Der Streit um Mara beim Golden Globe Race (GGR) begann mit einer Liveübertragung von Bord. Die norwegische Seglerin Helga Marie „Mara“ Løvenskiold Kveseth forderte von ihrem Landteam mehr Einsatz für ihre Social-Media-Kampagne. Andernfalls stellte sie ihre weitere Teilnahme infrage. Statt über ihren Bordalltag zu berichten, nutzte sie die Übertragung für Anweisungen an ihr Team. Zuvor soll sie Handelsschiffe per Funk gebeten haben, ihren Social-Media-Auftritt zu überprüfen.
Der Veranstalter wertete das als Regelverstoß und verwarnte sie. Doch dabei blieb es nicht. Der Vorfall löste eine grundsätzliche Debatte aus: Wie passen ein Rennen, das auf die Bedingungen von 1968 ausgerichtet ist, mit dem Wunsch nach digitaler Reichweite zusammen?
Und der Konflikt nimmt weiter an Fahrt auf. Denn auch von der Gegenseite kommt Kritik. So prangert die Norwegerin den öffentlichen Umgang des Veranstalters an und hinterfragt eine ihr auferlegte empfindliche Zeitstrafe.
Damit steht neben der Einhaltung der Regeln auch der Umgang der Organisation mit einer Teilnehmerin zur Diskussion. Dieser hat nun eine Stellungnahme zum Streit um Mara veröffentlicht. Darin erklärt Don McIntyre, Rennleiter und Gründer des Golden Globe Race (GGR), die Position des Veranstalters.
Doch worum geht es in diesem Konflikt eigentlich, und weshalb ist er zuletzt eskaliert? Im Kern stehen die Zeitstrafe, die Ziele der Norwegerin sowie die Frage, welchen Einfluss das neue Format „GGR Window Live“ auf die Entwicklung des Rennens hat. Die Hintergründe im Überblick:
Nach Maras Äußerungen über ihre eigene Öffentlichkeitsarbeit ging die Diskussion über die Regattaregeln hinaus. Die Organisation teilte auf Facebook einen Kommentar des italienischen Segelmagazins “Giornale della Vela”. Dieser hinterfragte Maras starken Fokus auf ihre Medienarbeit während sie sich eigentlich auf die Solo-Weltumsegelung konzentrieren solle.
Zugleich kündigte Don McIntyre an, geschlechterbezogene Kommentare im Chat der Bordübertragungen zu unterbinden. In dem inzwischen gelöschten Beitrag, den GGR in seiner Stellungnahme wiedergibt, warf er Fraueninteressengruppen vor, die Diskussion zu vereinnahmen. Mara und ihr Team verlangten eine Entschuldigung.
Für das Verständnis ist wichtig: Mara möchte mit ihrer Reise auch auf Frauenrechte aufmerksam machen. Die Debatte betraf deshalb nicht mehr nur ihre Anweisungen an das Landteam. Es ging auch darum, wie über sie und ihre Ziele gesprochen wurde. Dass der Veranstalter selbst einen kritischen Kommentar verbreitete, verschärfte die Frage nach seiner Rolle: Er ist zugleich öffentliche Stimme der Regatta und sportliche Entscheidungsinstanz.
GGR räumt nun in einem Statement ein, der Beitrag könne den Eindruck unfairer Behandlung vermittelt haben, und bedauert Verletzungen und Missverständnisse. Eine diskriminierende Absicht weist die Organisation zurück.
Dann folgte der nächste Aufreger. Auf Facebook veröffentlichte der Veranstalter eine Liste sogenannter „Satellitenanrufstrafen“. Hintergrund: Beim Golden Globe Race sollen die Teilnehmenden allein und ohne fremde Unterstützung um die Welt segeln. Deshalb dürfen sie nicht beliebig per Satellitentelefon mit ihrem Landteam sprechen.
Drei Teilnehmende werden dort aufgeführt. Guido Cantini und Louis Kerdelhue erhalten demnach eine 24-Stunden-Zeitstrafe wegen autorisierter Anrufe. Mara hingegen ist dort mit einer 16-Tage-Strafe wegen unautorisierter Telefonate aufgeführt.
