Paul Meilhat hat 2023 sein erstes Ocean Race um die Welt bestritten. Das gelang mit “Biotherm”, kleinem Budget, manch einem heftigen Rückschlag und Platz vier im Schlussklassement. Im vergangenen Jahr nahm der Franzose – erneut mit knappem Budget – die Herausforderung des Ocean Race Europe an. Mit starker Crew und der leichtwind- und antrittsstarken Ex-“Biotherm” gewannen Paul Meilhat, Amélie Grassi und ihre Mitstreiter das Europa-Rennen.
Jetzt will es Meilhat auch im Ocean Race Atlantic wieder wissen. Favoriten aber sind Boris Herrmanns neue “Malizia 4” und Kojiro Shiraishis neue “DMG Mori Global One”, deren Spitzenduell mit viel Spannung erwartet wird. Zum YACHT-Favoritencheck für das Transat geht es hier.
Hinter den beiden Raketen aus Deutschland und Japan lauern mit den 2022er-Imocas “United by the Ocean” und “11th Hour Racing” (Francesca Clapcich) die beiden auf dem Papier nächstjüngsten Boote. Erweitert werden kann die Gruppe der Jäger um Oliver Heers “Embrace the Challenge”, denn die Schweizer Imoca fürs Ocean Race Atlantic ist zwar mit Baujahr 2018 noch einmal vier Jahre älter, hat aber als “TeamWork – Team Snef” mit Justine Mettraux eine formidable letzte Vendée Globe bestritten und wurde vom Schweizer Team einem Refit unterzogen. Als Außenseiter startet Conrad Colmans Team auf der “MSIG Europe” von 2007 ins Transat.
Natürlich kann die Papierform im Segelsport immer nur Anhaltspunkte für mögliche Leistungen geben. Die Unwägbarkeiten eines Rennens und möglicher Bruch spielen im Kampf um den Sieg und Top-Platzierungen ebenso eine Rolle wie die Güte der Crews. Auch in dieser Hinsicht haben vor allem die beiden favorisierten Teams nicht gekleckert, sondern geklotzt. Boris Herrmann hat fürs Ocean Race Atlantic mit Cole Brauer, die selbst schon solo um die Welt segelte, der Vendée-Globe-Achten Justine Mettraux und dem sehr erfahrenen Julien Villion eine Top-Crew um sich versammelt.
Es ist sehr befriedigend, von solchen Leuten umgeben zu sein und mit ihnen zu segeln.” Boris Herrmann
“Ich habe großes Vertrauen in diese Crew. Sie gehören zu den besten Seglern der Welt”, hat Herrmann vor dem Start ins Ocean Race Atlantic betont. Dazu markiert das Ocean Race Atlantic für Team Malizia im zehnten Jubiläumsjahr den Start in einen neuen Vier-Jahrs-Zyklus. “Wir hoffen, dass unser Boot funktioniert und schnell ist”, sagte Herrmann auch mit Blick auf die Teilnahme an der Weltumseglung im Teh Ocean Race, das Herrmann mit seinem Team am liebsten gewinnen will. Was er am meisten am Ocean Race liebt?
Das Ocean Race gab es schon, bevor es mich gab. Ich wurde durch dieses Rennen auf das Offshore-Segeln aufmerksam. Und jetzt kann ich es selbst machen.” Boris Herrmann
Auch Kojiro Shiraishi hat für das DMG Mori Sailing Team The Ocean Race im Visier. Im jetzt anstehenden Transat hat er mit der viermaligen Vendée-Globe-Starterin Samantha Davies und dem Vendée-Globe-Sechsten Nico Lunven Imoca-Schwergewichte an Bord. Dazu kommt mit der Japanerin Arisa Moriya eine talentierte Offshore-Seglerin, die mit dem Plan für eine Profikarriere nach Australien ging und alleine an Bord der 100-Fuß-Rekordjägerin “Comanche” mehr als 4000 Seemeilen als Navigatorin und Crew-Mitglied bestritten hat.
