Der Norden Sardiniens bildet mit seiner zerklüfteten Küste, den vorgelagerten Inseln und teils engen Durchfahrten die spektakuläre Kulisse für anspruchsvolle wie spannende Wettfahrten. Am ersten Tag wehte der Wind an der Costa Smeralda zum Start mit zehn und beim Zieldurchgang mit über 20 Knoten.
Die fünf längsten Teilnehmer, die drei Js ausgenommen, absolvierten einen Kurs von 32 Meilen. Voraus segelte die Swan 115 „Moat“ von Juan Ball, die aber ständig die gut vier Meter kürzere „y3k“ am Heck kleben hatte. Nach Berücksichtigung der ORCsy-Vergütung lag die neue Wally 101 elf Sekunden vor der giftgrünen 33-Meter-Baltic „Inoui“ des Schweizers Marco Vögele. „Moat“ trennte nach korrigierter Zeit 46 Sekunden von Platz eins.
Der Maxi Yacht Rolex Cup ist der erste Regatta-Auftritt für die im Mai gewasserte „y3k“ von Claus-Peter Offen. Der ehemalige Präsident der International Maxi Association (IMA) zeigte sich begeistert von der Leistung seiner vierten Wally. Im Vergleich zu der Vorgängerin sei die Neue „völlig anders in Bezug auf Breite und Gewicht: Sie ist 15 Prozent leichter, hat 15 Prozent mehr Tiefgang und 15 Prozent mehr Segelfläche. Das macht sie viel einfacher zu segeln.“
Die Race Crew wurde größtenteils von der 14 Jahre alten Wally 100 übernommen, auch Taktiker Karol Jablonski zählt wieder dazu: „Es ist ein großartiges neues Boot. Wir haben erst zwei Tage zusammen trainiert und haben noch einiges an Optimierungsarbeit vor uns. Heute hatten wir einen guten Start und sind ein sauberes Rennen gesegelt. Wir haben einige gute Entscheidungen getroffen, wann wir den Gennaker bergen und wann wir ihn hochziehen.“ Die kurze Vorbereitungsphase war dann auch der Grund dafür, warum die Wally 101 in der Supermaxi-Klasse (über 100 Fuß) startete und somit nicht direkt gegen die drei 100 Fuß langen Wallycentos „Galateia“, „Magic Carped 3“ und „V“ (Ex-„Tango“) aus der Gruppe Maxi A antrat. Hier werden die 60 bis 100 Fuß messenden Teilnehmer aufwendig nach IRC vermessen, die Leistungsdichte ist hoch.
In der A-Klasse ist auch der 18-Meter-Foiler „Flying Nikka“ vertreten, der an Tag eins konstant über den Kurs flog. Noch im letzten Jahr erhielt das Team um Eigner Roberto Lacorte vorsichtshalber einen eigenen Start. Von der mittlerweile überaus stabilen Fluglage konnte sich die YACHT vor Regattabeginn überzeugen. Durch den Festkiel ist „Flying Nikka“ im Gegensatz zu den AC75 und AC40 des America’s Cups ohnehin wesentlich kenter- und abflugsicherer. Die Sechsmann-Crew hat den Carbon-Boliden stets unter Kontrolle, was auch mit der Software für die automatische Steuerung der T-Foils zusammenhängt.
Nach einem – verständlicherweise – konservativen Start kam das futuristische Mills-Design mit über 50 Minuten Vorsprung auf „Black Jack“ ins Ziel, rutschte aufgrund eines „lächerlichen“ Ratings jedoch auf den vorletzten Platz ab, vor der nicht gefinishten „Bullitt“. Mit 3449 hat der foilende Einzelbau einen doppelt so hohen Rennwert wie etwa die Botin 85 „Deep Blue“ von Wendy Schmidt. In der zehn Yachten starken Gruppe A gewann die Farr 100 „Leopard 3“, die im Winter rund fünf Tonnen abgespeckt hat und mit neuem Mast sowie Winschen nach Porto Cervo kam.
Ein Meilenstein in der über 40-jährigen Geschichte des Maxi Yacht Rolex Cup ist der Start von drei Katamaranen, zu denen Adrian Kellers 84 Fuß langer Custom-Kat „Allegra“ sowie der Gunboat 68 „Convexity2“ von Suna Said und des dreimaligen M32-Weltmeisters Don Wilson zählen. Lord Irvine Laidlaw machte vor dem Yacht Club Costa Smeralda (YCCS) mit seinem neuen Gunboat 80 „Highland Fling 18“ fest. Der mehrfache Maxi Cup-Gewinner trainierte zuvor auf einem Gunboat 68, seine weiteren 16 Yachten waren jedoch allesamt Racer mit nur einem Rumpf.
„Highland Fling 18“ umrundete als erster Kat die obere Marke östlich von Santa Maria, doch auf dem Vorwindkurs westlich von La Maddalena übernahm „Convexity 2“ die Führung und hielt bis zum Ziel durch – mit dem siegreichen The Ocean Race-Skipper Charlie Enright und Match Racing-Weltmeister Taylor Canfield an Bord. Da „Allegra“ älter und schwerer ist, siegte der diesjährige Gotland-Runt-Teilnehmer nach korrigierter ORCmh-Zeit. Bei einer Cocktailparty von Gunboat und der International Maxi Association sagte YCCS-Kommodore Michael Illbruck: „Ein Mehrrumpfboot oder eine J-Class – all das ist Teil unseres Sports, ein Beweis für eine unglaubliche Verbreitung der Technologie.“
Eine Ausnahme, was den Kurs anging, bildeten die drei J-Class-Yachten, die wie die acht Maxi-B-Starter auf zwei Up-and-Down-Wettfahrten geschickt wurden. Da zur Klasse Maxi B nun auch die ehemaligen Maxi 72 zählen, existiert der ohnehin verwirrende Begriff „Mini Maxi“ nicht mehr. Die Rennen waren so eng wie eh und je mit drei Booten gleichauf an der Spitze: „Pepe Cannonball“, gesteuert von Peter Harrison, „Proteus“ von George Sakellaris und „Bella Mente“ von Hap Fauth, die mit neuem Doppelruder aus den USA anreiste.
Bei den Js gab es kein Vorbeikommen an der 43,6 Meter langen „Svea“ von Niklas Zennström und Filip Engelbert, die beide Läufe gewann. Großschot-Trimmer und Projektleiter Tim Powell erklärte: „Mit drei Booten sind die Starts natürlich wichtig, und wir hatten zwei gute.“ Hinter den Schweden reihen sich punktgleich „Velsheda“ und „Topaz“ ein. Den zweiten Start gewann „Topaz“ , wobei America's-Cup- und Matchracing-Ass Peter Holmberg ein gutes Händchen bewies. „Sveas“ Taktiker Bouwe Bekking sagte dazu: „Wir hätten an den ,Topaz’-Jungs vorbeiziehen können, wir hatten die Gelegenheit dazu, aber auf diesen Booten geht man einfach nicht so weit. Wir müssen alle vorsichtig sein.“
Beim Maxi Yacht Rolex Cup wird an vier weiteren Tagen gesegelt, wobei der Donnerstag als Ruhe- oder Ausweichtag im Fall von Flaute genutzt wird.
Hier gibt es die Ergebnisse nach Tag eins: