Erste Hilfe an BordWenn auf See jede Minute zählt

YACHT

 · 12.09.2026

Erste Hilfe an Bord: Wenn auf See jede Minute zähltFoto: YACHT-Archiv
Hilfe holen: Die funkärztliche Beratung kann im Ernstfall wichtige Tipps geben.
​Auf See ist externe Hilfe oft weit entfernt – und die Crew muss in den ersten Minuten selbst handeln können. Anlässlich des heutigen Welt-Erste-Hilfe-Tag macht das Deutsche Rote Kreuz darauf aufmerksam, dass vor allem Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu den häufigsten Todesursachen zählen. Ein Praxisratgeber für Erste Hilfe an Bord.

Themen in diesem Artikel

​An Land kommt der Rettungsdienst in Deutschland im Schnitt nach acht bis zwölf Minuten. Auf See kann dieselbe Zeitspanne ein Vielfaches betragen – je nach Revier, Wetterlage und Position. Wer in dieser Zeit nichts tut, verliert wertvolle Minuten, in denen das Gehirn ohne Sauerstoff bereits Schaden nimmt.

​Grundsätzlich gilt an Bord wie an Land: Notruf absetzen, Boot sichern, Betroffenen versorgen – und nicht allein lassen. Auf Kanal 16 per UKW-Funk Hilfe anfordern, Position genau angeben, Boot stoppen oder an einen zweiten Skipper übergeben.

Die entscheidenden ersten Minuten

​Laut Deutschem Roten Kreuz sterben in Deutschland täglich rund 200 Menschen am plötzlichen Herztod. Laien beginnen aber nur in etwa der Hälfte aller Fälle mit Wiederbelebungsmaßnahmen. Auf See, weit weg von Hafen und Rettungsstation, ist allein die Crew in der Pflicht, in diesen ersten Minuten das Richtige zu tun und erste Hilfe an Bord zu leisten.

Erst vor Kurzem trat genau dieser Fall bei einem Paar in der Flensburger Förde ein. Der Mann erlitt einen Herzinfakt. Die Frau reagierte professionell, steuerte den nächstbesten Hafen an und konnte so das Leben ihres Mannes retten. Im Gespräch mit der YACHT schildert sie diese Ausnahmesituation.

​​Herzinfarkt: Erkennen und ruhig handeln

​Beim Herzinfarkt ist eine Herzkranzarterie blockiert, das Herz schlägt aber noch. Betroffene sind in der Regel bei Bewusstsein. Typische Anzeichen sind starke Schmerzen oder ein Engegefühl hinter dem Brustbein, Ausstrahlung in Arm, Schulter, Rücken oder Kiefer, dazu Atemnot, kalter Schweiß, Blässe oder Übelkeit. Bei Frauen, älteren Menschen und Diabetikern können Brustschmerzen fehlen – Atemnot oder Erschöpfung stehen dann im Vordergrund.

In einer solchen Situation helfen folgende Maßnahmen: Betroffenen mit leicht erhöhtem Oberkörper hinlegen, enge Kleidung öffnen, für Ruhe und Wärme sorgen. Körperliche Belastung jeder Art vermeiden. Vitalzeichen regelmäßig kontrollieren, Person nicht allein lassen. Wird sie bewusstlos, atmet aber noch, sollte sie in die stabile Seitenlage gebracht werden.

​Herzstillstand: Sofort reanimieren

​Beim Herzstillstand hat das Herz aufgehört zu schlagen. Das Gehirn toleriert Sauerstoffmangel nur etwa drei Minuten. Anzeichen: plötzlicher Zusammenbruch, Bewusstlosigkeit, keine normale Atmung. Einzelne schnappende Atemzüge – sogenannte Schnappatmung – gelten nicht als normale Atmung.

​Wichtig ist, dass man sofort mit der Herzdruckmassage beginnt: 30 Kompressionen in der Mitte des Brustkorbs, etwa 5 bis 6 Zentimeter tief, 100 bis 120 pro Minute, dann 2 Beatmungen. Wer nicht beatmen kann, führt kontinuierliche Kompressionen durch. Mehrere Helfer wechseln sich etwa alle zwei Minuten ab.

Ist ein automatisierter externer Defibrillator (AED) an Bord, wird er so früh wie möglich eingesetzt – parallel zur laufenden Herzdruckmassage. Gerät einschalten und den Sprachanweisungen folgen. Der AED analysiert selbst, ob ein schockbarer Herzrhythmus vorliegt, und gibt nur dann einen Schock frei. Eine Fehlanwendung bei einem nicht schockbaren Rhythmus ist damit praktisch ausgeschlossen.


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