5. BrassfahrtEin Sommernachtstraum in der Lübecker Bucht

Tatjana Pokorny

 · 26.05.2026

Das verträumte Brassfahrt-Bild beschreibt das Ein- und Zweihandrennen gut, das Magdalena Hufnagel in wunderschönen Bildern festhielt.
Foto: Magdalena Hufnagel/www.oh-i.sea.de
Die 5. Brassfahrt hat es wieder bestätigt: Die Idee zu diesem Pfingstsegelfest in der Lübecker und Mecklenburger Bucht war und ist klasse. Von fast 90 gemeldeten Booten kreuzten trotz flauer Vorhersagen 68 Ein- und Zweihandteams zum bildschönen Frühsommer-Event auf. Einer gewann zum fünften Mal in Folge. Und ein Top-Team hatte plötzlich ein russisches Kriegsschiff in Sicht.

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Über Nacht und 95 Seemeilen ging es für die Herausforderer der 5. Brassfahrt durch die Lübecker und Mecklenburger Bucht. Die Regeln des Rennens sind zur Freude seiner wachsenden Fans denkbar einfach: Es wird in Gruppen von Mini und Small über Medium und Large bis hin zu X-Large gesegelt. Die kleinste Gruppe wird zuerst ins Rennen geschickt. Die anderen folgen. Die “Notice of Race” ist gerade einmal fünf Seiten lang und zeigt, dass maximaler Regattaspaß auch mit überschaubarem Rahmen und Regelwerk möglich ist.

5. Brassfahrt: 100 Seemeilen durch die Bucht

Trotz beschaulicher Winde wurde intensiv gekämpft, bis die Ziellinie zwischen der “Passat” und dem Clubhaus des Lübecker Yacht-Clubs wieder erreicht war. Viele Gäste und Fans auf und an der Trave nutzten das herrliche Wetter am Pfingstwochenende zum Zuschauen beim Start und bei den Zieleinläufen des Rennens mit dem Motto “100 Seemeilen durch die Bucht”. Insbesondere die Starts sorgten für Fanspaß, denn die es ging danach direkt einmal an der Travemünder Mole entlang.

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“Dann segeln die Boote 50 Meter entfernt von den Zuschauern vorbei. Da werden die Gennaker hochgezogen, bevor sie Kurs auf Fehmarn nehmen. Das waren schöne Bilder für die Zuschauer”, sagte Co-Veranstalter Matthias Renner, der das Rennen gemeinsam mit seinen Segelfreunden Olav Arne Nehls und Timo Manske vor einem halben Jahrzehnt aus der Taufe gehoben hatte. Die begeisterten Einhandsegler wollten 2022 ohne Riesenaufwand Minis auf die Ostsee locken.

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Das Ereignis war als einmalige Aktion angedacht. Geworden ist daraus inzwischen eine Ein- und vor allem Zweihandregatta, die 2022 erstmals ausgetragen wurde und jetzt ihre fünfte Auflage gefeiert hat. “Es war toll! Und wir freuen uns auf die sechste Auflage im kommenden Jahr, hoffen auf ähnlich fordernde Bedingungen”, sagte Matthias Renner mit einem Augenzwinkern über die 95-Seemeilen-Herausforderung. “Gesegelt waren es natürlich ein paar Seemeilen mehr, aber tatsächlich gab es wenig Kreuz.”

Das Code Zero war das Segel der Regatta.” Matthias Renner

Schnellstes Boot durch die Bucht war in diesem fünften Jahr der Brassfahrt die Arcona 465 “Intoxicated” mit Thoralf Wigger vom Warnemünder Segel-Club und und Matthias Huhn vom Yachtlub Warnow. Sie meisterten den Kurs in 17 Stunden, 3 Minuten und 23 Sekunden. Auffällig erfolgreich agierten Patrik Heinrich (Sail-Lollipop Regatta Verein) und Thomas Weigel (Steinberger Yacht-Club) mit der Esse 850 “Jynx” . Für Heinrich war es in Gruppe Small der fünfte Brassfahrt-Sieg in Folge.

Wärmer als das Baltic 500: die Ostsee-Schwester Brassfahrt

Ihren Titel aus dem vergangenen Jahr verteidigten in der Medium-Gruppe auch Hasso Hoffmeister (Kieler Yacht-Club) und Sven Winterberg (Schilkseer Yacht-Club) auf der Akilaria 950 “Whiteout”. Die Dauerbrenner, die zum vierten Mal in Folge auch den Wanderpreis für das schnellste Schiff in der numerisch größten Gruppe erhielten – ein schönes Aquarell von Frauke Klatt – verwiesen Johannes Berg und Louis Enking mit der X-35 “Jinx” und Jens Hufnagel unf Thomas Panten mit der modifizierten Archambault A-35 “Chenapan” auf die Plätze zwei und drei.

Hasso Hoffmeister sagte nach dem Rennen heiter: “Schön, dass ich den Nagel fürs Bild nicht rausnehmen muss.” Der “Whiteout”-Eigner, erfahrene Regattasegler und Schiffbau-Ingenieur aus Hamburg ist ein Fan der Brassfahrt und erzählte: “Es war ein echtes Traumwochenende. Das Rennen hatte trotz leichter Bedingungen teilweise seltsame Winde, die mit Instrumenten und Prognosen kaum erklärbar waren. Man konnte sich auf nichts verlassen außer die eigenen Beobachtungen und die Intuition – eine schöne Herausforderung.”

