Route du RhumBoris Herrmann um Haaresbreite am Mastbruch vorbei!

Andreas Fritsch

 · 14.11.2022

Route du Rhum: Boris Herrmann um Haaresbreite am Mastbruch vorbei!Foto: Boris Herrmann/Team Malizia
Knappe Sache: Boris nach der Reparatur des Vorstags

Das war knapp: Nachdem sich plötzlich eins der beiden Vorstage von “Malizia –Seaexplorer” gelöst hatte, wäre beinahe der Mast gekommen

Der Deutsche beschreibt in einem Video von Bord, was genau passiert war:

„Das J2-Segel, das zugleich eins der strukturellen Vorstage ist, das den Mast hält, hatte sich vom Mast gelöst. Es schwang umher und schlug gegen das Kabinendach. Zu der Zeit segelte ich durch hohen Seegang, das Boot sprang über die Wellen. Dann ging auch schon der Alarm für zu geringe Vorstagspannung los. Im ersten Adrenalinstoß schießen dir dann die Gedanken blitzartig durch den Kopf: ‘Ist der Furler gebrochen? Ist der Sicherungs-Pin rausgerutscht? Oder der (Tauwerks-)Loop? Muss ich das Rennen aufgeben? Wie kann ich das reparieren?’ Die Gedanken rasen durch deinen Kopf. Das Erste, was ich gemacht habe, war eine Nachricht an das Technik-Team zu schicken. Eine improvisierte Lösung hätte Stunden gedauert. Dann habe ich Ölzeug und die Rettungsweste mit Lifebelt angezogen für den Gang aufs Vorschiff.“

Verlagssonderveröffentlichung

„Dann rief Edwin (Delaat, der Rigger des Teams, d. Red) zurück und gab mir eine Anleitung für einen Fix, der seiner Meinung nach 20 Minuten dauern sollte: Ich sollte eine 4-mm-Dynerma-Leine nehmen und mit ihr und der Schot das frei schwingende Vorstag einfangen und in Richtung Bug ziehen. Dann habe ich die Backstagen gelöst und den Mast so weit nach vorn geneigt, dass ich das Vorstag wieder montieren konnte. Das hat dann tatsächlich super geklappt. Ich war so erleichtert. Hinterher zeigte sich, dass die Konstriktor-Klemme des Backstags durchgerutscht war. Dadurch war der Mast nach vorn gefallen und der Loop am Furler konnte sich lösen. Den habe ich jetzt gesichert.“

Glück im Unglück, dass noch das zweite Vorstag weiter innen den Mast gehalten und Boris das Ganze so schnell bemerkt hat. Ansonsten wäre mit Sicherheit der Mast gekommen.

Der Stand des Rennes bei den ImocasFoto: RdR 2022
Der Stand des Rennes bei den Imocas

Das Feld der Open-60-Flotte kämpft sich immer noch am Wind südwestwärts, allmählich in Richtung Passatwinde, und passiert gerade die Azoren. Doch das Feld teilt sich: Die führende Hälfte, die schon weiter im Süden war, kann schon südwestwärts segeln, während die hintere Hälfte des Feldes nach Westen segeln muss, da sie eine andere Windrichtung und mehr Wind hat. Boris Herrmann liegt derzeit auf Platz 13, und sein Rückstand zum Führenden Charlie Dalin ist mittlerweile auf rund 250 Meilen angewachsen. Der segelt noch immer souverän mit 80 Meilen Vorsprung in Führung vor seinem Verfolger Jérémie Beyou mit „Charal“ und Thomas Ruyants „Linked Out“. Hinter ihm folgen dicht die beiden neuen Boote “Holcim” von Kevin Escoffier und „Biotherm“ von Paul Meilhat.

Skipper am Rande der totalen Erschöpfung

Die Skipper spüren mittlerweile die Strapazen der ersten Tage mit Sturm und hoher See, wie auch der führende Ultim-Skipper Charles Caudrelier („Edmond de Rothschild“) beschreibt, der einen spannenden Fight mit François Gabarts „SVR Lazartigue“ und Thomas Covilles „Sodebo“ führt. Er beschreibt, wie sehr sie sich wünschen, endlich in die Passatwinde zu kommen, denn zurzeit segeln die drei eher Kurs Nordwest, um in das bessere Wetter zu kommen.

Stand des Rennens bei den Ultims. Noch zwei Tage bis ins ZielFoto: RDR 2022
Stand des Rennens bei den Ultims. Noch zwei Tage bis ins Ziel

„Die Tradewinds sind im Moment nicht, was wir uns wünschen. Es sollte bald besser werden, denn das Segeln so ist anstrengend, wir sind immer am Flight Limit (Foilen, d. Red.) Wir raufen uns über der Karte die Haare und versuchen daher so schnell wie möglich zu sein, aber da ist der hohe Seegang. Keine einfachen Bedingungen.“ Beim morgendlichen Rundruf der Regattaleitung machte Caudrelier einen sehr müden Eindruck.

„Es ist eine sehr anstrengende Route du Rhum diesmal. Das Wetter ist fordernd, es gibt keine Abkürzungen. Ich bin so müde, dass ich kaum noch einschlafen kann. Aber in etwas weniger als zwei Tagen werden wir da sein.“ Noch knapp 1.200 Meilen sind es ins Ziel für die Ultims.

 Vom Letzten zum Ersten: Yoann Richomme bei den Class 40Foto: Yoann Richomme/Paprec Arkea
Vom Letzten zum Ersten: Yoann Richomme bei den Class 40

Davon sind die Class 40 noch weit entfernt. Im Gegenteil, das Feld trifft es heute besonders hart. Nachdem gestern schon wieder ein Skipper, der Australier Rupert Henry, wegen struktureller Schäden aufgeben musste, segeln die Skipper heute in die dritte Sturmfront mit Wind bis 45 Knoten, wie der jetzt sensationell zeitweise führende Yoann Richomme von Bord meldete. Er liefert sich mit dem lange Führenden Corentin Douguet einen harten Kampf um die Spitze, beide trennen gerade einmal 0,2 Meilen. Die ersten zehn Boote liegen nicht mehr als 32 Meilen auseinander. Ein knochenharter Wettbewerb.

Das Feld der Class 40Foto: RDR 2022
Das Feld der Class 40

Mehr zum Thema “Route du Rhum”:


Meistgelesene Artikel