessen wir uns auch in einer möglichen Zwangspause bewusst sein sollten.
Der Blick in andere Häfen wie nach Kiel-Schilksee, wo Himmel und Hölle in Gang gesetzt wurden, um die Saison irgendwie zu retten, kann durchaus Neid erzeugen. Doch die haben mitunter andere Voraussetzungen und Möglichkeiten. Nichtsdestotrotz: Hut ab vor diesen Energie- und Willensleistungen! Doch Damp ist mit seinen Sorgen nicht allein. Auch im dänischen Mommark auf Alsen oder in Hesnæs auf Falster sieht es düster aus. Ob dort jemals wieder Segler festmachen können, steht noch völlig in den Sternen.
Apropos andere Häfen: In Hooksiel an der Nordsee wurde bereits ein Segelboot aus Damp ausgemacht, das dort einen Dauerliegeplatz belegt hat. Ein traumhaft schönes Revier, das vielen Ostseeseglern noch unbekannt sein dürfte. Revierwechsel, eine Saison unter Anker, Chartertörns oder ein Refit-Projekt – vielleicht findet sich für die gestrandeten Dauerlieger ja doch noch eine Möglichkeit, aufs Wasser zu kommen oder zumindest die Zeit gut zu überbrücken. Not macht bekanntlich erfinderisch.
YACHT-Redakteur
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