Tatjana Pokorny
· 01.09.2026
Die New Yorker Kulisse hatte an diesem Dienstag mindestens 50 Schattierungen von Grau. Bei diesigem und nassem Wetter haben sich die sechs Imoca-Teams von Manhattan und der Freiheitsstatue verabschiedet und Kurs auf die Startlinie zum Ocean Race Atlantic genommen. Der Startschuss zum neuen Team-Transat von New York nach Lorient fällt erst am Mittwoch um 12 Uhr deutscher Zeit weit draußen vor der New Yorker Küste.
Erst dort werden die Crews das Rennen aufnehmen, von dem die Mehrheit eine sehr schnelle Nordatlantikhatz erwartet. Boris Herrmann sagte vor dem Ablegen zum bewusst langsamen Auftakt bis zur entfernten virtuellen Startlinie: “Wir drosseln die Geschwindigkeit, weil es ein Revier mit vielen Walen ist. Wir wollen nicht mit Walen kollidieren.” Viel war vor der Auslaufparade die Rede davon, dass es nach dem Startschuss ein schnelles Rennen werden soll. Mehrere Skipper erwarteten einen wilden Sechs-Tage-Ritt.
Der französische “United by the Ocean”-Skipper Paul Meilhat sagte zu den voraussichtlichen Bedingungen für den Transatsprint im Ocean Race Atlantic, der gleichzeitig als Generalprobe für The Ocean Race um die Welt ab 17. Januar 2027 gilt: “Nach dem Start erwarten wir für den ersten Tag Amwindbedingungen, aber nicht viel Wind. Danach geht es darum, das Tief zu bekommen und vor ihm zu bleiben. Unter normalen Umständen ist das eine gute Vorhersage, wenn wir bis zur Ziellinie vor Lorient mit dem Tief segeln können.”
Es sollte wirklich schnell gehen. Vielleicht in weniger als sieben Tagen.” Paul Meilhat
Auch der Schweizer “Embrace the Challenge”-Skipper Oliver Heer sagte: “Die ersten Stunden dürften ziemlich unbeständig und gewittrig werden. Dann startet das Rennen.” Alle haben das riesige Tiefdruckgebiet gesehen, das nach übereinstimmenden Meinungen der Routing-Experten den Nordatlantik im Ocean Race Atlantic dominieren wird. Paul Meilhat erklärte: “Wir werden eindrucksvolle Bedingungen und vermutlich Highspeed erleben. Wahrscheinlich mehr als 30 Knoten.”
Boris Herrmann rechnete vor dem Ablegen im Big Apple mit einer Etwa-Renndauer von siebeneinhalb Tagen, sagte aber auch: “Die große Unbekannte sind immer die letzten 25 Prozent des Rennens. Das ist jetzt noch nicht vorhersagbar. Da kann alles passieren.” Doch zunächst muss das Rennen beginnen. Die Abschiedsworte von Oliver Heer: „Wir hatten eine tolle Zeit hier in den USA und in New York, aber jetzt ist es Zeit, in See zu stechen. Angesichts der recht sportlichen Wettervorhersage können wir es kaum erwarten, endlich loszufahren!“
Das Boot wird so dynamisch sein, dass es für uns sogar schwer sein wird, auch nur einen Löffel zum Mund zu führen.” Conrad Colman
Die Favoriten für die Premiere des Ocean Race Atlantic sind auf dem Papier Boris Herrmanns neue “Malizia 4” und Kojiro Shiraishis neue “DMG Mori Global One”. Beide sind erst rund zwei Monate alt, erproben ihre Kräfte erstmals in einem Rennen.
Vom Ocean Race Atlantic wird es nach dem Startschuss am Mittwochmittag deutscher Zeit eine tägliche Live-Show mit Bildern und Stimmen von See geben. Die Übersicht und alle Links sind am Ende dieses YACHT-Beitrags zu finden. Geplant sind die Sendungen bis zum 8. September.
Der folgende Clip mit Will Harris gibt einen detailliertere Einblick in die Wetterprognosen. Der “11th Hour Racing”-Navigator sagte: “Alles deutet auf ein schnelles Verdrängungsrennen hin. Es sieht so aus, als werden wir vom Tiefdruckgebiet in die Bretagne katapultiert.”
Und auch das hielt Will Harris fest: “Es wird sehr interessant: Wir haben einige sehr schnelle Foiler im Rennen, zwei brandneue Foiler. Sie werden mit voller Geschwindigkeit segeln. Unser Spiel ist es, schneller zu sein als sie. Oder mindestens mit ihnen mitzuhalten, um dann gegen Ende mit ihnen spielen zu können.” Harris schloss auch einen Leichtwind-Finalkrimi für das zunächst druckvolle Rennen nicht aus. Hier seine Prognosen im Detail:

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