GroßsegelmanöverDie besten Tricks zum Setzen und Bergen

Michael Rinck

, Lars Bolle

 · 18.10.2022

Großsegelmanöver: Die besten Tricks zum Setzen und BergenFoto: YACHT/B. Scheurer
Kontrollblick: Sowohl beim Setzen als auch beim Bergen sollten Segel und Fall frei laufen können

Mit den richtigen Handgriffen lässt sich beim Setzen und Bergen der Segel viel Zeit und Kraft sparen, auch das Material wird geschont. Mit diesen Tipps und Tricks klappen die Großsegelmanöver noch besser

Einer der schönsten Momente auf dem Boot ist der, wenn nach dem absolvierten Ablegemanöver die Segel gesetzt werden und die Maschine ausgeschaltet werden kann. Plötzlich tritt Ruhe ein, die Yacht legt sich auf die Seite und beginnt, angetrieben vom Wind, Fahrt aufzunehmen. Darauf freuen sich Segler schon die ganze Woche. Aber wie bekommt man das Großsegel komplett entspannt und ohne jegliche Probleme nach oben?

Diese elementare Aufgabe an Bord wirkt auf den ersten Blick fast schon banal, dennoch gibt es einige Kniffe, mit denen sich das Manöver vereinfachen lässt. Beim Setzen hilft eine gute Vorbereitung. Denn geht das Segel schnell hoch, ist nicht so viel Platz für das Manöver nötig, außerdem wird das Tuch geschont, je kürzer es flattert. Nicht ohne Grund wird dabei auch von Killen gesprochen.

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Großsegel setzen: Schritt für Schritt

1. Runter mit der Hülle: Schon im Hafen kann die Segelpersenning abgenommen werden. Dabei die Augen offen halten: Sieht alles gut aus?
Foto: YACHT/B. Scheurer

Gute Vorbereitung ist sehr wichtig

Früher mussten die Segel nicht selten bereits im Hafen gesetzt oder nach dem Törn erst dort geborgen werden. Als es noch keine verlässlichen, starken Antriebe gab, blieb den Crews nichts weiter übrig, als unter Segeln ab- und anzulegen. Dafür standen jedoch meist größere Vorhäfen als heutzutage inklusive Takeldalben zur Verfügung. An diese wurden die Boote verholt, und die Segel konnten im Wind stehend gesetzt oder geborgen werden. Heute, mit modernen Yachten und starken Antrieben, werden solcherart Manöverhilfen nicht mehr benötigt. Sie sind folglich in den meisten Häfen zusätzlichen Liegeplätzen gewichen. Damit ist vielerorts das Segeln im Hafen nicht mehr möglich und oft sogar verboten. Die Tücher müssen also meist vor den Häfen gesetzt beziehungsweise geborgen werden.

Dennoch beginnen diese Manöver auch heute noch am Liegeplatz – mit der Vorbereitung nämlich. Alle Segel, also meist Groß und Genua, sollten angeschlagen und vorbereitet sein. So, dass sie zwar nicht vom Wind unkontrolliert gelöst werden können, aber dennoch schnell zu bedienen sind. Also niemals etwa mit geschlossenen Lazybags und ohne angeschlagenes Großfall den Hafen verlassen! Denn wenn plötzlich vor den Molenköpfen die Maschine versagt, wird man froh sein, das Segel hochreißen und sich freisegeln zu können. Da es mittlerweile kaum noch schützende Vorhäfen gibt, ist es ratsam, sich ein möglichst ruhiges Gebiet vor dem Hafen für die Manöver zu suchen. Das ist einfach bei ablandigem Wind, aber fast unmöglich, wenn es direkt auflandig weht.

Doch schon bei Quer-Richtungen reicht eine kleine Huk oder auch die Abdeckung einer Mole, um weniger Wind und vor allem weniger Wellengang abzubekommen. Das Bocken der Yacht in höherer See kann für eine Person, die zum Segelmanöver das schützende Cockpit verlassen muss, sehr gefährlich werden. Ein Setzen und Bergen der Tücher sollte stets so schnell wie möglich, aber nicht überhastet geschehen. Mitten im Manöver ist die Yacht manövrierbehindert, und diese Phase sollte nicht unnötig lange dauern. Außerdem vergrößert sich bei zu langen Prozeduren das Manövriergebiet, wodurch die Kollisionsgefahr steigt.


Großsegel bergen und auftuchen: Schritt für Schritt

1. Ordnen: Das Großfall klarieren, nicht aufschießen! Lose in die Plicht legen, das Ende nach unten
Foto: YACHT/B. Scheurer

Großsegel mit der richtigen Technik ordentlich auftuchen

Spätestens beim Bergen und beim Auftuchen lässt sich Stress vermeiden, einige Arbeitsschritte abkürzen und mit der richtigen Technik besonders viel Zeit sparen. Entscheidend sind die Handgriffe am Vorliek, wenn das Tuch am Mast runterkommt. Die Buchten zwischen den Rutschern müssen abwechselnd nach Backbord und Steuerbord gelegt werden. Sie bilden das Fundament für das darauffolgende Auftuchen.

Das geht dann einfach – vom Achterliek beginnend und bis zum Mast fortschreitend – von der Hand. Der große Vorteil: Ist das Großsegel schon vor der Hafeneinfahrt richtig aufgetucht, muss es am Liegeplatz nicht mehr angefasst werden.

Dann fehlt nur noch die Persenning, denn UV-Strahlung ist der größte Feind des Materials, mehr noch als das Killen.


Mit diesen 5 Kniffen geht’s noch einfacher:

Foto: YACHT/B.Scheurer

1. Helfende Hand

Wenn der Autopilot nach der Windrichtung steuert, kann er den Bug zuverlässig in Luv halten. So gelingt das Manöver noch einfacher, ob zu zweit oder auch einhand. Der Steuermann kann sich ganz auf die Arbeit am Fall konzentrieren.


Foto: YACHT/B.Scheurer

2. Leichter Lauf

Zum Bergen muss der Bug nicht zwingend genau im Wind sein, es hilft bei mehr Wind aber enorm. Dann laufen die Rutscher oder Wagen noch leichter in der Mastnut, und das Großsegel kommt fast von allein runter.


Foto: YACHT/M. Amme

3. Materialunterschiede

Eher steiferes Laminat oder gar durchgelattete Segel lassen sich einfacher in ordentliche Falten legen. Das auf der rechten Seite beschriebene Prinzip des Auftuchens klappt aber mit allen Segelmaterialien.


Foto: YACHT/M. Amme

4. Bergehilfe

Das Großsegel lässt sich auch gut bergen, ohne in den Wind zu fahren. Die dicht geschotete Genua kann dabei helfen. Ihr Abwind nimmt den Druck aus dem Großsegel. So lässt es sich auf Amwind-Kurs bergen.


5. Video-Tutorials für Einsteiger


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