Antonia von Lamezan
· 16.10.2026
Segeln in Mittelgriechenland, Teil 2/5. In dieser Serie geht es um einen Törn vom Ionischen Meer durch den Golf von Korinth bis in den Saronischen Golf. Der erste Teil beschreibt die Route von Patras zum Inselidyll Trizonia.
Der nächste Morgen begrüßt uns mit gähnender Flaute. Wir nutzen den Vormittag zum Schwimmen und besuchen unsere Bootsnachbarn vom Vorabend. Die Flaute ist jedoch nur die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm, der uns am folgenden Tag erreichen soll. Diesen möchten wir im Hafen von Galaxidi abwettern, zumal sich das Seefahrerstädtchen als Ausgangspunkt für interessante Ausflüge anbietet.
Heute ist unter Segeln nichts zu holen. Wir legen die 22 Seemeilen nach Galaxidi unter Motor zurück. Dennoch ist die Fahrt spektakulär. Der Weg in den Hafen führt zwischen kleinen Inseln hindurch, die wie ein Tor wirken und erst bei der Durchfahrt den Blick auf den malerischen Ort freigeben. Schon beim Einlaufen bewundern wir die neoklassizistischen Kapitänshäuser am Wasser. Mitten im Zentrum machen wir am belebten Kai fest und liegen direkt an der Flaniermeile mit ihren Bars und Restaurants.
Die einfache Gartenschlauchdusche im Hafen ist purer Luxus im Vergleich zur kleinen Campingdusche, die uns sonst zur Verfügung steht. Frisch geduscht zieht es uns zum Abendessen in eines der Hafenrestaurants. Bei gegrilltem Fisch und griechischem Weißwein lassen wir den Tag ausklingen. Als wir nach Mitternacht müde und zufrieden zum Boot zurückkehren, beginnt in der Bar gegenüber gerade erst die Party. Vielleicht hätten wir uns noch einmal aufraffen und mitfeiern sollen, denn an Schlaf ist wegen der Lautstärke kaum zu denken. Als um 6.30 Uhr unsere Wecker klingeln, wanken die letzten Gäste von der Tanzfläche.
Unser Boot liegt römisch-katholisch und gut vertäut im Hafen. Wir vertrauen den Leinen und den wachsamen Blicken unserer Bootsnachbarn und machen uns an diesem windigen Tag mit einem Mietwagen auf den Weg zur 35 Kilometer entfernten Orakelstätte von Delphi.
Der Ort, an dem einst die Orakelpriesterin Pythia auf einem Dreifuß saß und Weissagungen verkündete, galt den antiken Griechen als Nabel der Welt. Mehr als tausend Jahre lang wurde die heilige Stätte von Ratsuchenden aus der gesamten damals bekannten Welt konsultiert. Auch Herrscher wie Krösus und Alexander der Große suchten das Orakel auf. Die Überreste des Apollontempels, das antike Theater, die Schatzhäuser und das Stadion sind eindrucksvolle Relikte der einst bedeutenden Stätte.
Wir stehen hoch oben am Hang des Parnassgebirges und lassen die Blicke über das Tal mit seinen uralten Olivenhainen schweifen, die bis an die Küste reichen. Zum Abschluss besuchen wir das Museum mit seinen gut erhaltenen archäologischen Funden. Wer den Golf von Korinth bereist, sollte sich diesen Ausflug nicht entgehen lassen.
Demnächst: Im dritten Teil segelt die Crew der “Eleanor” bei Starkwind von Galaxidi nach Korinth.

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