12. Route du RhumEine Kenterung, drei Mastbrüche und Herrmann kämpft

Tatjana Pokorny

 · 13.11.2022

12. Route du Rhum: eine Kenterung, drei Mastbrüche und Herrmann kämpftFoto: polaRYSE/#RDR2022
Class-40-Skipperin Amélie Grassi ist nach dem Mastbruch auf ihrer “La Boulangère de Bio”aus dem Rennen

Schwarzer Samstag bei der 12. Route du Rhum: Am vierten Tag des Transat-Klassikers verloren eine Imoca und zwei Class-40-Yachten ihren Mast. Thibault Voucher-Camus kenterte mit seinem Trimaran und rettete sich in den Mittelrumpf. Boris Herrmann kämpft auf Platz 13.

Mit Louis Burtons Unglück begann am Wochenende die Unglücksserie in der 12. Route du Rhum: der Vendée-Globe-Dritte verlor seinen Mast an Tag drei auf See vor der Küste Portugals auf westlichem Kurs. Nach Damien Seguin war der 37-jährige “Bureau Vallé”-Skipper Burton schon der zweite Imoca-Skipper, dessen Rigg versagte.

Der K.o.-Schlag kam für Louis Burton am 12. November – drei Tage nach dem Start – mit dem MastbruchFoto: #RDR 2022
Der K.o.-Schlag kam für Louis Burton am 12. November – drei Tage nach dem Start – mit dem Mastbruch

Louis Burton: “Ich verstehe es nicht!”

Mit dem nach der Vendée Globe 2020/2021 von Armel Tripon gekauften Boot hatte Burton schon beim Transit Jacques Vabre im vergangenen Jahr am ersten Tag Mastbruch erlitten. Nun muss er als einer der Top-Player erneut ein Transat aufgeben. “Ich war mit zwei Reffs und kleiner J3 unterwegs, ich verstehe es nicht”, sagte Louis Burton in einer ersten kurzen Reaktion nach dem Mastbruch und vergoss Tränen der Enttäuschung.

Verlagssonderveröffentlichung
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.

Externer Inhalt
Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogenen Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzbestimmungen.

Danach folgten schlechte Nachrichten Schlag auf Schlag: In der Class 40 brachen 350 Seemeilen nordwestlich von Kap Finistère die Masten auf der “La Boulangère Bio” von Amélie Grassi aus La Rochelle und von Aurélien Ducroz auf “Crosscall”. Die im Vorstand der Mini-Klasse aktive Anwältin Amélie Grassi, die ihre juristische Karriere zugunsten ihrer Hochsee-Einsätze aus Eis gelegt hat, verlor ihr Rigg am 12. November gegen 19 Uhr. Wenig später erwischte es den 40-jährigen Aurélien Ducroz aus Chamonix. Der ehemalige Freeride-Skiweltmeister (Crosscall Sailing Team) lag auf Platz elf, als sein Mast brach. Beide Segler blieben unverletzt und steuern Häfen an.

Trimaran gekentert, Skipper rettet sich in den Mittelrumpf

Dann der nächste Schock: Gegen 20 Uhr kenterte am 12. November der Spitzenreiter der Ocean-Fifty-Klasse. Zwischen Portugal und den Azoren blieb "Solidaires en Peloton – Arsep"-Skipper Thibault Vauchel-Camus unverletzt und konnte sich in den Mittelrumpf seines Trimarans retten. Der 43-Jährige hatte erst am Tag zuvor die Führung in seiner Klasse übernommen. Der fünfmalige französische F18-Meister hatte gerade die zweite starke Front seit Rennstart der Route du Rhum passiert, als sein Tri kenterte. Er wartet auf Hilfe.

Gekentert: der Trimaran “Solidaires en Peloton – Arsep” von Thibault Vauchel-Camus. Der Skipper blieb unverletzt, konnte sich in den Mittelrumpf rettenFoto: Pierrick Contin/#RDR 2022
Gekentert: der Trimaran “Solidaires en Peloton – Arsep” von Thibault Vauchel-Camus. Der Skipper blieb unverletzt, konnte sich in den Mittelrumpf retten

Einen Reparaturstopp musste der Kroate Ivica Kostelic einlegen. Der viermalige olympische Medaillengewinner und Weltmeister im alpinen Skisport konnte einer Serie technischer Probleme an Bord seiner “ACI” nicht mehr Herr werden. Ohne funktionierenden Autopiloten war der 42-jährige Solosegler auf dem Weg nach La Coruña. “Apicil”-Skipper und Paralympics-Sieger Damien Seguin wird nach seinem Mastbruch am Sonntagabend in Lorient erwartet.

Giganten-Duell an der Spitze: “Es ist ein bisschen wie Krieg”

Die Bruchserie zum Wochenend-Auftakt hat den sportlichen Verlauf überschattet. Dabei hält die Hochspannung in allen sechs Klassen an. An der Spitze des Feldes tobt weiter das Duell zwischen den beiden Ultim-Giganten “Maxi Edmond de Rothschild” mit Charles Caudrelier und “SVR-Lazartigue” mit François Gabart. Am Morgen des 13. November trennten Spitzenreiter Caudrelier und seinen Jäger Gabart gerade einmal etwas mehr 20 Seemeilen – in dieser Klasse nur ein “Katzensprung”. Beide rasten den Passatwinden mit Spitzengeschwindigkeiten von 35 und mehr Knoten entgegen.

