Tatjana Pokorny
· 09.09.2026
Gut 500 Seemeilen hatten die führenden Boote am Mittwochmorgen noch bis ins Ziel des ersten Ocean Race Atlantic zu segeln. Es läuft Renntag sieben seit dem Start vor New York am 2. September. Boris Herrmanns Team Malizia rang im Endspurt-Vierkampf um einen Podiumsplatz.
Ihren 110-Seemeilen-Rückstand hatten die Malizianer in den vergangenen Tagen fast komplett getilgt. Am späten Dienstagabend hatten sie sich bis auf acht Seemeilen an die japanische “DMG Mori Global One” herangekämpft, die zuvor die Führung übernommen hatte. Am Mittwochmorgen war der Rückstand der DMG-Mori-Verfolger zunächst wieder leicht angewachsen, denn Kojiro Shiraishi, Sam Davies, Nico Lunven und Arisa Moriya konnten das Gaspedal stärker durchdrücken.
Nach dem Abzug des Hochdruckrückens ist jetzt die rasante Schlussphase eingeläutet. Dabei schien der Vorteil zunächst bei “DMG Mori Global One” zu liegen. Das Hochdruckgebiet ist schneller nach Südost abgezogen, als es sich die nördlicher positionierten Verfolger gewünscht hätten. Die Folge: Shiraishi und seine Crew wurden nicht stärker ausgebremst.
Die “DMG Mori Global One”-Crew konnte ihr Tempo schneller wieder erhöhen als es sich die nördlicher positionierte Konkurrenz erhofft hatte. Zuletzt rauschte die wie “Malizia 4” beim ersten Regatta-Einsatz im Ocean Race Atlantic erst zwei Monate alte “DMG Mori Global One” der bretonischen Ziellinie am Mittwochmorgen auf direkterem Kurs entgegen. Dabei kamen sie auf Spitzengeschwindigkeiten von phasenweise 25 Knoten und mehr. Und die Prognosen könnten die seit dem Vorabend neue japanische Spitzenreiterin weiter beflügeln, denn das von hinten kommende Tiefdruckgebiet dürfte nun alle vier Boote ähnlich schnell bis ins Ziel tragen.
In Sachen Geschiwndigkeit stand “Malizia 4” der japanischen Konkurrentin aber in den letzten Stunden nicht nach. Im Gegenteil: Sie war am Mittwochmorgen gegen 9.30 Uhr mit Speedspitzen von 30 Knoten blitzschnell unterwegs, konnte ihren über Nacht auf mehr als 30 Seemeilen angewachsenen Rückstand zu “DMG Mori Global One” in den Mittwochmorgenstunden wieder etwas verkürzen.
Gut 50 Seemeilen noch trennten am Morgen des 9. September im Nord-Süd-Vergleich “DMG Mori Global One” und die über ihr segelnde “Malizia 4”. Dazwischen waren Francesca Clapcichs “11th Hour Racing” und Paul Meilhats “United by the Ocean” positioniert. Bei allen drei Verfolgerinnen von “DMG Mori Global One” blieb die Stimmung an Bord kämpferisch.
Wir haben einen Plan für den Endspurt und bereits eine ganze Rolle Klebeband für kleine Reparaturen an Bord verbraucht.” Cole Brauer
Die Abfolge von Tief-Hoch-Tief hatte am Vortag schon Benjamin Ferré gut beschrieben. Er segelt mit Ocean-Race-Europe-Gewinner Paul Meilhat, Mariana Lobato und Sara Stone auf “United by the Ocean”. Ferré sagte: “Das Tiefdruckgebiet, das uns für ein paar Tage vorwärtsgetrieben hatte, war auf Standby-Modus gegangen. Es hatte eine kleine Pause gemacht.” Jetzt ist es zurück und sorgt für einen temporeichen Schlussakt mit Potenzial für einen Finalkrimi.
Im Ziel wurde das Top-Quartett zuletzt am Donnerstagabend ab etwa 17 Uhr erwartet. Die Schweizer “Embrace the Challenge” und Conrad Colmans “MSIG Europe” könnten die Linie bei 266 und 355 Seemeilen Rückstand an Renntag sieben bis zum Morgen des 11. September erreichen. Beide Boote bleiben aber für die täglichen Supersprints im Spiel. Den jüngsten Vergleich hatte am Dienstagabend Oliver Heers Crew auf “Embrace the Challenge” für sich entscheiden können, als sie in druckvolleren Winden agieren konnten als die Spitzenreiter.
Die Supersprint-Wertung führt weiter Team Malizia mit seiner neuen Koch-Rakete und 35 Punkten vor “DMG Mori Global One” (29 Punkte), “11th Hour Racing” und “Embrace the Challenge” (beide 23 Punkte) an. Die Ergebnisse fließen nicht in die Wertung des Ocean Race Atlantic ein und kommen in Abhängigkeit der aktuellen Positionen der Boote in unterschiedlichen Bedingungen zustande. Dass “Malizia 4” diese Wertung anführt, darf trotzdem als Indikator für ein schnelles Boot gewertet werden.

Freie Reporterin Sport
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