Zuerst einmal ist auffällig, wie sauber die Wettfahrten der San Pedro Olympic Classes Regatta im kommenden Olympia-Revier auch in dieser Woche durchgehen. Verschiebungen oder Ausfälle, die in den Naturarenen des Segelleistungssports regelmäßig vorkommen? Fehlanzeige! Das LA-Revier in der San Pedro Bucht präsentiert sich zwei Jahre vor der olympischen Regatta 2028 von seiner besten Seite und wird von den Olympioniken durchweg gelobt.
Nach dem glanzvollen Einsatz der deutschen 470er-Mixed-Duos vom German Sailing Team im Juli, sind aktuell die Skiff- und Nacra-17-Teams gefordert. Bei der 49er-Männern geht es hochspannend und mit vielen Positionswechseln zu. Eines aber hat ich seit Tag eins der Regatta nicht verändert: Richard Schultheis und Fabian Rieger führen das Weltklassefeld der 31 Duos auch nach dem vierten Tag des Olympia-Tests souverän an.
Der erst 21 Jahre alte Steuermann vom Norddeutschen Regatta Verein und sein 30-jähriger Vorschoter vom Verein Seglerhaus am Wannsee, seit der Kieler Woche in diesem Jahr vom dreimaligen TP52-Weltmeister Harm Müller Spreer und seinem Unternehmen Platoon Aviation unterstützt, haben sich in bislang zwölf Rennen bei 61 Nettopunkten 16 Zähler Vorsprung vor Mattias Coutts und Oscar Gunn aus Neuseeland erarbeitet. Das interessante Spitzenduell fechten zwei Teams miteinander aus, deren junge Steuermänner sich bestens kennen.
Der auf Malta großgewordene und seit eineinhalb Jahren für den Deutschen Segler-Verband startende Richard Schultheis und der nur einen Monat jüngere Sohn von Segelstar und SailGP-Dirigent Russell Coutts kennen sich auch vom Mottensegeln gut, haben miteinander trainiert. In Auckland war Schultheis auch im Hause Coutts stets willkommen.
Beide streben intensiv den Olympia-Start 2028 an. Richard Schultheis hat dafür auch seine Zusage für den Einstieg ins deutsche SailGP-Team vertagt, wo ihn Erik Kosegarten-Heil als potenziellen Nachfolger für die Zukunft sieht. Richard Schultheis aber will sich zunächst auf die olympische Medaillenjagd fokussieren, während seine Schwester, Mottenweltmeisterin Antonia Schultheis, seit diesem Jahr bereits mit dem Germany SailGP Team trainiert.
Großgeworden im Malta Young Sailors Club und heute für den NRV an der Hamburger Alster im Einsatz, hat Richard Schultheis bereits zwei fünfte Plätze bei Motten-Weltmeisterschaften erreicht. Den ersten 2024 fast aus dem Stand, erst kurz nach seinem Einstieg in die hochkarätige Solo-Foiler-Klasse. Mattias Coutts hat in der Motte 2024 schon die WM-Krone geholt. “Das Mottensegeln ist wichtig, um für die Zukunft von und mit den besten Seglern der Welt zu lernen”, sagt Richard Schultheis.
Jetzt zählen Schultheis und Coutts zu den vielversprechendsten 49er-Steuermännern auf Kurs Olympia in Los Angeles 2028. Dabei haben beide – Schultheis mit Rieger und Coutts mit Gunn – auch starke nationale Konkurrenz. Für Neuseeland haben Seb Menzies, auch Mitglied im America’s-Cup-Team der Titelverteidiger vom Emirates Team new Zealand, und George Lee Rush in diesem Jahr die 49er-WM gewonnen, als Mattias Coutts und Oscar Gunn einen Rückschlag hinnehmen mussten und nicht über Platz 20 hinauskamen.
Auch Richard Schultheis und Fabian Rieger mussten bei der 49er-WM nach herausragenden Saisonergebnissen und starkem WM-Auftakt einige schmerzhafte Dämpfer hinnehmen und schlossen die WM auf Platz 15 ab. WM-Vierte wurden im Mai nach einigen verletzungsbedingten Ausfällen zuvor Jakob Meggendorfer und Andreas Spranger vom Bayerischen Yacht-Club. Auch die Olympia-Elften von Marseille haben LA28 im Visier, bilden mit Richard Schultheis und Fabian Rieger in Regie von DSV-Coach Ryan Seaton eine hochkarätige Trainingsgruppe im German Sailing Team.
Beim ersten großen Olympia-Test in der San Pedro Bucht sind nun zwei Jahre vor Olympia in den USA aktuell wieder Schultheis/Rieger und Coutts/Gunn die dominierenden Kräfte. Meggendorfer/Spranger lagen nach zwölf Läufen als Achte aber ebenfalls auf Kurs Medaillenfinale. Menzies/Lee Rush hatten als Sechzehnte schon 22 Punkte Rückstand auf den zehnten Platz, der nach den letzten drei Läufen der Hauptrunde noch ins Finale führt.
Diese drei entscheidenden Rennen sind für diesen Freitag bei neun Stunden Zeitverschiebung zwischen Los Angeles und Deutschland angesetzt. Die Medaillenrennen finden am Samstag statt. Wird es zum Siegduell zwischen den “Rising Stars” Schultheis und Coutts kommen? Es ist bezeichnend, dass Richard Schultheis bei einem langen Gespräch mit der YACHT auf die Frage nach seinen Vorbildern zwei Neuseeländer nannte: “Für eine gewisse Zeit war Peter Burling (Red.: 49er-Olympiasieger, 3 x America’s-Cup-Gewinner) jemand, der die Ergebnisse hatte.”
Als Gesamtsegler wäre ich wahrscheinlich gerne der nächste Russell Coutts.” Richard Schultheis
Auf seinem Kurs zum besten Gesamtsegler wird sich Richard Schultheis an der Seite von Fabian Rieger im 49er auch mit Russell Coutts’ Sohn Mattias Coutts und Oscar Gunn spannende 49er-Kämpfe liefern. Das jüngste Kräftemessen läuft gerade im künftigen Olympia-Revier, wo beide in zwei Jahren um Medaillen kämpfen wollen.
Parallel zu den 49er-Männern sind im Hafenrevier von los Angeles auch die olympischen 49erFX-Frauen im Einsatz. Angeführt wird das Klassement der Skiffseglerinnen nach zwölf Rennen von den Britinnen Freya Black und Saskia Tidey vor der Olympia-Zweiten Vilma Bobeck mit Ebba Berntsson. Interessant: Die niederländische Olympiasiegerin und dreimalige Weltmeisterin Odile Lambriex van Aanholt arbeitet sich mit ihrer neuen Vorschoterin Karlinde Van Arendonk als Achte auch schon wieder in Richtung Spitze.
Die beiden deutschen Crews Sophie Steinlein/Cathy Bartelheimer (Norddeutscher Regatta Verein/Bayerischer Yacht-Club/Segelclub Inning am Ammersee) und die amtierenden Europameisterinnen und Olympia-Sechsten von Marseille, Marla Bergmann/Hanna Wille (Mühlenberger Segel-Club), besetzten nach zwölf Rennen die Plätze zehn und elf, wollen am Vorschlusstag noch deutlich weiter nach vorne rücken und den Finaleinzug sichern.

Freie Reporterin Sport
Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.