Als Sam Goodchild den Polarkreis am 11. Juni kurz vor Eintreffen der Nachrichten von Charlie Dalins Tod passiert und den Rückweg angetreten hatte, freute sich der in der Bretagne lebende Brite auf den Heimweg: “Es geht nach Hause!” Auch war er sich der außergewöhnlichen Situation im Vendée Arctique bewusst. Goodchild sagte: “Es gibt nur sehr wenige Menschen, die das hier erleben. Und noch weniger alleine. Es erinnert uns daran, dass wir etwas ziemlich Außergewöhnliches tun.”
Wenig später erreichte ihn die traurige Kunde von Dalins Tod. Dann rissen die Nachrichten nicht mehr ab. Es ist ein Jahr her, dass Sam Goodchild im Team Macif Santé Prévoayance in die riesigen Fußstapfen von Charlie Dalin trat. Er wusste natürlich, “dass Charlie es sich sicher anders gewünscht hätte”, bedankte sich oft für das Vertrauen und auch für die Unterstützung Dalins, dessen gesundheitlicher Zustand keine aktiven Rennen mehr erlaubte.
Sam Goodchild belohnte das in ihn gesetzte Vertrauen auf Anhieb, gewann mit dem Course des Caps sein erstes Rennen mit Dalins Vendée-Globe-Siegeryacht in den Farben des Rennstalls Macif Santé Prévoyance. Zuletzt siegte der Imoca-Meister von 2025 in diesem Jahr im 1000 Race. Jetzt haben die Nachrichten von Dalins Tod den in Bristol geborenen Briten mitten im laufenden Rennen erreicht. Sam Goodchild sagte: “Es ist sehr traurig, verheerend für seine Familie, seinen Sohn, das Team Macif, die gemeinsam sehr starke Momente mit ihm erlebt haben. Das es so endet, ist schwer zu verstehen.”
Das Leben kann grausam sein. Ich denke an dich, Charlie!” Sam Goodchild
Goodchild, der mit seiner Familie bis zum Alter von sieben Jahren auf einem Boot aufwuchs und seit rund eineinhalb Jahrzehnten in Frankreich lebt, reflektiert im laufenden Vendée Arctique “die Momente mit Charlie in meiner Karriere, in unseren Leben, bei unserem ersten gemeinsamen Figaro, auch ein wenig das gemeinsame Segeln auf einigen Booten.” Im aktuellem Einsatz weiß Sam Goodchild: “Jetzt finde ich mich auf dem Boot wieder, dass er so gut kannte, mit dem er die Vendée Globe gewonnen hat.”
Auch die Mittagssendung des Vendée Arctique stand am 12. Juni weiter unter dem Eindruck von Charlie Dalins Tod am Vortag. Gleichzeitig ging das Rennen weiter. Charlie Dalin hätte es sicher nicht anders gewollt. Hier geht es zum Live Tracker für das Vendée Arctique. Nach wie vor ist Spitzenreiter Sam Goodchild der Pacemaker. Rund 126 und 133 Seemeilen hinter ihm rangen am Nachmittag des 12. Juni Élodie Bonafous (”Association Petits Princes - Queguiner”) und Violette Dorange (”Initiatives Cœur”) als erste Verfolgerinnen bei nur sieben Seemeilen Differenz um Platz zwei.
Auf Rang drei setzt Ambrogio Beccaria seine Aufholjagd nach den riskanten Tauchgängen zur Befreieung des Kiels von “Allagrande Mapei” von einer Fischerboje weiter fort. Zuletzt hatte er keine zehn Seemeilen mehr Rückstand auf Violette Dorange. Francesca Clapcich (”11th Hour Racing”) folgte ihrem Landsmann mit weiteren 20 Seemeilen Rückstand als Fünfte.
Während am Freitagmittag auch Nico d’Estais (”Café Joyeux”) mit dem einzigen Non-Foiler der Flotte den Polarkreis erreicht hat und wieder nach Süden auf Kurs Start- und Zielhafen Les Sables-d’Olonne segelt, hatten Arnaud Boissières (”April Marine – Recherche Co-Partenaire”) und Manu Cousin (”Coup de Pouce”) noch rund 100 und knapp 250 Seemeilen bis zur Halbzeitlinie vor sich.
Das Vendée Arctique ist für seine Herausforderer auch ein Naturerlebnis. Ambrogio Beccaria beschrieb es so: „Im Moment ist das Leben ziemlich schön. Ich habe gerade Island erblickt. Es dauerte nur wenige Augenblicke, eine kurze Aufhellung inmitten von zwei grauen Tagen, aber ich konnte die schneebedeckten Berge erkennen. Es war wunderschön. Das Rennen selbst bleibt jedoch extrem intensiv. Wir erleben ein ständiges Abenteuer.”

Freie Reporterin Sport
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