Moritz Wichmann: Bis auf Kleinigkeiten auf jeden Fall. Aber es war ein großes Abenteuer. Manchmal nervig, manchmal einfach nur anstrengend – da hieß es dann durchhalten. Manchmal war es aber auch einfach magisch: Diese Momente, denen wir alle im Leben so ein bisschen hinterherjagen.
Für entlegene Strecken im Pazifik würde ich viel langfristiger Crew suchen. Bei der Atlantiküberquerung wird man von Anfragen überrannt, jeder Backpacker sucht danach. Für Etappen, die von Europa aus schwer zu erreichen sind, ist es jedoch gar nicht so einfach, Mitsegler zu finden. Aber mein Geheimtipp an alle, die Crew werden wollen: Shelter Bay Marina in Panama. Da sitzen viele wohlhabende Segler auf tollen Booten, die über den Pazifik wollen und händeringend Mitsegler suchen.
Zweitens würde ich Australiens Nordküste wegen der Krokodile auslassen. Man kann dort nicht einfach ins Wasser springen wie im Mittelmeer. Ich würde direkt nach Indonesien segeln und da mehr Zeit verbringen.
In der traditionellen Segelliteratur wird geraten: Testsegeln, Crew umfangreich prüfen. Das konnte ich gar nicht machen. Dafür bin ich zu viel gesegelt und hatte zu viele Leute an Bord. Aber ich war es schon gewöhnt, weil ich über zehn Jahre als Charterskipper gearbeitet habe. Man muss ein bisschen der Typ dafür sein. Ich komme mit fast allen Leuten klar.
Vorher bin ich hauptsächlich Boote gesegelt und habe an- und abgelegt. Auf der Weltumsegelung musste ich dann vor allem Bootswartung lernen: Mechanik, Bootsbau, Elektrik. Ich war vor der Reise überhaupt kein Mechaniker. Unterwegs habe ich dann alle möglichen Probleme selber gelöst, immer mehr Elektrik selbst gemacht und im Roten Meer schließlich sogar meinen Motor bis zu den Ventilen entlüftet. Man wird ein bisschen Segelmacher, Elektriker, Mechaniker – ein Allrounder eben. Und ich habe enormen Respekt vor Handwerkern bekommen.
Ich habe vorher einen Blogbeitrag dazu geschrieben und mir viele Gedanken gemacht: Ja, es ist ein Risiko, aber es ist managebar. Durch Bab el Mandeb, das Nadelöhr des Roten Meers, fährt man nachts mit Rückenwind und Strömung hindurch, möglichst schnell an der jemenitischen Küste vorbei, die bekannt für Angriffe durch bewaffnete Rebellengruppen ist. In anderthalb Tagen ist man aus der Gefahrenzone raus. Bisher haben die Huthis aber auch keine privaten Yachten angegriffen, nur Frachter und Tanker. Bei mir ging auch alles gut. Das Problem war eher, dass ich keine Mitsegler fand. Alle hatten Angst. Dann kamen mein Vater und mein Freund Peter aus den USA zur Hilfe. Es war eine anstrengende Tour: 2.000 Meilen gegen den Wind.
Es gab auf dem Roten Meer auch positive Überraschungen: Der Sudan war toll. Sehr arm, aber die freundlichsten Menschen. Wir waren in Suakin. Djibouti dagegen ist ein dereguliertes Freihandels-Chaos und leider total vermüllt. Die Taxifahrer sagen dir aus Prinzip den dreifachen Preis. Eine gute Erfahrung hatten wir auch im Suezkanal: Super nette Lotsen, junge Kapitäne von Schleppern, die nebenbei Yachten durch den Kanal führen. Die haben uns was Kleines geschenkt, wir haben zurückgeschenkt.
Das war eine pragmatische Entscheidung. Winter 2021/22, Ende der Corona-Pandemie, Käufermarkt. Aber es ist auch ein wirklich gutes Boot, ein ehrlicher Allrounder. Der YACHT-Testbericht von 2001 sagte: gut ventiliert fürs Tropensegeln, segelt gut bei Leichtwind, solide laminiert.
Ich habe meine Dufour 43 nach dem Kauf in drei Wochen einem Speed-Refit unterzogen: Seeventile ausgetauscht, Rigg ausgetauscht, Saildrive-Dichtung gewechselt. Ich wollte nicht ein Jahr warten und am Boot arbeiten, sondern lieber direkt lossegeln. Den Rest habe ich unterwegs upgegradet: Lithium-Batterien in Mallorca, Solarpanels in Kapstadt, Watermaker-Reparatur unterwegs. Alle acht bis zehn Wochen habe ich eine geplante Woche Refit-Pause eingelegt.
Gute Allrounder-Boote, 40 bis 45 Fuß, 20 bis 25 Jahre alt, kosten zwischen 65.000 und 90.000 Euro. Was ich noch darüber hinaus investiert habe? Schwierig zu sagen, pro Jahr schon einiges. Ich musste oft auf Verdacht doppelt Ersatzteile kaufen.
Als monatliches Budget wird in der Literatur oft 650 bis 1.500 Euro angenommen. Bei 700 Euro muss man schon sehr genügsam sein, Reis und Bohnen als Hauptnahrungsmittel. Ich war eher Richtung 1.000-1.500 Euro unterwegs. Ist alles machbar mit finanzieller Disziplin. Durch meine Mitsegler bin ich am Ende sogar plus/minus null rausgekommen. Am Anfang habe ich 250 bis 350 Euro pro Woche von Mitseglern genommen, später 500 bis 600 Euro.
Ich habe meinen Job als Zeitungsredakteur gekündigt. Zehn Jahre gespart, dann alles hingeschmissen. Ich hatte romantische Ideen, vom Boot aus Artikel zu schreiben, aber das konnte ich vergessen. An Bord war ich komplett beschäftigt: Segeln, Crew managen, Reparaturen, Ersatzteilbeschaffung, Social Media. Es war nicht möglich, nebenbei noch zu arbeiten.
Gut. Manche Leute fragen: Wie kannst du wieder im normalen Leben sein? Dahinter steckt eine romantisierte Vorstellung von einer Weltumsegelung. Es war eine logistische Herausforderung, es gab magische Momente. Aber es war ein Projekt, das jetzt abgeschlossen ist. Ich habe mal gescherzt: Wenn ich morgen sterben würde, wäre ich nicht unglücklich. Es war eines meiner größten Lebensziele, um die Welt zu segeln. Alles andere ist jetzt nice on top.
Ich versuche das Boot zu halten. Alle sechs bis acht Wochen fliege ich nach Griechenland für Wartung. Zwischendurch segeln andere Skipper mein Boot. Mal schauen, ob sich das trägt.
Who knows? Vielleicht ist es gar kein Widerspruch – es gibt Leute, die mit Kleinkindern auf Booten segeln oder leben. Wie Joe Strummer von The Clash sagte: The future is unwritten.