TörnvorschlagMallorca mal anders

Andreas Fritsch

, Morten Strauch

 · 01.12.2022

Blick auf den beliebten Ankerplatz vor  Sant Elm an der Westspitze Mallorcas
Foto: Martin Muth
Blick auf den beliebten Ankerplatz vor Sant Elm an der Westspitze Mallorcas

Vom Hochgebirge zum Traumstrand: statt Cala-Hopping im Osten von Mallorca zur bergigen Nordküste von Sóller. Ein toller Törn, auch für Einsteiger!

Dies hier ist ein Mallorca-Törn, der sich nicht den Calas verschreibt, jenen beliebten Ankerbuchten, die sich vor allem an der Ostküste finden, und der auch den Nationalpark Cabrera auslässt. Dafür gibt es ein imposantes Stück Hochgebirge, fischreiche Ankerplätze und den Traumstrand der Insel zu entdecken. Schon die ersten Seemeilen machen deutlich: In Richtung Westen bewegt man sich in der Bucht von Palma und aus ihr hinaus bis Port d’Andratx deutlich auf der lebhafteren Seite Mallorcas. Hier im Süden dominieren meist Motor­yachten das Geschehen. Erst ab der Isla Dragonera wird es spürbar ruhiger auf dem Meer. Die gewaltige Natur des Tramuntana-Gebirges bestimmt von nun an das Bild. Auf etwa halber Strecke gibt es den einzigen Hafen dieses Küstenabschnitts, den Port de Sóller. Den sollte jeder mal gesehen haben.

Verlagssonderveröffentlichung

Wer mit dem Boot kommt, kann wählen zwischen einer modernen Marina und den preiswerten Liegeplätzen bei Ports IB, das ist die balearische Hafenverwaltung. Diese Kombination gibt es in einigen Häfen Mallorcas und der Nachbarinseln. Die Region westlich der Bucht von Palma wird geprägt von markanten Kaps. Zwischen ihnen finden sich größere Buchten und Yachthäfen, die auch Platz für große und sehr große Yachten haben. Die Ostseite der Bucht von Palma wird flankiert von einer Steilküste, die bis zum Cabo Blanco ansteigt, um danach gleichmäßig abzufallen, bis bei Sa Rà­pita lange Naturstrände beginnen.

Die Infrastruktur in den Etappenstopps, die man unterwegs einlegt, ist perfekt. An Geschäften, Bars und Restaurants herrscht auf Mallorca wahrlich kein Mangel. Schöne Naturerlebnisse schließt das auf der anderen Seite aber nicht aus. Wer gern schnorchelt, wird zahlreiche Fische bewundern können. Neben Delphinen werden immer wieder auch Wale gesichtet.

Beim Hafenbesuch macht man das Schiff überall an Muringleinen fest. In den Buchten ist freies Ankern üblich. Jedoch stets vor einer gelben Tonnenreihe bleiben – falls vorhanden. Sie markiert eine Badezone, die für Schiffe tabu ist. An einigen wenigen Stellen gibt es zudem Muringbojen, die man reservieren und bezahlen muss.

Foto: YACHT

Tag 1: Palma–Port d’Andratx (21 sm)

Gleich zu Beginn wartet eines der Top-Ziele Mallorcas. An der Einfahrt ein hohes, steiles Kap, die Hafenbucht eingerahmt von grünen Hügeln, im Hintergrund die ersten hohen Berge. Zwei eigenständige Häfen, ein Bojenfeld. An Land eine reiche Auswahl an Restaurants, davon viele am Wasser. Auf der Strecke nach Port d’Andratx gibt es verschiedene Möglichkeiten für eine Ankerpause.

Tag 2: Port d’Andratx–Sóller (27 sm)

Es folgt eine Seefahrt entlang der Hochgebirgsküste Mallorcas, der Tramuntana. Grandiose Ausblicke sind garantiert – aber nur wenige Buchten für einen Ankerstopp. Dafür liegt am Ende eine Hafenbucht der Extraklasse mit Yachthäfen und dem Ausblick auf mehrere Tausender.

