Tatjana Pokorny
· 25.07.2026
Die Annäherung an ein kommendes Olympia-Revier und das Kennenlernen der Bedingungen sind immer spannend. In dieser Woche waren die deutschen 470er-Crews am Zug. Bei der Olympic Classes Regatta San Pedro verschafften sie sich erste Eindrücke von dem Revier, in dem ein deutsches Duo bei der Olympia-Regatta 2028 auf Medaillenjagd gehen wird. Die “Pre-Pre-Olympics” haben jetzt gezeigt, dass die Mixed-Crews vom German Sailing Team zur Halbzeit der laufenden Olympiade auf starkem Kurs segeln. Das zeigten die Ergebnisse deutlich. Dazu gab es durchweg positive Reviereindrücke.
Mit 19 Booten hatte die 470er-Mixed-Flotte bei der Olympic Classes Regatta San Pedro exakt den Umfang, den sie auch bei der Olympiaregatta in zwei Jahren im selben Revier haben wird. Das Feld war klein, aber fein, die Top-Favoriten am Start. Über zwölf Wettfahrten bis zu den beiden Medaillenrennen haben die 470er-Nationalsegler ihre Chancen vielfach erfolgreich genutzt. Am Ende strahlten die Vizeweltmeister Simon Diesch (Württembergischer Yacht-Club) und Anna Markfort (Verein Seglerhaus am Wannsee/Joersfelder Segel-Club) im künftigen kalifornischen Olympia-Revier mit Silber um die Wette.
Mit drei Rennsiegen, darunter zwei am Vorschlusstag, hatten sich Diesch/Markfort zu den Medaillenrennen eine herausragende Ausgangsposition erarbeitet. Geschlagen geben mussten sie sich nach den Finalrängen 8 und 7 nur den Briten Martin Wrigley/Bettine Harris, die mit den Rängen 1 und 2 Gold beim ersten Olympia-Test holten. Bronze erkämpften hinter Diesch/Markfort die Schweden Anton Dahlberg und Lovisa Lindner. Etwas überraschend war, dass die Überflieger und Weltmeister Jordi Xammar und Marta Cardona nicht über Platz zehn hinauskamen.
Für ihr Team zog Anna Markfort zum Wochenende in Los Angeles Stadtteil San Pedro glücklich Bilanz: „Wir hatten hier eine Woche mit ziemlich genialen Segelbedingungen, konnten auf drei verschiedenen Rennkursen segeln. Wir hatten von Flachwasser und eher drehig-böigen Bedingungen bis zu etwas mehr Welle und auch stärkeren Winden alles dabei.” Gesegelt wird im Olympiarevier für die sechs Olympia-Bootsklassen – iQFOiL-Windsurfer und Kiter sind vor Long Beach gefordert – innerhalb oder außerhalb der Hafenmauer des Ports of Los Angeles.
„Es ist ein Revier, das uns auch immer wieder einmal gefordert hat, wie man an einzelnen Rennergebnissen sehen kann, aber wir haben uns wohlgefühlt“, sagte Anna Markfort. Die Stärken ihres Teams in dieser Woche? „Wir konnten umsetzen, was wir uns vorgenommen hatten, woran wir seit Saisonbeginn mit unserem Coach und unserer Sportpsychologin arbeiten. Und wir sind gut darin, Boote zu überholen. Siehe unser gerissener Outhaul: Da sind wir vom letzten Platz an der ersten Luvtonne noch auf Platz acht vorgefahren. Ich glaube, das spricht für sich.“
Lachend berichtete Anna Markfort von den zwei Rennsiegen ihrer Crew an nur einem Tag: „Es war cool, dass sowohl Theres und Paco als auch wir jeweils zwei Bullets an einem Tag hatten. Blöd nur, dass die Briten für ihre Bullets den Tag mit drei Rennen erwischt haben.“ Da hatten Wrigley/Harris einen Tag zuvor sogar drei Rennsiege in Folge eingefahren und den Grundstein zu ihrem Erfolg gelegt.
Als Fünfte beim Olympia-Test zogen auch Theres Dahnke und Paco Melzer (Plauer Wassersportverein/Verein Seglerhaus am Wannsee/Yachtclub Berlin-Grünau) in San Pedro porsitiv Bilanz. Die Steuerfrau schwärmte: „Unser erster Eindruck vom Olympiarevier ist echt gut! Ich hätte nicht gedacht, dass es so abwechslungsreich ist, weil es vorher immer hieß, dass da jeden Tag Seebrise und 15 Knoten Wind herrschen. Tatsächlich ist es auch wellentechnisch sehr unterschiedlich mit den Kursen innerhalb und außerhalb der Hafenmauer.“
Vielgelobt wurde dazu die erlebte Windzuverlässigkeit. Dahnke sagte: “Wir konnten immer segeln, hatten keine Ausfalltage.“ Ihrer Crew kamen besonders die „Binnenkurse“ innerhalb der Hafenmauer entgegen. „Da ist es bei Flachwasser ein kleines bisschen drehiger. Da konnten wir mit unseren zwei ‚Bullets‘ gut punkten. Ein cooler Tag, der uns viel Selbstvertrauen gegeben hat“, zog Dahnke Bilanz nach dem ersten Kennenlernen des Olympia-Reviers.
