Fabian Boerger
· 04.09.2026
Es sind legendäre Planken, über die Besucher in diesen Tagen in Les Sables-d’Olonne schlendern. Dort, wo im Vendée-Globe-Hafen sonst die Foil-Rennmaschinen der Imoca-Klasse auf ihren Start warten, liegen diesmal Serienyachten alter Schule. Rustler, klassische Swan-Yachten designt von Sparkman & Stephens und andere Langfahrtboote. Ihr Ziel ist dasselbe: einmal nonstop um die Welt. Aber sie werden dafür weder GPS noch Computer benutzen.
Die Golden Globe Race 2026 folgt dem Vorbild des Sunday Times Golden Globe Race von 1968/69. Sir Robin Knox-Johnston gewann damals als erster Mensch eine Einhand-Nonstop-Weltumsegelung. Bernard Moitessier drehte kurz vor dem möglichen Sieg ab und segelte weiter Richtung Tahiti. Das heutige Rennen führt die Idee mit zugelassenen Serienyachten traditioneller Bauart fort – über rund 30.000 Seemeilen, ostwärts um die Welt und zurück nach Les Sables-d’Olonne. Die offiziellen Regeln und der Kurs lassen dabei weder Stopps noch materielle Hilfe von außen zu.
Bevor die Boote auf die große Reise gehen, zieht die Flotte am Sonntag ab 14 Uhr durch den Kanal von Les Sables-d’Olonne. Ab 14.30 Uhr verlassen die Teilnehmer die Golden Globe Marina einzeln im Abstand von jeweils zwei Minuten. Es ist kein klassischer Massenstart, sondern eine bewusst inszenierte Erinnerung an 1968: Damals konnten die Teilnehmer über einen längeren Zeitraum und von unterschiedlichen Häfen aus aufbrechen.
Für die Zuschauer am Kai ist die Lage dennoch unmittelbar. Aktuell werden noch die letzten frischen Lebensmittel verstaut, Familien und Freunde verabschieden die Skipper. Auch die letzten Kontrollen stehen bei wenigen noch aus: Sicherheitsausrüstung, Proviant, Rigg und Notfallsysteme müssen stimmen, bevor die Organisatoren die endgültigen Startfreigaben erteilen.
„Die letzte Woche vor einem Golden-Globe-Start ist anders als alles andere. Jahre der Vorbereitung reduzieren sich auf nur wenige Tage. Es gibt Aufregung, aber auch stille Reflexion“, sagt Rennchef und Initiator Don McIntyre. Am Sonntag, so McIntyre weiter, verschwinde für die Teilnehmer das moderne Leben. Übrig blieben Segler, Wind, Meer und Sterne.
Der radikale Verzicht auf moderne Hilfsmittel bleibt das entscheidende Merkmal des Rennens. Navigiert wird mit Sextant, Kompass, Papierseekarten und astronomischen Beobachtungen. GPS, elektronische Seekarten, Computer und moderne Navigationsinstrumente sind verboten. Funkverbindungen sind streng begrenzt, Hilfe von außen ist nicht erlaubt.
Das macht das Golden Globe Race nicht automatisch romantischer, aber deutlich kompromissloser als andere Weltumsegelungen. Die voraussichtlich rund acht Monate auf See sind nicht nur ein Test der Seemannschaft. Materialverschleiß, Schlafmangel, Reparaturen und die psychische Belastung durch lange Isolation entscheiden ebenso über den Ausgang. Die Bilanz der bisherigen Auflagen zeigt, wie hoch die Hürde liegt: Von 43 gestarteten Seglern erreichten nur neun das Ziel.
Neu ist bei dieser Ausgabe das GGR Live Window. Sieben Skipper sollen über ein eigens entwickeltes Einweg-System in rotierenden Zwei- bis Drei-Stunden-Fenstern Bilder von Bord senden. Für das Publikum bedeutet das: Einblicke in den Alltag auf See, ergänzt um ausgewählte Bootsdaten.
Für die Teilnehmer ändert sich dadurch nichts am analogen Konzept. Sie können selbst keine Informationen empfangen, keine Wetterdaten abrufen und nicht verfolgen, was außerhalb ihres Bootes geschieht. Das technische System sendet nur nach außen. Gerade dieser Widerspruch macht seinen Reiz aus: Für die Segler bleibt es 1968, für die Zuschauer ist es 2026.

Redakteur News & Panorama
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