GriechenlandGolf von Korinth – von Patras bis Trizonia

Antonia von Lamezan

 · 14.10.2026

Die "Eleanor" am in die Jahre gekommenen Kai von Patras.
Foto: von Lamezan/ Hoppe
​Der Golf von Korinth gilt vielen Crews eher als Durchgangsrevier auf dem Weg in die Ägäis. Dabei lohnt sich die Passage schon für sich: kleine Hafenorte, sportliche Winde, geschichtsträchtige Küsten und geschützte Ankerplätze machen das Gebiet zu einem eigenständigen Törnziel.

Segeln in Mittelgriechenland, Teil 1. In dieser Serie geht es um einen Törn vom Ionischen Meer durch den Golf von Korinth bis in den Saronischen Golf.​

Seichte Wellen schlagen gegen den bröckelnden Betonkai und bringen unser Boot zum Schaukeln. Es ist ein Mittwoch morgen Ende August. Die trockene Hitze des anbrechenden Tages ist schon jetzt spürbar. Trotz Hochsaison haben wir in Patras einen kostenlosen Liegeplatz. Zwischen Boot und Kai mauer sammelt sich wie vielerorts im Mittelmeer Müll. Zweimal täglich fül len wir damit einen Kescher und ent sorgen den Unrat im Plastikcontainer. Hier, wo schon vor 2.500 Jahren die Galeeren der alten Griechen vertäut waren, lässt sich heute kaum noch die einstige Pracht der antiken Handels metropole erahnen. Holzschiffe und Marmorsäulen sind Tankern und In dustriecharme gewichen. Dennoch lohnt sich ein Besuch: Die Stadt ist lebendig und zugleich voller Geschichte und Kultur. Empfehlenswert ist das Archäologische Museum, ebenso wie die vielen Cafés, in denen man am besten einen erfrischenden Freddo Cappuccino bestellt.

Patras - Nafpaktos | 10 sm

Von Patras aus starten wir unseren Törn durch den Golf von Korinth. Mit unserer „Eleanor“, einer Malö 40 H, Baujahr 1982, sind wir bereits seit anderthalb Jahren unterwegs. Unsere Reise hat uns auf dem langen Weg von Deutschland hierher geführt, ihr Ausgang ist offen. Für den nächsten Abschnitt sind wir, Lukas und Toni, nicht allein: Unsere Freundin Rosi kommt aus Hamburg zu Besuch und wagt mit uns ihre ersten Segelerfahrungen. Der Wind kommt aus Westen – perfekte Voraussetzungen für unseren Aufbruch. Doch ein plötzlich tropfender Wasserhahn in der Pantry hält uns auf. Zwei Baumarktbesuche, einige Flüche und Bitten später bleibt das Wasser, wo es soll – der Segelwind des Vormittags ist da jedoch längst passé. Bei beinahe völliger Windstille legen wir schließlich gegen 17 Uhr ab. Von den geänderten Plänen lassen wir uns die Laune nicht verderben, in Spontanität sind wir mittlerweile geübt. Rosi lernt, Leinen aufzuschießen und Fender einzuholen und wir erfahren von ihr, welche Musik unsere Freunde zu Hause gerade hören.

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Vor uns ragt die Charilaos-Trikoupis-Brücke auf, die den Übergang in den Golf von Korinth markiert. Ein beeindruckendes Werk der Ingenieurskunst. Trotz Erdbebenrisiko und instabilem Meeresgrund überspannt sie fast drei Kilometer. Während wir uns der Brücke nähern, sind wir froh über die Unterstützung des Motors: Die Strömung ist stark, zudem müssen wir auf den Fährverkehr achten. Nach der Anmeldung über Funk dürfen wir die Brücke passieren. Der Golf von Korinth begrüßt uns mit sanften Hügelketten und einem weiten Horizont. Im Abendlicht steuern wir auf Nafpaktos zu, eine venezianisch geprägte Hafenstadt, deren Häuser sich an den Hügel unterhalb einer alten Festungsanlage schmiegen. An deren Bau waren seit der Antike Byzantiner, Venezianer und Osmanen beteiligt. Wie zuvor in Patras wird auch hier deutlich, wie geschichtsträchtig die Region um den Golf ist. Wir werfen den Anker und springen in das im Licht des Sonnenuntergangs glitzernde Wasser. Nach einer Dusche unter der Campingbrause an Deck gibt es im Cockpit Pasta und griechischen Salat. Musik dringt vom Ufer herüber, über uns funkeln die Sterne. Quälende Bootseignerstunden im Motorraum oder unter der Pantrytheke sind da längst vergessen.

