SportbootführerscheineWelche Patente es gibt und wer sie benötigt

Felix Keßler

 · 12.07.2017

Sportbootführerscheine: Welche Patente es gibt und wer sie benötigtFoto: YACHT/H.-G. Kiesel

Auch Freizeit-Kapitäne kommen um einen Sportbootführerschein häufig nicht herum – welche Scheine tatsächlich vom Gesetzgeber vorgeschrieben sind

Wenn auch oft von einem unüberschaubaren Führerscheindickicht gesprochen wird – eigentlich ist es ganz einfach: In Deutschland gibt es nämlich nur zwei amtlich vorgeschriebene Sportbootführerscheine, den Sportbootführerschein See (SBF See) und Binnen (SBF Binnen). Soll ein Funkgerät an Bord betrieben werden, ist außerdem ein Funkzeugnis nötig.

Die Führerscheinpflicht wurde in den vergangenen Jahren mehrfach liberalisiert. Seit einer Bundesverordnung aus dem Jahr 2012 beispielsweise dürfen Sportboote bis 15 PS (11,03 KW) Leistung ohne Führerschein gefahren werden. Es lassen sich seitdem also auch kleine Yachten, wie die oben abgebildete Sunbeam 26, ohne Führerschein skippern.

Die amtlichen Sportbootführerscheine haben zu Beginn dieser Saison zahlreiche Neuregelungen erfahren. Im Mai nämlich trat die novellierte Sportbootführerscheinverordnung (SpFV) in Kraft.

Die wichtigsten Änderungen:

  Der Sportbootführerschein See ist häufig der erste Schritt für eifrige Scheine-Sammler. Alle darauf aufbauenden Scheine sind für Freizeit-Skipper lediglich "empfohlen" Foto: YACHT/B. Andersch
Der Sportbootführerschein See ist häufig der erste Schritt für eifrige Scheine-Sammler. Alle darauf aufbauenden Scheine sind für Freizeit-Skipper lediglich "empfohlen" 
  • Alle Theorie- und Praxisprüfungen können künftig innerhalb eines Jahres zu verschiedenen Zeitpunkten und an verschiedenen Orten (auch im Ausland) abgelegt werden.
  • Für das fahrerlaubnisfreie Führen von Sportbooten besteht im Seebereich keine Altersgrenze mehr.
  • Sowohl die Besitzer der alten Sportbootführerscheine als auch die des neuen Führerscheins dürfen künftig auf Binnenschifffahrtsstraßen Sportboote von weniger als 20 Meter Länge führen. Einzige Ausnahme: Auf dem Rhein dürfen Sportboote von weniger als 15 Meter Länge geführt werden.
  • In Zukunft (der genaue Zeitpunkt steht noch nicht fest) kommt der SBF als Scheckkarte (ähnlich einem Autoführerschein)

Warum es in jedem Fall sinnvoll ist, den Spoortbootführerschein See zu erwerben, lesen Sie auf der nächsten Seite.

  Die rot markierten Flächen zeigen den Geltungsbereich des SBF See an. Dort, wo die Färbung ins Blaue übergeht, wird der SBF Binnen erforderlich, so zum Beispiel auf Weser und Elbe ab Bremen bzw. Hamburg. Dieses Bild wurde der Website des <a href="https://www.elwis.de/Schifffahrtsrecht/Seeschifffahrtsrecht/SeeSchStrO/Anlagen/Anlage-III/index.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer nofollow">Elektronischen Wasserstraßen-Informationsservices</a>  entnommen. Foto: www.elwis.de
Die rot markierten Flächen zeigen den Geltungsbereich des SBF See an. Dort, wo die Färbung ins Blaue übergeht, wird der SBF Binnen erforderlich, so zum Beispiel auf Weser und Elbe ab Bremen bzw. Hamburg. Dieses Bild wurde der Website des Elektronischen Wasserstraßen-Informationsservices  entnommen. 

Der Sportbootführerschein See

Sportboote mit einer Leistung von mehr als 15 PS (11,03 kW) an der Schraube dürfen nur mit einem amtlichen Sportbootführerschein (SBF) geführt werden. Eine Beschränkung auf die Rumpflänge des Bootes gibt es hier nicht, wohl aber dürfen nicht alle Gewässer befahren werden. Der Geltungsbereich ist beim SBF See nämlich auf die Seeschifffahrtsstraßen beschränkt. Und die enden beispielsweise elbaufwärts hinter Hamburg oder weseraufwärts hinter Bremen. Ab hier gilt dann der Sportbootführerschein Binnen, der mit seinem Geltungsbereich generell alle deutschen Binnenreviere umfasst. Ausgenommen sind der Rhein (Rheinpatent), der Bodensee (Bodenseeschifferpatent) und einige Gewässer in und um Berlin (dort ist der SBF Binnen für alle Wasserfahrzeuge vorgeschrieben).

Außerdem: Skipper, die gegen Bezahlung arbeiten wollen, müssen weitere Scheine vorweisen, etwa den auf den Sportküstenschifferschein (SKS) aufbauenden Sportseeschifferschein (SSS). Wichtig: Alle Scheine, die auf den SBF See aufbauen, sind für Freizeit-Skipper freiwillig und nicht vorgeschrieben. Sie sind geeignet, um die bestehenden Kenntnisse zu vertiefen und sich auf das Segeln in anspruchsvollen Gewässern vorzubereiten. Denn auch wenn es rechtlich erlaubt ist: Kaum jemand geht ohne jegliche Erfahrungen unmittelbar nach bestandener Prüfung auf Weltumsegelung. Welche Scheine zur Vertiefung sinnvoll sind, erfahren Sie hier.