Tag 3: Port de Sóller–Sant Elm (24 sm)

Wer sich noch nicht sattgesehen hat an der Gebirgskette, der sollte nun beim Törn in die Gegenrichtung den Blick nach Backbord richten. Für die Nacht locken der Ankerplatz oder das Bojenfeld vor Sant Elm, der westlichste Ort auf Mallorca mit zahlreichen Plätzen zum Einkehren. Klares Wasser und viele Fische tummeln sich rund ums Boot: ein Schnorchelparadies.

Tag 4: Sant Elm–Port Adriano (12 sm)

Am Morgen einen Besuch des Naturparks auf der Isla Dragonera (gebührenfrei) einplanen. Man kann vor dem Minihafen ankern und mit dem Beiboot hineinfahren, wenn die Wetterbedingungen dies erlauben. Hier gibt es ein kleines Besucher­­zen­trum. Wer wandern möchte: Zwei Wege führen zu den Leuchttürmen, der anspruchsvollste steigt 400 Meter hoch an zum alten Far Vell. Kontrastprogramm am Abend: Nach dem Festmachen kann man entspannt Superyachten gucken.

Tag 5: Port Adriano–Sa Ràpita (27 sm)

Einmal quer über die Bucht von Palma – das macht man nicht so oft bei einem klassischen Chartertörn auf Mallorca. Aber es lohnt: fürs Ankern vor der Steilküste nahe dem Cabo Blanco und dem Naturstrand Es Trenc. Der befindet sich gleich neben dem Yachthafen des Segelclubs in Sa Ràpita.

Tag 6: Sa Ràpita–Palma (23 sm)

Der letzte Tag verspricht, noch einmal reich an Höhepunkten zu werden. Zuerst ein Bade­stopp vor dem Es-Trenc-Strand zum Schwimmen im türkisfarbenen Meer. Dann ein weiterer Stopp in der fast schon berühmten Cala Pi. Schließlich zurück nach Palma, wo es am Abend beschwingt zum Abschied in die Altstadt geht.

Revier-Charakter Mallorca

Mallorca ist mit seiner per­fek­ten Hafeninfrastruktur und seinen raren navigatorischen Herausforderungen ein über­aus geeignetes Revier auch für Einsteiger. Für den Törn nach Sóller sollte man aber das Wet­ter im Auge behalten. Die steile Nordküste bietet vom Westkap bis zur Hafenbucht nur Schönwetter-Ankerplätze auf teils großen Wassertiefen.

Wind & Wetter

Die Balearen liegen im Ein­fluss­bereich des Azorenhochs. Deshalb überwiegen Hoch­druck­lagen ganzjährig, vor allem während der Sommer­monate. Dann herrscht eitel Sonnenschein, Segelwind ergibt sich überwiegend aus thermischen Effekten. Vor allen in den großen Buchten wie der von Palma und Al­cú­dia weht es am Tag auflandig und bisweilen kräftig. Wenn sich ein Azorenhoch aufbaut, dann wehen an seiner Ostseite nördliche Winde, was dazu beiträgt, den immer wieder aufkommenden Mistral mit einzuleiten. Der Starkwind zieht aus dem Rhône-Tal kommend aufs Mittelmeer hinaus und kann dort durch­aus auch im Sommer Sturm­stärke erreichen. Außer über Menorca stürmt es dann gern auch auf Mallorca und dort vor allem entlang der Ostküs­te.

Nicht weniger wichtig: Auf der Wetterkarte die Region südlich und südwestlich von Mallorca nicht aus dem Blick verlieren. Viele Tiefdruck­gebiete entwickeln sich über dem Nordwesten Afrikas und ziehen von dort Richtung Nord bis Nordost. Sie bringen Wind und Regen und manch­mal auch Gewitter mit. Der echte, heiße Hochsommer stellt sich mitunter erst Anfang Juli ein. Abgesehen von zwischen­zeitlichen Rück­schlä­gen hält er dann aber lange Zeit an – nicht selten bis in den Spätherbst


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