Tatjana Pokorny
· 10.09.2026
Für die Top-Vier läuft im Ocean Race Atlantic der Endspurt ins Ziel. Auch am Morgen des letzten Tages führt “DMG Mori Global One” die Flotte an. Gegem 8.30 Uhr hatten Skipper Kojiro Shiraishi, Samantha Davies, Nico Lunven und Airisa Moriya noch knapp 60 Seemeilen bis zur Ziellinie vor sich. Stark aufgekommen ist über Nacht noch einmal Paul Meilhats “United bei the Ocean”. Zuletzt trennte die französische 2022er-Imoca nur noch eine Seemeile von der neuen japanischen Verdier-Rakete. Es liegt Hochspannung in der Luft.
Insgesamt lagen die Top-Vier von “DMG Mori Global One” bis “Malizia 4” gegen 9 Uhr nur noch 15 Seemeilen auseinander. Weil das Führungsquartett auf dem Weg ins Ziel in leichtere Winde kommt, könnten die Entscheidungen erst auf den letzten Metern fallen. Boris Herrmanns Team Malizia hatte am Vortag den Kampf bis zum letzten Meter angekündigt. Boris Herrmann sagte in der Aufholjagd: “Das Rennen ist erst zu Ende, wenn wir im Ziel sind.”
Auf die drittplatzierte “11th Hour Racing” hatte “Malizia 4” am frühen Donnerstagmorgen noch rund elf Seemeilen gutzumachen. Boris Herrmann, Justine Mettraux, Cole Brauer und Julien Villion kämpften, doch wird es schwer für sie, noch einmal ganz nach vorne durchzudringen. Boris Herrmann hatte am Mittwochnachmittag gesagt: “Der Dienstag war ein Traumtag, als wir mit dem Aufholen fast wieder an die Spitze gekommen sind. Doch jetzt wird es schwer, die Bedingungen sind nicht einfach.”
Die Crew ist super engagiert, gibt nicht auf, bleibt fokussiert.” Boris Herrmann
Der Tracker zeigt es unerbittlich: Die hochgerechneten Zielzeiten erwarteten “DMG Mori Global One” auch am frühen Donnerstagmorgen weiter als erstes Boot im Ziel. Die erwartete Ankunftszeit für die japanische Imoca lag zuletzt mitten am Nachmittag. Nur zwei Minuten danach wurde nach den Hochrechnungen um 9 Uhr “Untited by the Ocean” im Ziel erwartet. Es ist ein dramatisches Finish in Sicht.
Um kurz vor 9 Uhr hatte am Donnerstagmorgen auch Francesca Clapcichs “11th Hour Racing” (Ex-”Malizia 3”) ihren Rückstand auf “DMG Mori Global One” auf unter fünf Seemeilen verkürzt. Die Geschwindigkeiten wechselten in den unbeständigeren Bedingungen ebenso häufig, wie die Abstände um Plus und Minus. Bei den Crews muss auf den letzten Meilen nun jeder Schritt, jedes Manöver sitzen.
“DMG Mori Global One” könnte – dicht verfolgt von ihren Jägerinnen – gegen Mittag Penmarch passieren, bevor die Crew Lorient ansteuert. Bei 24 Stunden bis ins Ziel hatte “11th Hour Racing”-Navigator Will Harris gesagt: “Es ist immer noch jedermanns Spiel.” Dieses Spiel wird in der Biskaya jetzt noch einmal hochspannend, weil die Winde leichter werden. Die Frage bleibt: Wer kann jetzt noch am Sieg von “DMG Mori Global One rütteln”? Und wer schafft der Sprung aufs Podium. Die letzten hochspannenden Rennstunden werden die Auflösung bringen.
Team Malizia hatte nach dem erneuten und insgesamt vierten Sieg bei insgesamt acht Supersprints diese Sonderwertung bereits am Mittwoch gewonnen. Das ist mehr als ein Hinweis auf das Geschwindigkeitspotenzial der neuen Koch-Rakete. Doch die Kollision am vergangenen Wochenende und der Schaden am Foil-System haben mit Blick auf die Gesamtwertung im Ocean Race Atlantic einen schmerzlichen Tribut gefordert.
Boris Herrmann wollte gegenüber der YACHT nicht über das Maß der Auswirkungen aufs Rennergebnis spekulieren, sagte aber: “Es ist immer noch ein großer Nachteil, dass wir in Folge der Kollision unser Foil-Rake nicht einstellen können. Man weiß nie, was wäre wenn. Es ist immer blöd, über sowas zu spekulieren, aber es hält uns in diesem Rennen auf jeden Fall sehr zurück. Das ist schon ein bisschen enttäuschend.”
Die Veranstalter des Ocean Race Atlantic planen für den Nachmittag Live-Übertragungen von den Zieleinläufen der ersten Boote. Eine genaue Uhrzeit für den Start der Übertragung gab es angesichts der Rennentwicklung noch nicht. Es wurde damit gerechnet, dass es gegen kurz vor 14 Uhr losgehen könnte. Hier geht es zur Live-Übertragung.

Freie Reporterin Sport
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