Tatjana Pokorny
· 18.05.2026
Am Wochenende hat der sechsmalige Weltumsegler Boris Herrmann bei einer kurzen Stippvisite inmitten der vielen Arbeit für seinen Neubau “Malizia 4” und die Vorbereitung für ihre Premierensaison das Finale vom Baltic 500 in Strande besucht. Es war ein seltener privater Abstecher in der Schlussphase der Fertigstellung des neuen Foilers, die den 44-Jährigen und sein Team stark beschäftigt. Es läuft der Endspurt. Bald ist Boris Herrmanns Zeit ohne eigene Imoca vorbei. Dann kann auch Deutschlands bekanntester Offshore-Profi wieder Top-Regatten bestreiten.
Erster großer Höhepunkt wird nach dem Stapellauf Ende Juni und den Auftakttests das Ocean Race Atlantic sein, in das Boris Herrmann am 1. September mit seinen Co-Skippern Cole Brauer, Justine Mettraux und Julien Villion auf der neuen “Malizia 4” startet. “Ich verspüre große Vorfreude, mit dieser Crew racen zu gehen. Cole, Justine und ich haben schon das Ocean Race Europe im vergangenen Sommer gemeinsam bestritten. Und jetzt endlich kann ich auch ein Rennen mit Julien bestreiten, der in ganz unterschiedlichen Formaten ein sehr erfahrener Segler ist.”
Doch bis es soweit ist, haben das Bauteam und die Experten in Lorient noch viel Arbeit vor sich. Und noch mehr bereits hinter sich. Das zeigen die ersten vier Episoden der Malizia-Serie “Born To Race” sehr gut. Die jüngste befasst sich mit dem Wind als Antriebskraft und den Antworten, die Team Malizia mit der neuen Imoca auf die optimale Nutzung gibt. “Auch wenn die Foils uns helfen, die Windkraft zu nutzen, so sind es doch die Segel, die uns die Kraft fürs Boot geben”, hält Herrmanns Co-Skipper Will Harris fest.
Ob es die technisch interessanten Erklärungen von Boat Captain Henry McCann zur Umsetzung von Wind in Kraft oder Boris Herrmanns Hintergrundinformationen zum Zusammenspiel von Seglen und Foils sind: Für interessierte Segler birgt die neue Folge der Malizia-Serie “Born To Race” viele spannende Informationen, von denen sich die eine oder andere auch für die Erweiterung des eigenen Horizonts nutzen lässt.
Dazu beschreibt Boris Herrmann beispielsweise seine neue Segelgarderobe in Wort und Bild, die er bereits Anfang April im YACHT-Interview vorgestellt hatte. Gemäß der Imoca-Regeln musste sie von acht auf sieben Segel reduziert werden. Die zeigt die Grafik in der Bildergalerie zu diesem Beitrag. “Insgesamt dürfen für ein Boot wie unseres, das 2026 vom Stapel läuft und 2027 und für The Ocean Race 2027 gemeldet ist, maximal 16 Segel produzieren”, erklärt Malizia-Technikdirektor Pifou Dargnies. Das seien sehr viel weniger als es früher im Volvo Ocean Race üblich gewesen sei. Zu Zeiten, in denen für jedes Boot noch etwa 50 Segel gemacht wurden.
Die Anzahl der Segel wurde drastisch reduziert.” Pifou Dargnies
Darüber hinaus erklärt Boris Herrmann: “Die komplizierte Angelegenheit ist für jeden von uns, der in dieser Klasse agiert, das Zusammenspiel der verschiedenen Vorsegel.” Das, so Will Harris, sei der wahre Spaßfaktor der Arbeit: “Die Segel zu bearbeiten und zu justieren und sie fürs Zusammenspiel zu optimieren. So dass sie effizient werden und helfen, das Boot voranzubringen.” In diese Arbeit sind für die Segelgarderobe von “Malizia 4” auch viele Erfahrungen aus der Arbeit und Weiterentwicklung der Vorgängerin geflossen.
Die richtige Balance zu finden, das ist die fordernde Aufgabe.” Boris Herrmann
Dabei ist Team Malizia laut Skipper “einen etwas anderen Weg” als auf der Vorgängerin gegangen. North Sails’ Vertriebsdirektor Alan Pennaneach weiß: “Die Imocas entwickeln sich sehr in Sachen Speed und auch mit Blick auf die Lasten, die auf die Segel wirken. Deswegen müssen die Segel in einem Rennen um die Welt für alle Wetterbedingungen effizient sein. Es wird definitiv auch einige Kompromisse im Design der Segel geben. Wenn sich alle im Design einig sind, beginnt der Herstellungsprozess.”
Teil 4 der Serie “Born To Race” zeigt auch diesen Prozess, gibt interessante Einblicke in die Technologie des Segelmachens, die verwendeten Materialien und auch das konstante Ringen um Langlebigkeit der Hochleistungssegel. Wie wichtig auch die ist, zeigen Rückblicke auf frühere Segelverluste, auf Bruch und Schäden, die Boris Herrmann und auch Francesca Clapcich mit der früheren “Malizia 3” erlebt haben.
Die neue Serienepisode geht auch auf das Thema Nachhaltigkeit im Bereich der Segel ein. Die Imoca-Klasse hat die sechs Segelmacherein an einen Tisch geholt, die in ihrem Bereich aktiv sind. Kreiert wurde ein Zertifikat, das die Nachhaltigkeit prüft und nach vorgegeben Parametern festhält. Es heißt “RISE”. Der Begriff steht für “Reduced Impact Sail Evaluation” – die Bewertung von Segeln mit reduzierter (Umwelt-)Belastungen. Wie das genau funktioniert, zeigt der Malizia-Filmbeitrag.

Freie Reporterin Sport