Die Nacht erlebten die Teilnehmer bei 15, 16 Grad Lufttemperaturen – ein angenehmereres Erlebnis, als es die Baltic-500-Duos gerade bei eisigen einstelligen Temperaturen in ihren Nächten hatten. “Das ist ein Grund, warum ich das Baltic 500 nicht segle und die Brassfahrt so mag”, sagt Hoffmeister, dessen Team auch in diesem Jahr auf dem Wasser Maßstäbe setzte.

Überraschende Begegnung: russisches Kriegsschiff in Sicht

Dabei hatte das “Whitout”-Duo auch eine Begegnung der ungewöhnlichen Art: Als sie sich zwischen Fehmarn und Warnemünde zu einer “kleinen taktischen Nordbanane” gezwungen sahen, begegneten sie dem Küstenwachschiff “Bad Bramstedt”. “Die haben uns angefunkt, ‘Whiteout’, ‘Whiteou’, bitte mal auf Kanal 6 wechseln. Dann haben sie sich erkundigt, wohin wir denn fahren würden. Wir haben kurz erklärt, dass wir eine Regatta segeln und nach uns noch etwa 50 weitere Schiffe kämen.”

Die Küstenwache bat die Crew dann, ihren Kurs ein wenig zu ändern und einen mindestens Zwei-Seemeilen-Abstand zum vorausliegenden russischen Kriegsschiff zu halten. Hasso Hoffmeister erzählt: “Wir haben es im Zwielicht der Dämmerung noch kurz gesehen (Red.: siehe Bild in der Galerie) und hatten dann Glück, denn just in dem Moment kam frischer Wind. Ich war gar nicht gewahr, dass Russen sich auf ausgewiesenen Fahrwassern aufhalten dürfen. Das scheint internationales Recht zu sein. Die lagen da ganz ruhig, während die Küstenwache am Rand des deutschen Hoheitsgewässers Präsenz zeigte.”

“Warm, sonnig, herrlich”, lautete am Ende des Rennens die Kurzbeschreibung von Hasso Hoffmeister für die 5. Brassfahrt. “Sie haben die Segelanweisung sogar noch vereinfacht. Zwei Tonnen im Prinzip, das war’s. Dazwischen viel Raum für Taktik und Strategie. Im Vergleich zum Silverrudder muss man auch nicht durch den Kleinen Belt und hat nicht eine Sandbank hier und eine da. Regatten, die nur nach Größeneinteilung gehen, sind einfach die entspanntesten.”

Ein Solist schlägt fast alle Duos in seiner Gruppe

Dazu käme, so Hoffmeister die gute Atmosphäre bei der Brassfahrt. “Das Rennen ist weder zu abgehoben noch zu familiär. Es ist einfach sympathisch und von einem tollen Team organisiert und umgesetzt.” Das galt auch für das Beisammensein vor und nach dem Rennen im gastfreundlichen Lübecker Yacht-Club. Hier wurden die Sieger und Teilnehmer nach dem Rennen geehrt und gefeiert. Die Ergebnisse finden sich auf der Homepage der Brassfahrt hier.

Peter Thyen und Jan Speer hatten die Ziellinie mit ihrer Santa Cruz 37 “Sonic” als Erste erreicht. Sie gewannen in der Gruppe Large vor Arno Böhnert. Bemerkenswert ist, dass Böhnert die First 36 “Salicornia” als einer der wenigen Starter im Feld einhand segelte und das Ziel nur 19 Minuten und 18 Sekunden nach den Gruppensiegern als Zweiter erreichte. Dabei ließ er zehn Zweihand-Crews und weitere zwei Solisten hinter sich. Auf Platz drei segelten in Gruppe Large Jan B. Hansen und Helle Hansen mit der First 36 E “The Beast”.

In der Mini-Gruppe siegten Gregor Förster und Dirk Freilinger auf der Flaar 24 “Wildes Mädchen”. In der Gruppe Small folgten den souveränen Siegern Patrik Heinrichs und Thomas Weigel, die das Ziel mit ihrer “Jynx” nach 18 Stunden, 31 Minuten und 5 Sekunden erreicht hatten, Uwe Süring und Rolf Schmidt mit der Onyx 850 “Onyx” und Markus Schöner mit Brar Okke Braren auf dem modifizierten 30er Jollenkreuzer “Kleine Brise”.

Die Brassfahrt geht weiter, Meldeportal öffnet sich vor Weihnachten

In der größten Gruppe der XL-Boote setzten sich Thoralf Wigger und Matthias Huhn auf der Arcona 465 “Intoxicated” mit der schnellsten Brassfahrt-Zeit gegen Andrian Backmann und Hendrik Decker auf der Rainbow 42 “Uijuijui” durch. Platz drei holten in dieser Division Dr. Martin Rafalcyk und Patrick Böttcher mit der Luffe 45 “Schlawutzi”.

Die Begeisterung der Brasssfahrt-Lover trägt die Macher in die Zukunft. Gut 200 Seglerinnen und Segler feierten das Rennen zum Abschlus gemeinsam. Das Meldeportal für die 6. Brassfahrt wird voraussichtlich im Dezember geöffnet. Fortsetzung folgt.

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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