Vorraussetzung für den Erwerb des SBF See sind folgende Kriterien:

• Lebensalter: mindestens 16 Jahre
• Allgemeine Tauglichkeit: ärztliches Zeugnis (Sehfähigkeit/Allgemeiner Gesundheitszustand)
• Kfz-Führerschein oder Führungszeugnis "O"
• Lichtbild (38 x 45 mm)
• bei Minderjährigen: Einverständniserklärung eines Erziehungsberechtigten

Fachliche Vorkenntnisse werden nicht vorausgesetzt!

  Fällt vielen Prüflingen schwer: die Arbeit mit Seekarte, Stechzirkel und KursdreieckFoto: YACHT / N. Krauss
Fällt vielen Prüflingen schwer: die Arbeit mit Seekarte, Stechzirkel und Kursdreieck

Der Prüfungsablauf beim SBF See

Die Prüfung zum SBF See und ebenso zum SBF Binnen gliedert sich in einen praktischen und einen theoretischen Teil. In der praktischen Prüfung zum SBF See werden grundlegende Manöver sowie Knoten geprüft – meist auf den Übungsbooten der Segelschulen, auf denen zuvor auch die Vorbereitung zur praktischen Prüfung durchgeführt wurde. So kann man die vielfach geprobten Manöver in gewohnter Umgebung vorführen.

In der theoretischen Prüfung wird Grundsätzliches aus den Bereichen der Navigation, Wetterkunde und Seemannschaft abgefragt. Zentraler Bestandteil sind die weltweit geltenden Kollisionsverhütungsregeln (KVR) und die Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung (SeeSchStrO) beim SBF See. Die insgesamt 15 Fragebögen im Multiple-Choice-Stil sind schon vor der Prüfung einsehbar. Üben können Sie auch mobil mit unserer SBF Fragen-App.

Im Buch "Sportbootführerschein See" des Delius Klasing Verlags, in dem auch die YACHT erscheint, sind neben allen Prüfungsfragen auch acht Kartenausschnitte für die Navigationsaufgaben enthalten.

  Einfach ins Gerät quasseln kann jeder. Gerade in Seenot-Situationen können die während der Funk-Ausbildung vermittelten Grundlagen entscheidend seinFoto: H.G-Kiesel YACHT
Einfach ins Gerät quasseln kann jeder. Gerade in Seenot-Situationen können die während der Funk-Ausbildung vermittelten Grundlagen entscheidend sein

Wichtig: Zur ausreichenden Ausführung der Praxis-Aufgaben sind jeweils maximal zwei Versuche erlaubt. Die theoretische Prüfung besteht man mit mindestens 24 Punkten aus dem Fragebogen und 7 Punkten in der Navigationsaufgabe.

Die größten Schwierigkeiten bereitet den Lernenden meist die Navigation, denn Missweisung, Ablenkung und Beschickung haben ihre Tücken. Diese Bücher bringen Sie sicher durch die Prüfung.

Ohne Funkzeugnis kein Boot

In Deutschland müssen Führer von seegehenden Sportbooten, welche ein UKW-Funkgerät an Bord haben, zumindest das Beschränkt gültige Funkbetriebszeugnis (SRC) besitzen. Auch Crewmitglieder, die die Seefunkstelle bedienen wollen, benötigen diesen Befähigungsnachweis.

Soll die UKW-Funkanlage im Binnenbereich betrieben werden, ist das UKW-Sprechfunkzeugnis Binnen (UBI) erforderlich.

Zum Betrieb aller Seefunkanlagen berechtigt allein das Allgemeine Sprechfunkzeugnis (LRC). Es ist für den Schiffsführer vorgeschrieben, sobald eine GMDSS-fähige Kurz- oder Grenzwellen-Seefunkanlage oder eine Inmarsat-Satellitenanlage an Bord ist.

  Aufwändiger: Der Sportküstenschifferschein (SKS) ist ein weiteres Zeugnis über die Fähigkeiten des Besitzers. Gesetzlich vorgeschrieben ist er für Freizeitkapitäne nicht.Foto: YACHT
Aufwändiger: Der Sportküstenschifferschein (SKS) ist ein weiteres Zeugnis über die Fähigkeiten des Besitzers. Gesetzlich vorgeschrieben ist er für Freizeitkapitäne nicht.

Sind weitere Scheine sinnvoll?

Ist der Sportbootführerschein See erst einmal geschafft, bietet sich im nächsten Schritt der Sportküstenschifferschein (SKS) an. Denn: Allein die Erlaubnis zum Führen großer Yachten sagt noch nichts über die Fähigkeiten eines Skippers aus. Der SBF See bestätigt nur das Wissen über die Grundlagen des Wassersports. Da ist es nicht verwunderlich, dass viele Freizeitkapitäne gleich im Anschluss den ersten Schein mit echtem seemännischem Tiefgang machen wollen.

Allerdings sind Umfang und Vorbereitungsdauer, verglichen mit dem SBF, für den SKS wesentlich größer. Neben dem Besitz des SBF See sind auch 300 Seemeilen auf Yachten in Küstengewässern vorgeschrieben. In der Regel werden die erforderlichen Seemeilen in einer oder zwei Wochen auf einer Yacht des ausbildenden Vereins oder einer Segelschule gesammelt. Im letztgenannten Fall ist der SKS mit erheblichen Kosten verbunden. Je nachdem, wo und wie lange der Vorbereitungstörn stattfindet (auch im Ausland möglich), muss mit Gesamtkosten von bis zu 1.000 Euro gerechnet werden.

Die jährlichen bundesweiten Ausstellungen der weiterführenden Scheine Sportseeschifferschein (SSS) und Sporthochseeschifferschein (SHS) liegen im oberen dreistelligen und allenfalls unteren vierstelligen Bereich. Verglichen mit den jährlichen tausendfachen Ausstellungen des SBF See ist das nicht viel.

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