Nach Veranstalterangaben führte Mara am 11. Oktober 2026 während einer Liveübertragung sechs nicht genehmigte Telefonate mit ihrem Manager. Darin ging es auch um den Konflikt mit den GGR-Veranstaltern und darum, wie ihre Kampagne weitergeführt werden sollte. Ihr Manager übertrug den Austausch zugleich über Maras eigenen Social-Media-Kanal.
Dass die Gespräche öffentlich mitzuverfolgen waren, ersetzte jedoch keine Genehmigung, heißt es vonseiten des Veranstalters. GGR stellte nach eigenen Angaben keine sportlich relevante Hilfestellung fest. Vorgeworfen wurde Mara der unerlaubte Kontakt als solcher, nicht nachgewiesene Hilfe bei Navigation oder Wetterrouting.
Die “Notice of Race” des Golden Globe Race gibt dem Veranstalter dafür Zeitstrafen als Sanktionsmittel an die Hand. 24 Stunden beim ersten Verstoß und jeweils 72 Stunden bei weiteren. Indem die Rennleitung die sechs Anrufe einzeln wertete, resultierte daraus eine Zeitstrafe von insgesamt 16 Tagen. Die Regel sieht dabei eine Prüfung der Umstände und Ermessen der Rennleitung vor.
Allerdings wurde diese Strafe mittlerweile nach unten korrigiert. Nach der nun veröffentlichten Erklärung beträgt Maras wirksame Zeitstrafe nur noch zehn Tage. Maras Teilnahme an den Liveübertragungen wurde vorläufig ausgesetzt.
Helga Marie „Mara“ Løvenskiold Kveseth verbindet ihre Teilnahme am Golden Globe Race 2026 mit einem Anliegen, das über den sportlichen Wettbewerb hinausgeht: Die Norwegerin will mit ihrer Kampagne Frauen und deren Rechte unterstützen. Dafür sucht sie auch öffentliche Aufmerksamkeit – doch ihre Äußerungen dazu haben Kritik ausgelöst.
Kveseth segelt die Saltram Saga 36 „Showgirl“. Das Golden Globe Race führt die Teilnehmer allein und ohne Zwischenstopp um die Welt. Dabei nutzen sie weitgehend die technischen Mittel der ersten Austragung von 1968 und verzichten insbesondere auf moderne elektronische Navigation.
Den persönlichen und finanziellen Aufwand dieser Reise möchte Mara nach eigenen Aussagen zugleich nutzen, um ihrer Botschaft und ihrer Stiftung mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Öffentliche Reichweite ist für sie damit ein Teil des Vorhabens. Wie sie diesen Anspruch formuliert, ist wiederum selbst zum Gegenstand der Debatte geworden.
Ausgelöst wurde der Streit durch Äußerungen, die über das “GGR Window Live” geteilt wurden. Dabei handelt es sich um ein neuartiges, in der Form erstmalig eingesetztes Format. Eine gesonderte Satellitenverbindung liefert die Bilder auf den YouTube-Kanal des Veranstalters. Die Segler können dabei sprechen, erhalten aber weder Zuschauerreaktionen noch zusätzliche Informationen von außen.
Die Debatte über Regeln und Privatsphäre beim “GGR Window Live” bestand schon vor der jüngsten Eskalation. Das Format zeigt auch Erschöpfung, Frust und Konflikte, die früher allenfalls später in einem Logbuch zu lesen gewesen wären.
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Ob die Klarstellung des Veranstalters den Konflikt löst, bleibt offen. Die Darstellung der jüngsten Eskalation stützt sich vor allem auf dessen Erklärung. Die von GGR genannten Forderungen und Vorwürfe spiegeln daher nur die Sicht des Veranstalters wider. Für eine umfassende Einordnung muss auch die norwegische Seglerin zu Wort kommen. Die hat sich allerdings bisher noch nicht öffentlich dazu geäußert.

Redakteur News & Panorama
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