Wenn 253 Yachten unterschiedlichster Epochen gemeinsam die Segel setzen, wird der Golf von Saint-Tropez zur schwimmenden Bühne der Segelgeschichte. Von majestätischen J-Class-Yachten über historische Klassiker bis hin zu modernen Hochleistungsracern reichte in diesem Jahr die beeindruckende Bandbreite des Teilnehmerfeldes. Hinzu kam, dass sich das elegante Saint-Tropez zum Abschluss der Regattawoche von seiner besten Seite präsentierte. Sonnenschein und zuverlässiger Ostwind sorgten für ideale Bedingungen. Ein perfekter Rahmen für eine Veranstaltung, die Segler und Besucher gleichermaßen begeisterte.
Erneut beeindruckte die außergewöhnliche Zahl an Ausnahmeyachten. Zu den Höhepunkten zählten Peter Dubens neue Judel/Vrolijk-Konstruktion „Northstar III“, die Wallycento „V“ (ehemals „Tango“), drei J-Class-Replikas, der 65 Meter lange Dreimastschoner „Atlantic“ und die 1909 gebaute „Tuiga“, das Flaggschiff des Yacht Club de Monaco. Laut Veranstalter zog das täglich rund 75.000 Besucher in den Hafen und auf die Uferpromenaden.
Auch zahlreiche internationale Segelgrößen mischten sich unter die Crews. Darunter waren Paul Cayard, Jochen Schümann und Boris Herrmann. Der Malizia-Skipper segelte gemeinsam mit Pierre Casiraghi, Mitglied der monegassischen Fürstenfamilie, an Bord der legendären „Tuiga“. Unterstützt vom australischen America's-Cup-Star Jimmy Spithill setzte sich das Team in seiner Klasse gegen die Konkurrenz durch, zu der unter anderem die „Mariella“ und die „Hallowe'en“ gehörten.
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Mit 80 Booten bildete die traditionelle Flotte erneut einen der Höhepunkte der Veranstaltung. In zehn Gruppen segelten die historischen Klassiker vier Wettfahrten und verwandelten den Golf von Saint-Tropez in ein lebendiges Museum der Segelgeschichte. Treffender als mit einem Éric Tabarly zugeschriebenen Zitat lässt sich dieser besondere Charakter kaum beschreiben:
„Les Voiles de Saint-Tropez ist wie ein Gang durch die Seiten eines Buches über maritime Geschichte.“
Der französische Segelstar galt als leidenschaftlicher Verfechter der ursprünglichen Regatta “La Nioulargue”, aus der 1999 die heutige “Les Voiles de Saint-Tropez” hervorging.
Besondere Aufmerksamkeit zogen außerdem die drei J-Class-Yachten auf sich. Ihre Ein- und Ausfahrten am “Quai Suffren” wurden regelmäßig von Menschentrauben begleitet. Kaum hatten die imposanten Yachten die Leinen losgeworfen, reckten Besucher ihre Smartphones in die Höhe, um die spektakulären Manöver festzuhalten.
Auf dem Wasser lieferten sich „Svea“, „Rainbow“ und „Hanuman“ über sechs Wettfahrten hochklassige Wettkämpfe. Am Ende setzte sich die schwedische „Svea“ von Skype-Mitgründer Niklas Zennström durch. Selbst ein zwischenzeitlicher DNF nach einem Bruch des Genuafall-Schäkels konnte den Gesamtsieg nicht verhindern.
Für die Zukunft haben die Veranstalter bereits ambitionierte Pläne. Der Präsident der Société Nautique de Saint-Tropez (SNST), Pierre Roinson, erklärte:
„Für 2027 hoffen wir auf noch mehr J-Klassen. Außerdem würde ich gern ein Duell zwischen ‚Shamrock‘ und ‚Endeavour‘ organisieren, den beiden einzigen erhaltenen J-Klasse-Yachten aus den 1930er-Jahren.“
Auch sportlich gab es aus deutscher Sicht erfreuliche Nachrichten. In der mit 123 Booten besetzten modernen Flotte gewann Dr. Harald Bruning mit seiner Farr 30 „Topas“ die Gruppe IR3. Nach fünf Wettfahrten verwies er die US-amerikanische „Pride“ von William Graves auf Rang zwei.