Nafpaktos - Trizonia | 14 sm

Am nächsten Morgen lädt uns ein älteres englisches Paar vom benachbarten Katamaran zum Kaffee ein. Mit ihren beiden Kätzchen leben die beiden dauerhaft an Bord. Simon holt uns mit dem Dingi ab, seine Frau Bev hat bereits Kekse und Kaffee bereitgestellt. Wir freuen uns über den Austausch und die vielen Segeltipps. Zurück auf unserer „Eleanor“ verstauen wir alles, was nicht niet- und nagelfest ist, und brechen auf. Ankerlichten bedeutet auf unserem Boot harte Arbeit: Wo andere eine Winsch haben, zieht Lukas am Bug die 30 Meter Stahlkette und den 16 Kilogramm schweren Anker aus eigener Kraft an Bord. Heute weht der Wind mit 23 Knoten aus Osten und zwingt uns zum Kreuzen. Wende für Wende arbeiten wir uns gegen den Wind voran. Dabei behalten wir die großen Tankschiffe im Auge, deren Fahrwasser wir queren. Für Rosi sind es die ersten Segelmanöver. Sie kommt schnell rein und ist schon bald hilfreiche Vorschoterin. Am späten Nachmittag nähern wir uns der Insel Trizonia. Der Wind flaut immer weiter ab. Bevor wir den Motor starten, gönnen wir uns eine Badepause: Bei knapp zwei Knoten Fahrt hüpfen wir abwechselnd ins Wasser und lassen uns an einer Schwimmleine hinterherziehen. Anschließend steuern wir die Insel unter Motor an. Trizonia empfängt Segler mit einer gut geschützten Bucht, einem Yachthafen und mehreren Ankerplätzen. Als unser Anker gut eingegraben ist, bauen wir das Banana-Faltboot auf. Während wir an Land rudern, läuft eine schwedische Segelyacht in die Bucht ein. An Bord lebt ein englisch-französisches Paar, ebenfalls dauerhaft. Für den Abend verabreden wir uns auf ein Getränk an Land. Die Insel ist ein kleines Idyll. Das autofreie Trizonia ist ruhig und beschaulich, der Fischerhafen ist von Tavernen gesäumt. Lichterketten und ein Straßenmusiker mit Akkordeon sorgen für eine einladende Atmosphäre. Die Gäste sitzen an Holztischen direkt am Wasser. Mit unseren neuen Bekannten probieren wir den lokalen Ouzo und genießen die laue Nacht.


Demnächst: Im zweiten Teil segelt die Crew der “Eleanor” weiter nach Galaxidi und besucht die Orakelstätte Delphi.

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Antonia von Lamezan ist gebürtige Hamburgerin und studierte Kultur- sowie Sozialwissenschaftlerin (Lüneburg/Kopenhagen). Obwohl die Seefahrt zur Familiengeschichte gehört, fand sie den eigenen Weg aufs Wasser erst als Erwachsene – dann jedoch mit voller Begeisterung und Konsequenz: Innerhalb eines Jahres absolvierte sie alle für die Langfahrt erforderlichen Scheine, tauschte das geregelte Stadtleben gegen das eigene Boot und segelte zwei Jahre lang auf eigenem Kiel durch Europa. Als Volontärin in der Redaktion verbindet sie nun fachlichen Hintergrund mit ihrer Leidenschaft für das Meer, Boote und das Schreiben.

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