Fabian Boerger
· 25.09.2026
Noch nie waren bei der “Les Voiles de Saint-Tropez” so viele Maxis angekündigt. 50 Yachten mit mehr als 18,28 Metern Länge stehen auf der Meldeliste – vier mehr als beim bisherigen Rekord von 2022. Zusammen mit den J-Class-Yachten „Hanuman“, „Rainbow“ und „Svea“ bilden sie den sportlichen und optischen Höhepunkt der neuntägigen Veranstaltung.
Doch die Regatta lebt nicht allein von Größe und Geschwindigkeit der teilnehmenden Yachten. Rund 80 klassische Yachten werden im Golf von Saint-Tropez erwartet, mehr als 20 davon sind mindestens 100 Jahre alt. Sie segeln neben modernen Rennyachten, deren Konstruktion, Rigg und Segelplan konsequent auf Tempo ausgelegt sind. Gerade dieser Kontrast prägt den Charakter der Les Voiles de Saint-Tropez seit Jahren.
Und die Liste der spektakulärer Yachten lässt sich beliebig fortführen. Zu den größten Blickfängen gehört das Replik “Atlantic”, 2010 bei Van der Graaf in Rotterdam gebaut. Sie misst von der Bugsprietspitze bis zum Heck 65 Meter. Das Original stellte 1905 einen Transatlantikrekord auf. Deutlich sportlicher tritt die 76 Fuß lange „Northstar III“ auf. Die neue Judel/Vrolijk-Konstruktion reist als Siegerin des jüngsten Maxi Yacht Rolex Cup in Porto Cervo nach Saint-Tropez.
Auf den Regattabahnen begegnen sich damit sehr unterschiedliche Konzepte: große, traditionsreiche Yachten mit Gaffelrigg, schlanke Klassiker aus der Zwischenkriegszeit und moderne Maxis in aktueller Bauweise.
Der Ursprung der Regatta liegt in einem spontanen Duell. Am 29. September 1981 forderte die amerikanische Swan 44 „Pride“ die deutlich größere 12mR-Yacht „Ikra“ heraus. Der Kurs führte vom “Tour du Portalet” um die Untiefe “Nioulargue” bis zum Club 55 am Strand von Pampelonne.
Schon die Vorbereitung hatte wenig mit der professionell organisierten Großregatta von heute zu tun. Weil eine Seekarte zu teuer erschien, zeichnete Patrice de Colmont, einer der Gründerväter, der am 11. Oktober 2025 starb, den Kurs kurzerhand auf einer Straßenkarte ein. „Ikra“ gewann das Duell. Die lokale Presse schrieb am folgenden Tag, ein neuer America’s Cup sei geboren.
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„Pride“ forderte im Jahr darauf eine Revanche, weitere Yachten schlossen sich an. Aus dem Duell ging schließlich die “Nioulargue” hervor, bei der fortan Klassiker und moderne Rennyachten gemeinsam im Golf von Saint-Tropez segelten. Nach einer folgenschweren Kollision 1995 wurde die Veranstaltung zunächst eingestellt. Seit 1999 wird sie unter dem Namen “Les Voiles de Saint-Tropez” fortgeführt.
Geblieben ist die Verbindung aus hochklassigem Regattasport und demonstrativer Lockerheit an Land. Preisgeld gibt es nicht. Dafür gehören direkte Herausforderungen zwischen Yachten, gemeinsame Essen, Paraden und Boule-Runden auf der “Place des Lices” bis heute zum offiziellen Programm.
Besondere Aufmerksamkeit dürfte den drei gemeldeten J-Class-Yachten gelten. „Hanuman“, „Rainbow“ und „Svea“ vertreten eine Klasse, die eng mit der Geschichte des America’s Cup verbunden ist. Dass drei dieser großen Yachten mit ihren langen Überhängen bei einer Regatta gemeinsam antreten, ist selten.
„Hanuman“ lief 2009 bei Royal Huisman vom Stapel. Ihre Linien gehen auf Charles E. Nicholsons „Endeavour II“ zurück und wurden von Dykstra Naval Architects für den modernen Neubau weiterentwickelt. Seit 2026 gehört die Yacht laut der J-Class-Klassenvereinigung dem italienischen Unternehmer Giovanni Lombardi Stronati.
Die 2012 gebaute „Rainbow“ orientiert sich an dem gleichnamigen Entwurf von Starling Burgess. Das historische Vorbild gewann 1934 den America’s Cup gegen „Endeavour“. Der moderne Nachbau ist kürzer und leichter als die beiden anderen gemeldeten J-Class-Yachten. Besonders bei leichtem Wind gilt „Rainbow“ als konkurrenzfähig.
„Svea“ wurde 2017 fertiggestellt. Grundlage waren Zeichnungen des schwedischen Konstrukteurs Tore Holm aus dem Jahr 1937. Holm entwarf damals einen möglichen schwedischen Herausforderer für den America’s Cup. Das Boot wurde nie gebaut, die Pläne gerieten in Vergessenheit. Jahrzehnte später dienten sie als Ausgangspunkt für die moderne „Svea“. Mit 43,6 Metern besitzt sie den längsten Rumpf des Trios.
Neben den regulären Wettfahrten gehören auch direkte Matchraces zum Programm. „Rainbow“ und „Hanuman“ sollen am Mittwoch gegeneinander antreten. Das Duell knüpft unmittelbar an die America’s-Cup-Vergangenheit der J-Class an. Auch bei den Maxis lebt der Geist der ursprünglichen Herausforderung weiter. Titelverteidigerin „Balthasar“, eine Maxi 72, trifft beim Club 55 Maxi Yacht Cup auf die Wally Cento „Tilakkhana II“.
Am Donnerstag stehen die klassischen Yachten im Mittelpunkt der Matchraces. Dann fordert die 1938 gebaute Yawl „Mariella“, ein Entwurf von Alfred Mylne, den Bermuda-Cutter „Hallowe’en“ heraus. Die von William Fife gezeichnete „Hallowe’en“ wurde 1926 gebaut und feiert in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag.
Auch unter deutscher Flagge sind mehrere Yachten dabei. Die Mylius 66 RS „Schorch“ startet in der Maxi-Klasse 4. Dazu kommen die TP52 „Knutte“ und die Judel/Vrolijk 45 „Leu“, die in IRC 1 antritt. Bei den Klassikern ist die 1939 gebaute Yawl „Varuna“ dabei. Ihr Entwurf stammt von Sparkman & Stephens.
Während das Seglerdorf am Samstag, 26. September, öffnet, beginnen die ersten Wettfahrten am Montag mit den Maxis und modernen Yachten. Ab Dienstag greifen auch die Klassiker ins Geschehen ein, darunter die Teilnehmer an der Rolex Trophy. Die Trophäe steht 2026 im Zeichen des 20-jährigen Rolex-Jubiläums bei den Les Voiles.
Im Mittelpunkt sollen dabei auch die amerikanischen P-Class-Yachten stehen. Diese großen Gaffelkutter entstanden zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach einer Vermessungsformel von Nathanael Herreshoff. Mittwoch und Donnerstag sind zusätzlich für die direkten Duelle vorgesehen. Am Freitag und Samstag kehren alle Flotten auf die regulären Regattabahnen zurück.
Weitere Informationen zur Regatta finden Sie hier.

Redakteur News & Panorama
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