InterviewZwischen Schulbank und Lifestyle

Janek Struchholz

 · 10.09.2026

Segeln bis spät in die Abendstunden.
Foto: XP SAIL
​Segeln lernen, Erfahrungen sammeln und anschließend auf die Regattabahn. Am 12. September feiert das Team der XP SAIL Academy in Kaarst Eröffnung. Im Interview erklärt Fabrice Roghé, wie sein Konzept einer modernen Segelschule aussieht und wen er erreichen möchte.

Der 52-jährige Fabrice Roghé beendet mit der Gründung der XP SAIL Academy seinen vorzeitigen Ruhestand. Zuvor arbeitete er als Unternehmensberater. Mit seiner neuen Akademie will er in den Markt der Segelausbildung einsteigen und hat dazu ein neues Unternehmen gegründet.

Herr Roghé, der Markt für Segelschulen wirkt nicht gerade unterversorgt. Warum braucht es mit XP SAIL eine weitere Segelschule?

Ich halte die meisten Segelschulen in Deutschland nicht für optimal.

Warum das?

Die machen Frontalunterricht, den ich mir auch auf YouTube anschauen könnte. Da hält einer, wenn man ihn nicht unterbricht, einen Zwei-Stunden-Vortrag und zeigt einem 40 bis 80 Folien, wenn man Pech hat.

Was ist Ihr Gegenmodell?

Der Segel- und Bootsmarkt vor steht großen Herausforderungen. Es wird immer weniger Leute geben, die bereit sind, sich ein Boot zu kaufen, mit der ganzen Arbeit, die dazugehört. Die Menschen werden eher erstklassige Törns, Events und Charter buchen als in Yachten zu investieren. Sie haben Interesse an tollen Erfahrungen, in großartigen Revieren, uns an glamourösen Locations. Das wollen wir mit unseren Segelangeboten liefern.

Und Ihr Unterricht, was ist daran besonders?

Bei unseren Schulungen wollen wir moderne Didaktik anwenden. Wenn ich Frontalunterricht mache, kann ich das lieber über E-Learning organisieren. Wenn die Leute zu mir in die Segelschule kommen, soll es interaktiv sein, dann muss diskutiert werden. Vor allem in einem angenehmen Umfeld.

Meistgelesen

1

2

3

4

5

Und was ist daran neu?

Die Praxis: Wir definieren uns übers Segeln mit sportlichem Anspruch. Deswegen ist das Thema Regatten für uns zentral. Die ersten Events, die wir ab Herbst auf unseren Schiffen veranstalten, sind Regatten. Und auf unseren Regattayachten wollen wir auch schulen. Das wird unser Aushängeschild sein, das soll unsere Marke prägen. Regattasegeln und Schulungen auf performanceorientierten Schiffen, auf einem luxuriöseren Level.

Sie bieten auf Ihrer Webseite auch „Business Events“ an. Machen Sie sich keine Sorgen, das Ihre Kunden Sie gar nicht als Segelschule wahrnehmen?

Der Punkt ist fair. Ich glaube, es ist aber insofern nicht ganz so wild, als dass wir das Business-Angebot ganz klar abgetrennt haben. Wenn Sie fragen, wofür die Marke XP SAIL bei uns steht, dann nicht dafür.

Wie sieht Ihre Ausbildungsflotte denn aus?

Wir bieten das Segeln auf drei Perfomance-Cruisern an. Ich wollte für mich selbst ein sportliches Segelboot. Ich möchte schnell und kompetitiv segeln können, aber gleichzeitig auch ein bequemes, geräumiges und elegantes Boot. Unser Flaggschiff, die “Sophie Emilie”, ist wegen verschiedener Spezifikationen zu einem Unikat geworden.

Sind alle Boote, die Sie segeln, Eigentum von XP SAIL?

Nein, nicht alle. Unser Aushängeschild, “Sophie Emilie”, gehört XP Sail. Die anderen beiden werden bei Infinity Yachting zwischenverchartert.

Was ist Ihr persönliches Ziel mit XP SAIL?

Ich habe früher eine andere Laufbahn gehabt und war in der Unternehmensberatung tätig. Vor ungefähr zwei Jahren bin ich in den Frühruhestand gegangen und das war ein großes Privileg, das ich zu schätzen weiß. Jetzt möchte ich etwas Neues machen. Eine Plattform aufbauen, die höchsten Ansprüchen gerecht wird und das Premium-Performance-Segeln einem breiteren Publikum näherbringt. Meine eigene Mission und mein eigenes Projekt. Ich will etwas aufbauen, worauf ich stolz sein kann und was unserem Qualitätsanspruch genügt. Es muss nicht der große Moneymaker sein, aber es soll wirtschaftlich nachhaltig sein.

Das könnte Sie auch interessieren

Buchtipps

Skippertraining – Planen, Führen und Entscheiden. Das Buch setzt dort an, wo die reine Führerscheinausbildung endet. Behandelt werden unter anderem Törnplanung, Navigation, Hafenmanöver, Seemannschaft und das richtige Verhalten in Notfällen. Damit passt es gut um nach der theoretischen Ausbildung praktische Erfahrung zu sammeln

Ich lerne segeln - Ein verständlicher Einstieg in die Grundlagen des Segelns. Von den ersten Manövern über das An- und Ablegen bis zum Segelsetzen. Durch die einfache Sprache und mehr als 150 Abbildungen eignet sich das Buch besonders für Segelanfänger.

Diskutiert mit: Was müsste eine moderne Segelschule bieten, damit ihr euch für sie entscheidet?


Artikel teilen:
Kommentare

Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.

Janek Struchholz kommt aus dem Bergischen Land, fühlt sich aber vor allem auf dem Wasser zu Hause. Seine Segellaufbahn begann im Optimisten und führte ihn bis in den internationalen Regattasport der 420er-Klasse. Nach der Schule studierte er Medienkultur in Weimar. Heute verbindet er als Volontär seine beiden Welten: Medien und Wassersport. Privat ist er regelmäßig auf dem IJsselmeer unterwegs und steht gelegentlich noch immer an der Regattastartlinie.

Meistgelesen in der Rubrik Wissen