Nach der medaillenlosen Olympiaregatta von Marseille lassen die Nationalsegler ihre Fans wieder von olympischem Edelmetall träumen. Beim ersten großen Regattatest im künftigen Olympiarevier von LA28 setzten Richard Schultheis und Fabian Rieger ein goldenes Ausrufezeichen. Der erst 21 Jahre alte Steuermann vom Norddeutschen Regatta Verein und sein 30-jähriger Vorschoter hatten sich schon zum Auftakt der San Pedro Olympic Classes Regatta die Spitzenposition im Weltklassefeld der 31 Männer-Duos aus 18 Nationen gesichert. Das Gelbe Trikot der Spitzenreiter gaben sie danach nicht mehr ab.
Im Gegenteil: Nach konstanter Serie schockten sie die Konkurrenz am Vorschlusstag der San Pedro Olympic Classes Regatta noch einmal mit zwei Rennsiegen. Nach einem weiteren Sieg im ersten der beiden Medaillenrennen hatten Schultheis/Rieger ihren fulminanten Sieg im künftigen LA28-Olympiarevier bereits vorzeitig gesichert, obwohl das neue Punktsystem die Top Tean im Finale zuvor wieder enger zusammengeschoben hatte, als es die Ergebnisse der Hauptrunde waren.
EIgentlich soll das neue System vorzeitige Siege verhindern, doch Schultheis/Rieger war so gut, dass sie sich schon vor dem zweiten und letzten Finallauf mit LA28-Testgold belohnten. Am Ende hatten sie imposante 15 Nettopunkte Vorsprung vor den zweitplatzierten Briten James Grummett/Rhos Hawes und 22 Zählern Vorsprung vor Hernán Umpierre und Fernando Diz aus Uruguiay. Die Neuseeländer Mattias Coutts und Oscar Gunn, zwei Tage vor dem Finale noch erste Jäger von Schultheis/Rieger, wurden Neunte.
“Es ist fantastisch, hier im Olympiarevier zu segeln. Es hat uns bislang großartige Bedingungen geschenkt. Bei zwei verschiedenen Kursen haben wir ganz unterschiedliche Arten des Segeln erlebt”, schwärmte Richard Schultheis von der Segelarena für die Olympischen Spiele in LA28. In der San Pedro Bucht wird entweder innerhalb der Hafenmauer oder außerhalb gesegelt. “Es hat total Spaß gemacht, draußen in den Wellen und in der Dünung zu segeln. Davon hatten wir in diesem Jahr noch nicht so viel”, erklärte Schultheis. Ebenso sei das Segeln im Hafen in drehenderen Bedigungen im Flachwasser eine schöne Herausforderung.
Die San Pedro Bucht hat bislang Glamour-Bedingungen serviert.” Richard Schultheis
Gleichzeitig warnte Schultheis nach der Gala seines Teams vor zu viel Euphorie: “Es sind noch zwei Jahre, in denen viel passieren kann. Wir müssen konzentriert weiterarbeiten und sicherstellen, dass wir bis zu den Spielen jeden Stein umdrehen. Alle anderen werden auch hart arbeiten, um ihr Bestes zu erreichen. Wir haben bei dieser Regatta über 15 Rennen von unserer Konstanz profitiert. Es gab eine neue Dynamik bei dieser Art der Rennen, bei der schnell Fehler passieren, die im Klassement teuer sind. Wir haben sie in dieser Woche am besten minimiert.”
Die Olympiasegler sind sich einig: In zwei Jahren werden im Kampf um die Medaillen in den sechs Bootsdisziplinen auf den wechselnd genutzten Außen- wie Innenkursen in der San Pedro Bucht Allround-Talente gefordert sein. In dieser Woche waren im 49er Richard Schultheis und Fabian Rieger die Besten. Fabian Rieger beschrieb die Voraussetzungen dafür, sagte: “Wir kommen mit den Bedingungen sehr gut klar und hatten sehr guten Bootsspeed. Die Steigerung am Ende war auf dem inneren Kurs. Da hat Richard hat einen guten Weg über den Kurs gefunden, während ich das Boot getunt und schnell gehalten habe.”