Der Vendée-Globe-Fünfte Paul Meilhat setzt für das Ocean Race Atlantic an der Seite von Co-Skipperin Mariana Lobato mit Benjamin Ferré auf den besten Vendée-Globe-Solisten ohne Foils bei der letzten Edition. Dazu kommt die amerikanische Allrounderin Sara Stone.
Für Meilhats Team United by the Ocean bringt das Ocean Race Atlantic die Chance, noch einmal intensiv für seine Ambitionen zu werben, auch The Ocean Race um die Welt ab kommenden Januar zu bestreiten. Meilhat zählt zu jenen Franzosen, die das Mannschaftssegeln um die Welt ebenso hoch einschätzen wie die französischen Solo- und Shorthanded-Klassiker.
Meilhat sagte vor dem Start ins Ocean Race Atlantic am 1. September: “Ich entdecke das Mannschaftssegeln um die Welt mit dem Ocean Race seit drei Jahren. Zuerst im Ocean Race um die Welt, danach im Ocean Race Europe. Jetzt ist es eine neue Story.” Dieser Feststellung fügt er gleich die übergeordnete Mission hinzu.
Ziel ist es, im kommenden Jahr an der Startlinie zu The Ocean Race in Alicante zu sein. Das Ocean Race Atlantic ein großer Schritt für uns dahin, eine große Herausforderung.” Paul Meilhat
Noch arbeitet Meilhats Team United by the Ocean am Budget für die Weltumseglung. Für die Teilnahme und den Erfolg, das weiß er, braucht es “Leute, die auf dem Boot gut zusammen arbeiten”. Wichtig sei auch “das Teilen der Verantwortung mit den Teammitgliedern”. Meilhats Motto: “Wenn man unter Druck die Aufgaben teilt, kann man effizienter sein.”
The Ocean Race, das bekannteste Mannschaftsrennen um die Welt, schätzt Meilhat auch noch aus anderen Gründen. Der Dauerkämpfer sagt: “Ich liebe es, im Ocean Race Menschen aus anderen Ländern kennenzulernen. Ich glaube, es ist wirklich gut herauszufinden, wie andere Leute segeln und dadurch den eigenen Horizont zu erweitern. Deswegen segle ich das Ocean Race.”
Ähnlich wie Meilhat äußert sich auch der Neuseeländer Conrad Colman zur Herausforderung von The Ocean Race, das einst 1973/1974 mit seiner ersten Edition noch unter dem Namen Whitbread Round the World Race durchgestartet war. Colman startet mit hundertprozentiger Kiwi-Crew ins neue Ocean Race Atlantic, bringt auch Nachwuchs ins Spiel. Davon, das sein Boot “MSIG Europe” das 3200 Seemeilen lange Transat ohne Foils bestreitet, lässt er sich nicht ausbremsen. Colaman sagt: “Für mich ist The Ocean Race alles!”
In einem Clip zum Ocean Race Atlantic erklärte “The Crazy Kiwi” Colman: “Mit The Ocean Race hat mein Abenteuer im Seesegeln begonnen. Zuerst als Zuschauer. Dann hat es mir die Augen für die Möglichkeit geöffnet, selbst The Ocean Race zu bestreiten. Ich wollte zurückkommen und meine Karriere da beenden, wo alles begonnen hat.”
Berühmt war Colman als Solist bei seiner ersten Vendée Globe geworden, die er als erster Neuseeländer 2017 hatte beenden können. Dabei hatte er bereits 97 Prozent des Kurses bestritten, als sein Mast brach. Der heute 42-Jährige kämpfte sich damals als dritter Teilnehmer in den Vendée-Globe-Geschichte unter Jury-Rigg ins Ziel und wurde nach 110 Tagen auf See auch als Sechzehnter stürmisch gefeiert.
Jetzt geht es für Colman wieder im Team zur Sache. Und er wird die Fans auch dieses Mal wieder mit Sport, jedoch ebenso mit hohem Unterhaltungswert mit auf die Reise nehmen – so wie in diesem Clip. Wenn das Ocean Race Atlantic beginnt, ist es nicht nur für Colman der Aufgalopp zur Weltumseglung im kommenden Jahr.

Freie Reporterin Sport
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