Die richtige Positionierung könnte im Vierkampf an der Spitze des Feldes im Ocean Race Atlantic in den kommenden Stunden und Tagen zum ausschlaggebenden Faktor werden. Denn: Das Führungsquartett hat zuletzt durch das vorausliegende, nach Südost ziehende Hochdurckgebiet bereits eine Kompression erfahren. Von Süd nach Nord “aufgereiht” bilden “DMG Mori Global One”, “United by the Ocean” und “11th Hour Racing” weiter im engen Duell sowie “Malizia 4” eine Front, die schnellstmöglich nach Osten vordringen will.
Zuletzt hat Team Malizia auf der nördlichen Außenflanke den Rückstand auf die führende “DMG Mori Global One” weiter verkürzen können. Gegen 9.30 Uhr lagen Boris Herrmann und seine Crew am sechsten Tag im Ocean Race Atlantic mit Blick aufs Ziel nur noch etwas mehr rund 38 Seemeilen hinter der japanischen Konkurrentin. Und weil “Malizia 4” zum dem Zeitpunkt immer noch mit rund 16 Knoten Speed und einem Vier-Stunden-Geschwindigkeitsdurchschnitt von mehr als 18,6 Knoten unterwegs war, schmolz der Rückstand auf die Spitzenreiterin – zwei Tage zuvor noch mehr als 110 Seemeilen – weiter.
Im vergleichbaren Zeitfenster kam Kojiro Shiraishis “DMG Mori Global One” am 8. September gegen 9.30 Uhr auf eine Geschwindigkeit von 15 Knoten, aber nur einen Vier-Stunden-Schnitt von 13,5 Knoten. Die Gründe dafür zeigte der Tracker deutlich: Team Malizia hat die Auswirkungen des vorausliegenden, nach Südosten ziehenden Hochdruckgebietes in der nördlichsten Position weniger zu spüren bekommen als das südlichste der vier Boote: “DMG Mori Global One”.
“DMG Mori”-Seglerin Arisa Moriya hatte schon am Montag gesagt: “Die letzten zwei Tage war es in starken Winden sehr bucklig, doch jetzt nimmt der Wind ab. In den nächsten zwei Tagen werden wir in einer sehr wechselhaften und schwierigen Situation sein. Die von ihr angesprochenen Herausforderungen dürften noch bis zur Wochenmitte anhalten. Zwischen “Malizia 4” im Norden und “DMG Mori Global One” im Süden rangen an Tag sechs im Ocean Race Atlantic weiter “United by the Ocean” und “11th Hour Racing” im “Infight” miteinander.
Hier wusste Francesca Clapcich schon, dass die aktuellen Bedingungen ihrer “11th Hour Racing”, der ehemaligen “Malizia 3” von Boris Herrmann, nicht sehr entgegenkommen. Die Italo-Amerikanerin sagte: “Diese leichten bis mittleren Amwind-Bedingungen sind nicht unsere Stärke. Das Hochdruckgebiet bewegt sich. Wir wissen aber nicht, wie schnell. Danach kommen wir hoffentlich wieder in mehr Wind. Dann wird es hoffentlich für den Rest des Kurses mehr oder weniger ein Reaching-Winkel sein.” Ocean-Race-Europe-Gewinner Paul Meilhat erwartet insgesamt eher leichtere Winde für den letzten Rennabschnitt.
Das Rennen ist immer noch sehr offen. Vielleicht kommen wir alle gemeinsam an, was natürlich für die Öffentlichkeit großartig wäre.” Paul Meilhat
Und weil der Hochdruckrücken eben weiter wandert, lautet die entscheidende Frage nun: Wer findet in den kommenden 24 Stunden den schnellsten Weg durch die Zone mit abnehmendem Wind, ohne sich zu weit vom optimalen Kurs zu entfernen? Erwartet werden zunächst leichtere Amwind-Kurse, anschließend aber wieder deutlich bessere Bedingungen auf einem Reach beziehungsweise raumschots.
Für Malizia könnte das letzte Renndrittel im Ocean Race Atlantic nach den technischen Rückschlägen am vergangenen Wochenende das Comeback bringen: Sobald die Boote durch den Hochdruckrücken hindurch sind, dürfte es wieder schneller vorangehen. Die erst vor zwei Monaten am 6. Juli in Lorient vom Stapel gelaufene “Malizia 4” hat bereits vielfach gezeigt, dass sie bei höherer Geschwindigkeiten sehr konkurrenzfähig ist.
Mitentscheidend sind nun also das Können und auch etwas Glück, nicht in einer windarmen Zone hängenzubleiben. Der Tag auf See hatte an diesem Dienstag damit begonnen, dass für die führenden vier Boote bereits die letzten 1000 Seemeilen im Ocean Race Atlantic angebrochen sind. Darum müssen Oliver Heers “Embrace the Challenge” und Conrad Colmans Außenseiterin “MSIG Europe” bei rund 300 und 360 Seemeilen Rückstand auf die führende “DMG Mori Global Challenge” erst noch kämpfen.
Ein Trostpflaster gab es für die Schweizer auf dem Weg: Bei den täglich ausgetragenen Supersprints hatte sich am Montagabend Oliver Heers “Embrace the Challenge” mit ihrem geflickten Großsegel durchgesetzt. Die 20-minütigen Speedrennen werden für alle Boote immer gleichzeitig gestartet – egal, wo sie gerade auf dem Nordatlantikkurs segeln.
Team Malizia holte in dieser Sonderwertung nach drei Siegen und einem vierten Rang zum zweiten Mal einen zweiten Rang. Damit führen Boris Herrmann, Justine Mettraux, Cole Brauer und Julien Villion die Wertung mit 31 Punkten weiter vor “DMG Mori Global One” (26 Punkte), “11th Hour Racing” (22 Punkte) und “United by the Ocean” (18 Punkte) an. Hier geht es zum Zwischenklassement des Speed-Wettbewerbs, dessen Ergebnisse nicht in die Wertung für das Ocean Race Atlantic einfließen.

Freie Reporterin Sport
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