Es ist ein super Revier, in dem man eigentlich jeden Tag segeln kann.” Fabian Rieger
DSV-Cheftrainer Dom Tidey sagte in Los Angeles: “„Unsere Gruppe ist hierhergekommen, um zu lernen. Sie haben ein Statement hinterlassen. Ich könnte nicht stolzer sein auf die Leistung, die die Mannschaft diese Woche gezeigt hat. Auch Jakob und Andi haben die ganze Woche über starken Speed gezeigt – zwei Siege und drei zweite Plätze zeigen, dass die Schnelligkeit da ist. Mit etwas mehr Konstanz hätten auch sie in dieser Flotte gewinnen können. Der Einzug ins Finale ist ein solides Ergebnis. Es gibt viel, worauf man aufbauen kann.“
Wir sind mit vielen Fragen hierher gekommen und verlassen das kommende Olympiarevier mit Antworten. Wir wollten lernen und haben ein Statement hinterlassen.” Dom Tidey
Tatsächlich waren Jakob Meggendorfer und Andreas Spranger auffällig schnell unterwegs. Zwei erste Ränge und drei zweite zeugten vom Speedpotenzial der Olympia-Elften von Marseille. Dem gegenüber standen aber für die Crew vom Bayerischen Yacht-Club ein paar zu viele zweistellige Resultate, die den möglichen Sprung aufs Podium verhinderten. Das starke deutsche Gesamtergebnis als Top-Nation im 49er machten Meggendorfer/Spranger mit Platz sieben komplett.
Andreas Spranger sieht die GER-Güte bei diesem ersten Test im LA28-Olympiarevier auch in der guten Zusammenarbeit der beiden Duos in Regie von Trainer Ryan Seaton begründet, sagte: „Wir haben auf jeden Fall guten Speed, wissen, dass wir schnell sind. Richard und Fabi haben auch gezeigt, dass sie sehr guten Speed haben. Ich glaube, das resultiert auch aus unserer sehr engen Zusammenarbeit. Wir haben die Tage vor der Regatta hier extrem viel zusammen angeglichen, alle Trimms geteilt und versucht, uns bestmöglich auf die Bedingungen einzustellen.“
Dazu wies Vorschoter Andreas Spranger auf eine Besonderheit der LA28-Segelbühne hin, die mit zuverlässigen Bedingungen überzeugte. Andi Spranger erklärte: „Sehr speziell ist hier, dass es oft über rechts geht. Vor allem auf den äußeren beiden Kursen. Innen in der Marina ist es eher ausgeglichener. Deshalb sind zum Teil mehr als 80 Prozent der Crews auf Steuerbord gestartet, was sehr, sehr unüblich ist. Wenn wir es gut hinbekommen haben, konnten wir unseren Speed ausspielen, haben auch Rennen gewonnen oder uns mindestens in den Top-Fünf platziert.“
Doch das rasant-schöne Spiel hatte auch eine Kehrseite, wie Spranger ebenfalls erzählte: “Man muss es simpel halten und solide Starts fahren. Und nicht – so ein bisschen wie wir – Top-oder Flop-Starts fahren. Da haben wir uns das Leben manchmal selbst etwas schwer gemacht.” Unter dem Strich bleibt die Erkenntnis, die international fast alle teilten: das LA28-Revier hat, was sich Olympiasegler wünschen.
Das bestätigten auch die 49erFX-Seglerinnen. Die Olympia-Sechsten von Marseille, Marla Bergmann und Hanna Wille vom Mühlenberger Segel-Club, rückten im Schlussspurt mit den Rängen 5 und 4 in den Medaillenrennen noch auf Gesamtplatz sechs vor. Ihre Bilanz fiel “insgesamt zufriedenstellend” aus. Ein bisschen Speed fehlte den Europameisterinnen im Abgleich zu den Podiumsteams noch. Marla Bergmann sagte: “Die Schwedinnen hatten die ganze Woche über extrem guten Bootsspeed. Dahin fehlt es uns zum Beispiel auch noch an Crew-Gewicht. Wir haben in den letzten zwei Jahren schon wichtige Schritte gemacht. Jetzt heißt es: weiter dranbleiben und hart arbeiten!”
Wir sind der festen Überzeugung, dass wir hier in zwei Jahren ganz vorne mitspielen können.“ Marla Bergmann
Dasselbe Ziel verfolgen Sophie Steinlein und Cathy Bartelheimer (Norddeutscher Regatta Verein/Bayerischer Yacht-Club/Segelclub Inning am Ammersee) im starken deutschen 49erFX-Kader mit den Trainern Mark Asquith und Riccardo de Felice. Die Olympiakaderseglerinnen hatten den Einzug ins Medaillenfinale der Top Ten bei der San Pedro Olympic Classes Regatta als Elfte nur knapp verpasst. Gewonnen haben den ersten großen Olympiatest im Port of Los Angeles mit 18 Frauen-Crews aus 14 Ländern die Olympia-Zweite Vilma Bobeck mit Ebba Berntsson (Schweden) vor Paula Barcelo/Maria Cantero (Spanien) und Freya Black/Saskia Tidey (Großbritannien).

Freie Reporterin Sport
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