Antonia von Lamezan
· 19.10.2026
Viele Crews kennen den Golf von Korinth vor allem als Etappe auf dem Weg in die Ägäis. Dabei lohnt sich die Passage als eigenständiges Törnziel: kleine Hafenorte, sportliche Winde, geschichtsträchtige Küsten und überraschend ruhige Ankerplätze prägen das Revier.
Lukas und Toni sind seit anderthalb Jahren mit ihrer „Eleanor", einer Malö 40 H aus dem Baujahr 1982, unterwegs. Von Deutschland aus segelten sie über Frankreich und Italien nach Griechenland ins Ionische Meer und den Golf von Korinth. Für diesen Abschnitt begleitet sie Freundin Rosi aus Hamburg und sammelt dabei ihre ersten Segelerfahrungen an Bord.
Aufbruch in Patras, wo antike Handelsmetropole und Industriehafen heute nebeneinander existieren. Weiter durch die Charilaos-Trikoupis-Brücke in den Golf von Korinth, erste Ankernacht vor der venezianisch geprägten Festungsstadt Nafpaktos und ein harter Kreuztag mit 23 Knoten Gegenwind bis zum autofreien Inselidyll Trizonia.
Bei Flaute geht es 22 Seemeilen unter Motor bis ins neoklassizistische Seefahrerstädtchen Galaxidi. Hier wird die “Eleanor” direkt an der Flaniermeile festgemacht. Am Folgetag mit dem Mietwagen zur Orakelstätte Delphi am Hang des Parnassgebirges, dem Nabel der antiken Welt.
Unter aufziehenden Gewitterwolken und auf achterlichen Wellen legt die Eleanor 38 Seemeilen zurück: Von Galaxidi nach Korinth segelt die Crew mit gerefften Tüchern die schnellste Etappe des Törns. Doch der eigentliche Höhepunkt folgt im Anschluss: Die Passage durch den Kanal von Korinth. Auf 3,4 Seemeilen schneidet sich der Seeweg durch bis zu 80 Meter hohe Felswände.
Die Route führt vom Ionischen Meer durch den Golf von Patras und die Meerenge von Rio-Andirrio in den Golf von Korinth. Zwischen hohen Gebirgszügen wechseln offene Schläge, geschützte Buchten und Hafenorte. Der 3,4 Seemeilen lange Kanal von Korinth verbindet das Revier mit dem Saronischen Golf und der Ägäis. Seezeichen: Der Golf ist sparsam betonnt; wichtige Untiefen, Kaps und Hafenzufahrten sind befeuert. Aufmerksamkeit verlangen Landzungen und Riffe im Westen sowie Berufs- und Fährverkehr. Am Kanal zeigen Signale die Einfahrtsfreigabe und Strömungsrichtung an. Seekarten, NAVTEX und „Notices to Mariners“ beachten.
Sportboote bis 20 Meter melden sich etwa fünf Seemeilen vor der Charilaos-Trikoupis- Brücke bei „Rio Traffic“ auf UKW-Kanal 14 mit Bootsname, Typ, Fahrtrichtung und Masthöhe. Eine Seemeile vor der Brücke wird erneut Kontakt aufgenommen. Die Verkehrszentrale weist das Brückenfeld zu. Die maximale Durchfahrtshöhe beträgt 45 Meter. Segel müssen geborgen sein, die Passage erfolgt unter Motor. Fähren, Strömung und Böen beachten. Die Passage des einspurigen Kanals wird vorab gebucht und bei der Annäherung auf UKW-Kanal 11 abgestimmt. Die Einfahrt ist nur nach Freigabe erlaubt. Es gelten sechs Knoten Geschwindigkeit; Stoppen ist verboten. Wind- und Wasserstandsunterschiede können bis zu drei Knoten Strömung erzeugen. Wegen eines variablen Wartungstags sind Öffnungsstatus und Betriebszeiten vorab zu prüfen. CORINTHCANAL.COM
Im Ionischen Meer dominiert im Sommer der thermische Maistro aus West bis Nordwest: morgens schwach, nachmittags meist drei bis vier Beaufort, abends nachlassend. Im gebirgigen Golf von Korinth wird der Wind kanalisiert und weht meist aus West oder Ost; Düsen- und Fallböen sind möglich. Im Saronischen Golf ist der Meltemi abgeschwächt spürbar. Frühjahr und Herbst bringen häufiger Flauten, Tiefdurchgänge, Regen und kräftige, wechselnde Winde.
Empfehlenswert sind „Törnführer Griechenland 1, ISBN 978-3-667-12382-4 für 49,90 Euro, Rod Heikells „Griechische Küsten“ ISBN 978-3-667-12948-2 für 69,90 Euro und der „Hafenguide Griechenland 1“, ISBN 978-3-667-11511-9 für 69,90 Euro. shop.delius-klasing.de Der „NV Atlas Greece GR 1“ enthält Detailkarten für Brücke und Kanal, ISBN 978-3-910-64459-5 für 74,99 EUR. NVCHARTS.COM

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