The Ocean RaceNach der Gibraltar-Passage beginnt die Atlantik-Hatz

Tatjana Pokorny

 · 17.01.2023

The Ocean Race-Special wird präsentiert von
Blick aus dem Heck von Kevin Escoffiers Team Holcim – PRB
Foto: Holcim – PRB/The Ocean Race

Am zweiten Tag der ersten Ocean-Race-Etappe schlängelte sich die Flotte in ruhigeren Gewässern an der spanischen Küste entlang, um den stärksten Winden und hohem Seegang auszuweichen. Nach der Passage der Straße von Gibraltar haben alle fünf Imocas den Atlantik erreicht und beginnen, die Gaspedale durchzudrücken

Jede Wende entlang der spanischen Küste hätte auf dem Weg zur Straße von Gibraltar Schäden mit sich bringen können. Entsprechend vorsichtig tasteten sich die Crews ans Nadelöhr heran. Inzwischen haben alle fünf Imoca-Crews die Straße von Gibraltar passiert und sich auf Kurs Kapverden positioniert.

Mit packendem Spitzenduell auf den Atlantik

Die beiden führenden Boote “Holcim – PRB” und “Malama” vom US-Team 11th Hour Racing trennten am frühen Dienstagabend nach Tag zwei auf See nur zwölf Seemeilen. Da hatten die Amerikaner ihren Rückstand auf das Schweizer Team, das ihnen in der Nacht in einem fordernden Wende-Marathon die Führung abgejagt hatte, gerade wieder um zwölf Meilen verringert. Das packende Duell um die Führung dauert im Atlantik an.

Die Zwischenstände auf Etappe 1, 17. Januar, 18 Uhr deutscher Zeit: “Holcim – PRB” führt vor “Malama” von 11th Hour Racing. Boris Herrmanns Team Malizia lag zu Beginn des dritten Renntages am Dienstagabend auf Rang dreiFoto: Screenshot/The Ocean Race
Die Zwischenstände auf Etappe 1, 17. Januar, 18 Uhr deutscher Zeit: “Holcim – PRB” führt vor “Malama” von 11th Hour Racing. Boris Herrmanns Team Malizia lag zu Beginn des dritten Renntages am Dienstagabend auf Rang drei

Mit Abständen von knapp 50, 58 und 65 Seemeilen folgte dem Spitzen-Duo das Verfolger-Trio von “Malizia – Seaexplorer”, “Biotherm” und “Guyot”. Alle drei segelten deutlich näher an der theoretischen Kurslinie als die Luvboote “Holcim – PRB” und “11th Hour Racing”, die westlicher positioniert immer als Erste im frisch aus Nordwest einsetzenden Wind sein werden. So können sie die besseren Winkel fahren und sich voraussichtlich noch weiter absetzen. In Lee nahe der Rhumbline lauert zudem weniger Wind.

Boris Herrmann: “Wir haben den ersten großen Meilenstein des Rennens geschafft”

Kevin Escoffiers Team Holcim – PRB war am zweiten Tag der ersten Etappe zusätzlich technisch gefordert: Das Großsegel, das nahe am Vorliek gerissen war, nachdem das Schothorn der Fock bei einer Wende das Segel durchschlagen hatte, wollte repariert werden. Glücklicherweise boten die etwas ruhigeren Bedingungen auf dem Atlantik die Möglichkeit, den Schaden zu beheben.

Boris Herrmann, dessen Team Malizia am Ausgang der Straße von Gibraltar in dritter Position lag, berichtete: “Wir sind durch die Straße von Gibraltar gefahren. Jetzt müssen wir noch ein paar Fischfarmen und Untiefen umfahren, und es ist immer noch viel Verkehr, aber wir haben den ersten großen Meilenstein des Rennens geschafft. Vielleicht war dies die schwierigste Zeit. Es waren ein sehr intensiver Tag und eine sehr intensive Nacht. Wir haben gestern 50 Knoten (Windgeschwindigkeit) gesehen.”

Für den 41-jährigen Hamburger war es “ein emotionaler Moment”, die Straße von Gibraltar zu passieren: “Es hängen so viele Erinnerungen daran …” Mit einem Lächeln fügte er hinzu: “Ich war hier noch nie zum Kite-Foilen. Aber das kommt eines Tages auch noch.” Eine weitere gute Nachricht gab es von Malizias Co-Skipperin Rosalin Kuiper, die ihre Seekrankheit der ersten beiden Tage überwunden hat.


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