Die Sparkman-&-Stephens-Swan-44 hat einen besonderen Platz in der Geschichte der Veranstaltung. Im September 1981 segelte die „Pride“ ihr erstes Match Race gegen die 12-mR-Yacht „Ikra“. Aus diesem Duell entwickelte sich die Regatta „La Nioulargue“, aus der 1999 die heutige „Les Voiles de Saint-Tropez“ hervorging.
Graves bewies auch andernorts seine Klasse. Beim Rolex Swan Cup 2026 in Porto Cervo gewann er zuletzt die Legacy Division. Der Präsident der SNST deutete zudem an, dass eine Neuauflage des historischen Duells zwischen „Pride“ und „Ikra“ auf der Wunschlist der Veranstalter stehe. Konkrete Pläne wurden allerdings noch nicht bekanntgegeben.
In der Gruppe IR4 überzeugte zudem Arnt Bruhns vom Norddeutschen Regatta Verein. Mit seiner von Ron Holland entworfenen Swan 391 „Iskareen“ belegte er den zweiten Gesamtrang. Der erfahrene Offshore-Segler, der 2019 gemeinsam mit seinem Bruder Sönke an der Transat Jacques Vabre teilnahm, krönte seine Serie mit einem Sieg in der fünften und letzten Wettfahrt.
Die Ergebnisse verteilen sich auf unterschiedliche Wertungen: Neben dem Gesamtsieg der Maxi-Yachten wurden unter anderem die J-Klasse, Traditionsyachten und die modernen IRC-Klassen separat gewertet. Die Tabelle zeigt die wichtigsten Sieger und ihre jeweiligen Kategorien.
| Flotte | Wertung | Sieger |
| Maxi-Yachten | Gesamtsieger aller Maxi-Klassen | Blue Oyster (Andrew Fitzamurice / Luca Scoppa) |
| Maxi-Yachten | Beste J-Klasse | Svea (Niklas Zennström) |
| Maxi-Yachten | IMA Maxi Mediterranean Inshore Challenge Cup | V (Karel Komarek) |
| Traditionsyachten | Big Boat | Elena of London |
| Traditionsyachten | Grand Tradition Yacht | Tuiga |
| Traditionsyachten | 12mR | Kiwi Magic |
| Moderne Yachten | IRC 0 | Spirit Of Lorina |
| Moderne Yachten | IRC 1 | Lisa R |
| Moderne Yachten | IRC 2 | J Wow |
| Moderne Yachten | IRC 3 | Topas |
| Moderne Yachten | IRC 4 | Overdose Neo |
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Auch das Fazit der Veranstalter fiel durchweg positiv aus. Die Rückmeldungen der Crews seien ausgezeichnet gewesen, zudem konnten dank der guten Bedingungen alle geplanten Wettfahrten ausgetragen werden, heißt es.
Für die kommende Ausgabe stehen laut Wettfahrtleiter Georges Korhel vor allem zwei Themen im Fokus: Zum einen könnten die besonders schnellen IRC-0-Yachten, die in diesem Jahr vor allem durch TP52 geprägt waren, künftig längere Kurse erhalten. Zum anderen sollen die Zieleinläufe der Maxi-Küstenrennen möglichst in den Golf von Saint-Tropez verlegt werden. 2026 endeten diese noch vor Pampelonne und waren für die Zuschauer im Hafen nicht zu sehen.
Zugleich bereitet Korhel nach eigenen Angaben den schrittweisen Übergang an seine Nachfolgerin Corinne Aubert vor. „Sie wird bei den Olympischen Spielen in Los Angeles als Principal Race Officer tätig sein und bringt viel Erfahrung mit“, erklärte der langjährige Wettfahrtleiter.
Damit richtet sich der Blick bereits auf 2027. Sollte es tatsächlich gelingen, die historischen Rivalen „Shamrock“ und „Endeavour“ zu einem direkten Duell zusammenzubringen, wäre das ein weiteres Kapitel in der außergewöhnlichen Geschichte der “Les Voiles de Saint-Tropez”.

Redakteur News & Panorama
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