Charles Caudrelier vermeldete: "Es ist ein bisschen Krieg da draußen. Der Wind ist super unbeständig. Man muss aufpassen. Es ist noch nicht der Traum. Es ist noch unruhig und ziemlich angespannt. Ich freue mich schon darauf, mein Ölzeug auszuziehen. Der Wind ist sehr unbeständig und es ist noch nicht wirklich ein Vorwindkurs. Im Moment haben wir 20 Knoten mit starken Böen von 30 Knoten. Jedes Mal, wenn ich schlafen gehen will, kommen zwei weitere dazu. Es geht zur Sache! In den letzten Stunden war man schnell. Man hat mehr versucht, das Boot zu bremsen, als es zu beschleunigen.”

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.

Externer Inhalt
Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogenen Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzbestimmungen.

Zum Duell mit François Gabart sagte Caudrelier: “Vor den Azoren hatte François bei leichtem Wind zu mir aufgeschlossen. Er hatte gut Lachen, weil er geradeaus fuhr, während ich nicht hinkam! Ich habe vier- bis fünfmal gedreht und irgendwann dachte ich mir: ‘Jetzt aber los!’. Er hat eine etwas weniger muskulöse Option gewählt und am Ende ist es fast auf das Gleiche hinausgelaufen."

Die Zwischenstände in der Imoca-Klasse nach etwa einem Drittel des Rennens. Charlie Dalin führt das Feld nach bislang souveräner Vorstellung an, Boris Herrmann liegt auf Platz 13Foto: Screenshot #RDR2022
Die Zwischenstände in der Imoca-Klasse nach etwa einem Drittel des Rennens. Charlie Dalin führt das Feld nach bislang souveräner Vorstellung an, Boris Herrmann liegt auf Platz 13

Der Imoca-Überblick: Dominator Dalin enteilt, Beyou und Ruyant führen die Jagd auf den Fuchs an

Bei den Imocas sorgt weiterhin Spitzenreiter Charlie Dalin für beeindrucktes Staunen. Bei 21,5 Knoten Speed am Sonntagmorgen hat sich der “Apivia”-Klassendominator dieses Jahres bereits einen Vorsprung von knapp 80 Seemeilen vor seinem ersten Jäger Jérémie Beyou erarbeitet. Nur vier Seemeilen hinter Beyou machte “LinkedOut”-Skipper Thomas Ruyant Druck. Alle drei Skipper erfüllen mit ihren aktuellen Platzierungen im ersten Drittel die Vorstart-Prognosen. Mit seinem neuen Foiler “Biotherm” ringt dahinter Paul Meilhat fast gleichauf mit Kevin Escoffier auf “Holcomb – PRB” um Platz vier. Nach anfänglichen technischen Problemen mit seinem noch jungen Boot scheint Meilhat trotz knappem Budget die “Biotherm” gut im Griff zu haben.

Jüngster “Bord-Gruß” von Boris Herrmann bei einer Kleinreparatur an seinem Vorsegel#RDR 2022Foto: Boris Herrmann/Team Malizia
Jüngster “Bord-Gruß” von Boris Herrmann bei einer Kleinreparatur an seinem Vorsegel#RDR 2022

Joschke und Herrmann bleiben dran

Beste Skipperin im Imoco-Feld bleibt Justine Mettraux auf “Teamwork.net” als Siebte. Vendée-Globe-Gewinner Yannick Bestaven liegt mit “Maître Coq V” direkt hinter ihr. Elfte war am Morgen des 13. November die Deutsch-Französin Isabelle Joschke auf “Macsf”. Boris Herrmann kämpft sich den Passatwinden mit seiner neuen “Malizia – Seaexplorer” auf Platz 13 entgegen, war am Sonntagmorgen mit 17 Knoten unterwegs und zählte damit – abgesehen vom rasenden Charlie Dalin – zu den schnelleren Imocas auf dem Kurs. In Winden um 15 bis 19 Knoten strebte das Imoca Feld der südlichen Passage der Azoren entgegen.

Nach dem Frühstart auf dem Weg an die Spitze: Class-40-Skipper und Favorit Yoann RichommeFoto: polaRYSE/#RDR 2022
Nach dem Frühstart auf dem Weg an die Spitze: Class-40-Skipper und Favorit Yoann Richomme

Class-40-Favorit Yoann Richomme wie entfesselt

In der Class 40 beeindruckt weiter Yoann Richomme. Der “Paprec Arkéa”-Favorit, der früh im Rennen seine vierstündige Zeitstrafe in Folge seines Frühstarts “abgesessen” hat, ist seitdem wie entfesselt durchs Feld gerast. Beängstigend für die Konkurrenz: Vier Tage nach dem Startschuss hat sich der 39-Jährige aus Marmor Plage schon wieder auf Platz drei vorgearbeitet. Der studierte Yachtkonstrukteur macht mehr als deutlich, dass er seinen Route-du-Rhum-Titel von 2018 trotz Startmissgeschick verteidigen will. Angeführt wird das Class-40-Feld – noch – von Corentin Douguet auf “Queguiner - Innoveo” und dem zweitplatzierten Xavier Macaire auf “Group SNEF”.

Meistgelesene Artikel