Als Sechste beendeten auch Theresa Löffler und Christopher Hoerr (Deutscher Touring Yacht-Club/Segelclub Breitbrunn Chiemsee) ihren ersten Testlauf im kommenden Olympia-Revier im Hoch. Die Steuerfrau sagte: “Das Olympiarevier gefällt uns sehr gut. Es bietet super Bedingungen, meist mit Seebrise und guter Welle. Einige Rennen sind wir auch innerhalb der Hafenmauer gefahren, wo es ziemlich gedreht hat und wir sehr kurze Kurse gefahren sind. Da ging es mehr ins Medal-Race-Gefühl. Das Revier hat sich auch mit Leichtwind gezeigt, erfordert daher sehr unterschiedliche Qualitäten.“
Sportdirektorin Nadine Stegenwalner und Cheftrainer Dom Tidey hatten die Nationalsegler und ihre Trainer ins Olympiarevier von LA 2028 begleitet. Sie wollten sich vor Ort einen Überblick verschaffen und die Planungen für die Olympischen Spiele in zwei Jahren vorantreiben. Dom Tidey ist weiter vor Ort und sagte: „Diese Woche lag der Fokus auf San Pedro und den 470ern.“ Letztere reisen nun direkt von Los Angeles weiter zur WM im Ex-Olympia-Revier von Enoshima.
In Japan steigt der Jahreshöhepunkt der olympischen 470er-Segler vom 10. bis 17. August. „Da sind wir mit mehr als 70 Booten ein deutlich größeres Feld, können nach Erzählungen auch meist mit gutem Wind und hoher Welle rechnen“, warf Theresa Löffler einen Blick voraus. „Für uns“, so Löffler, „wird es das erste Mal in Enoshima sein. Wir sind gespannt und freuen uns auf den Saisonhöhepunkt.“ Anders wird es Simon Diesch und Anna Markfort ergehen: Der Steuermann war schon 2017, 2018 und 2019 im WM-Revier von Enoshima, seine Vorschoterin 2018 und 2019.
Beide haben mit Enoshima eine offene Rechnung, denn für beide klappte damals nach intensiver Olympia-Vorbereitung – damals mit noch jeweils anderen Segelpartnern – die Olympia-Qualifikation nicht. Gemeinsam schafften sie es aber zur Olympia-Regatta 2024 in der Bucht von Marseille. Den dort ungeliebten 14. Platz am Ende der Flauten- und Hitzeschlacht möchte das aktuell stärkste deutsche 470er-Duo beim angestrebten zweiten gemeinsamen Olympistart 2028 in Los Angeles mit einem deutlich besseren Ergebnis vergessen machen.
Während die 470er-Segler nach Enoshima weiterreisen, treffen in den kommenden Tagen in San Pedro nach und nach die Skiff- und Nacra-17-Segler für Teil 3 der Olympic Classes Regatta in Kalifornien ein. Sowohl Sportdirektorin Nadine Stegenwalner als auch Cheftrainer Dom Tidey waren vor Ort. Tidey ist es noch. Die Teamführung hat sich auf Kurs Olympia 2028 einen intensiven Überblick über die Gegebenheiten und Möglichkeiten verschafft.
“Es ist ein wirklich schönes Revier. Die Bilder zeigen es. Das gilt für die Boards in Long Beach wie auch die Boote in San Pedro.” Nadine Stegenwalner
Inzwischen zurück am Bundesstützpunkt Segeln des Deutschen Segler-Verbandes (DSV), sagte Nadine Stegewalner. “Die Olympic Classes Regatta hat sportlich Lust auf die Olympischen Spiele gemacht und wir konnten vor Ort schon erste wichtige Weichen stellen. Dass die 470er-Crews so erfolgreich waren, gibt viel Motivation für den Weg nach LA28.“
Dom Tidey sagte in San Pedro: „Es ist ein wirklich lohnender erster Besuch an den Austragungsorten für den olympischen Segelsport bei Olympia 2028 in Los Angeles. Es ist ein hervorragender Segelort mit überwiegend gutem Wind, aber genügend Abwechslung, um wirklich anspruchsvolle Bedingungen zu schaffen. Genau diese Mischung führt zu fairen Wettkämpfen.”
Die Gemeinschaftsleistung der deutschen 470er-Mixed-Crews nannte Tidey “ein fantastisches Ergebnis”. Dazu erklärte er: “Hier in San Pedro jetzt mit drei Booten unter den ersten sechs und einer Silbermedaille abzuschließen, ist genau die Art von Ergebnis, die zeigt, dass wir mit der Vorbereitung auf Kurs sind.”
Was die für den ersten Olympia-Test gemeldeten deutschen Skiffsegler dazu noch beitragen können, werden sie vom 1. bis 8. August zeigen. Am Start sind dann Richard Schultheis/Fabian Rieger (Norddeutscher Regatta Verein/Verein Seglerhaus am Wannsee), die WM-Vierten Jakob Meggendorfer/Andreas Spranger (Bayerischer Yacht-Club), die Europameisterinnen Marla Bergmann/Hanna Wille (Mühlenberger Segel-Club) und Sophie Steinlein/Catherine Bartelheimer (Norddeutscher Regatta Verein/Bayerischer Yacht-Club/Segelclub Inning am Ammersee).

Freie Reporterin Sport
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