Martin Hager
· 21.09.2026
Vom 13. bis 19. September füllten 170 Swans und eine feine Auswahl an Sanlorenzo-Superyachten die Liegeplätze vor dem Yacht Club Costa Smeralda. Die Spannweite der Flotte reichte von frühen Sparkman-&-Stephens-Entwürfen bis zum Flaggschiff Swan 128. Damit zeigte die Veranstaltung nicht nur die sportliche Breite der Marke, sondern auch sechs Jahrzehnte Yachtbaugeschichte.
Die Segelbedingungen an der Costa Smeralda überzeugten auch in diesem Jahr. Während an den ersten beiden Tagen nur wenig Wind die Segel der Yachten füllte und die Regattakurse verkürzt werden mussten, sorgte der Mistral an Tag 3 und 4 für bestes Wetter im La Maddalena-Archipel, durch dass die Wettfahrten führte. Yachten wie die 140 Tonnen verdrängende Swan 128 “Raijin” oder das Schwesterschiff “Be Cool” surften mit über 18 Knoten durch den engen und mit Felsen gespickten 35 Seemeilen langen Küstenkurs. Ein beeindruckender Anblick!
Schon vor dem ersten Regattastart am Mittwoch lieferte der sogenannte „Dance of the Swans“ das Bild der Woche: Die gesamte Flotte segelte gemeinsam um die Isola dei Monaci. Auf dem Wasser folgten danach getrennte Programme für die vermessenen Swan-Klassen und die ClubSwan-One-Designs.
Am Samstag, dem Schlusstag setzte bei klarem Himmel ein Nordostwind ein, der von zunächst acht auf zwölf Knoten zunahm. Die Ratingklassen segelten einen Küstenkurs vom Golf von Arzachena entlang der Ostseite Capreras und an der Isola dei Monaci vorbei. Über den Passo delle Bisce ging es zur Secca di Tre Monti und zurück zum Ziel vor Porto Cervo.
Die ClubSwan-One-Designs fuhren derweil zwei Up-and-down-Rennen zwischen Isola delle Bisce und Isola dei Monaci. Die Parallelität der Felder war typisch für diese Ausgabe des Rolex Swan Cup: Auf dem Küstenkurs kreuzten große Swan-Modelle um die Tonnenbahnen die kompakten One-Design-Flotten. Die offiziellen ORC-Ergebnisse dokumentieren das Finale der vermessenen Klassen.
In der Maxi-Klasse gelang der Swan 90 “Freya” ein bemerkenswerter Umschwung. Nach Rang sechs zum Auftakt gewann sie die folgenden drei Rennen – einschließlich der finalen Wettfahrt vor “Spiip” – und holte damit den Klassensieg.
Auch in mehreren weiteren Wertungen entschied Konstanz oder ein starkes Finale:
| Klasse | Sieger | Entscheidung |
| Swan Maxi | Freya (Swan 90) | Drei Siege in Folge nach Platz sechs zum Auftakt |
| Swan Mini-Maxi | Arobas (Swan 601) | Rang zwei im Finale reichte zum Gesamtsieg |
| Swan Cruiser Racer | From Now On (Swan 45) | Drei Rennsiege in Folge; punktgleich vor Thetis |
| Swan Legacy S&S ab 47 Fuß | Shirlaf (Swan 65) | Sieg im letzten Rennen vor Elan |
| Swan Legacy S&S bis 44 Fuß | Pride (Swan 44) | Klassensieg und Gesamtsieg aller Legacy-Yachten |
| Swan Legacy Classics by Frers | Lunz am Meer (Swan 651) | Sieg auch im letzten Rennen |
| Swan Pure Cruising | Black Zero (Swan 51) | Sieg nach Wertungsgleichheit |
| Swan Maxi Pure Cruising | Azzurro (Swan 78) | Drei Siege hintereinander |
Die engste Entscheidung der One-Design-Felder fiel in der ClubSwan-42-Klasse. “Nadir” und “Pez de Abril” lagen nach Punkten gleichauf. Auch der Vergleich der Einzelergebnisse brachte zunächst keine Trennung: beide Teams hatten jeweils drei erste, zwei zweite und einen dritten Platz. Erst der Sieg von “Nadir” im finalen Rennen gab den Ausschlag.
In der ClubSwan 50 setzte “Earlybird” von Hendrik Brandis mit Taktiker Francesco „Checco“ Bruni ein klares Zeichen. Fünf Siege aus sieben Rennen brachten den Gesamterfolg vor “Cuordileone” und “Hatari”. Team “42+1” gewann die ClubSwan 43-Wertung nach sechs Siegen in Serie, “Cuordileone” die ClubSwan 36. In der ClubSwan 28 sicherte sich “Anya Race” den Titel mit nur einem Punkt Vorsprung vor “Black Swan”.
| One-Design-Klasse | Sieger |
| ClubSwan 50 | Earlybird |
| ClubSwan 43 | Team 42+1 |
| ClubSwan 42 | Nadir |
| ClubSwan 36 | Cuordileone |
| ClubSwan 28 | Anya Race |
Der Rolex Swan Cup bleibt ein sportlicher Wettbewerb, aber die Rekordbeteiligung machte 2026 vor allem die enge Bindung innerhalb der Swan-Community sichtbar. Beim Abschlussabend erhielt die französische Seglerin Catherine Chabaud den Fabio-Gallia-Preis. Gewürdigt wurden ihre Leistungen als erste Frau, die die Vendée Globe beendete, und ihr Engagement für den Meeresschutz.
Dass die alle zwei Jahre stattfindende Regatta erneut in Porto Cervo stattfinden soll, steht bereits fest: Der Yacht Club Costa Smeralda kündigte den nächsten Rolex Swan Cup für September 2028 an. Zuvor ist vom 2. bis 5. Juni 2027 die Nations Trophy in Porto Cervo geplant. Damit bleibt die Costa Smeralda der zentrale Treffpunkt für die unterschiedlichen Generationen von Swan-Yachten.
Traumyachten versammelt 18 klassische Segelyachten mit ihren Geschichten und zahlreichen Fotografien. Zum Rolex Swan Cup passt der Band vor allem wegen der Legacy-Flotte: Neben sportlichen Ergebnissen zeigte die Regatta in Porto Cervo auch, wie stark Konstruktion, Stil und Pflegezustand den Charakter einer Yacht über Jahrzehnte prägen. Das Buch erweitert diesen Blick auf die Geschichte großer Segelyachten.
Regattasegeln erklärt Strategie und Taktik vom Vorbereiten eines Wettfahrttags über die einzelnen Phasen eines Rennens bis zur anschließenden Analyse. Das macht den Titel zur praktischen Ergänzung zum Bericht aus Porto Cervo: Gerade die knappen Entscheidungen in den One-Design-Klassen zeigen, welche Bedeutung Starts, Manöver, Übersicht im Feld und eine konsequente Auswertung haben.
Welche Yacht und welche Klasse hätten Sie in dieser Rekordflotte vor Porto Cervo am liebsten selbst erlebt?

Chefredakteur YACHT und BOOTE Exclusiv
Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.