OlympiaOlympiasiegerin sucht Gold-Vorschoterin – die “Odile-Mission”

Tatjana Pokorny

 · 18.04.2026

Als strahlende und durchsetzungsstarke Steuerfrau fiel Odile van Aanholt 2024 beim Women's America's Cup auf.
Foto: Ian Roman/America's Cup
Sie hat im Women’s America’s Cup geglänzt, ist Weltmeisterin und segelte bei Olympia 2024 auf den goldenen Gipfel. Dann heiratete sie einen Skiffweltmeister und wurde Mutter. Jetzt läuft in der niederländischen Segelnationalmannschaft das “Odile-Projekt”: Gesucht wird eine Vorschoterin für die nächste Medaillenmission von Hollands strahlendem weiblichen Champion.

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Bei den Olympischen Spielen 2024 waren die Niederlande mit zwei Gold- und zwei Bronzemedaillen die erfolgreichste Nation im Segelsport. Intensiv dazu beigetragen haben neben Ausnahmeseglerin Marit Bouwmeester (mit 2 x Gold, Silber und Bronze die erfolgreichste Seglerin der Olympiageschichte) im Frauen-Skiff 49erFX die Olympiasiegerinnen Odile van Aanholt und Annette Duetz. Im hochspannenden Showdown konnten sie ihre starken schwedischen und französischen Konkurrentinnen niederringen.

Vom Olympia-Gold zum Women’s America’s Cup

Im Herbst 2024 fiel Odile van Aanholt dann gleich noch einmal stark auf: Als einziges Team neben dem deutschen Frauen-Team bei der Premiere des Women’s America’s Cup ohne reale Erfahrung auf den rasanten AC40-Foilern angetreten, schafften es die Niederländerinnen mit bemerkenswerten Leistungen ins Finale der Top-Sechs. Das Jajo Team DutchSail hatte es in der Vorrunde nach kurzer Anlaufphase sogar mit Rennsiegen krachen lassen. Eine der beiden AC40-Steuerfrauen: die dynamische und entschlossene Odile van Aanholt.

Die Holländerinnen hatten den deutschen Frauen beim Frauen-Cup in Barcelona einiges F69-Training voraus. Und sie hatten Odile van Aanholt, die neben der schnellen Übertragung ihrer seglerischen Fähigkeiten vom 49erFX auf den AC40er auch für ein effektives Motivationsfeuerwerk im Team sorgte. “Wir haben uns jedes Mal gegenseitig bejubelt und beklatscht, wenn die beiden auf der anderen Seite des Bootes etwas gutgemacht haben.”

Inzwischen heißt Odile mit Nachnamen Lambriex van Aanholt, ist seit 2025 verheiratet mit Bart Lambriex van Anholt. Die beiden kennen sich seit dem Grundschulalter. Am Ende der Schulzeit war daraus Liebe geworden. Auch er ist Doppelweltmeister im Skiff 49er. Im vergangenen Juli kam ihre Tochter Kato zur Welt. An der Passion der Eltern für den Olympia-Leistungssport hat die gewachsene Familie aber nichts geändert.

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Segeln ist unser Leben.” Odile Lambriex van Aanholt

“Wir reisen als Familie mit Oma als Babysitterin, so dass wir tagsüber segeln können”, erzählt Bart Lambriex van Aanholt. Odile sagt zur Frage, was sie nach dem Olympiasieg weiter motiviert, nur ein Wort: “Freude!” Sie erklärt, sie liebe das Segeln: “Es ist mein Lieblingsjob. Ich will nicht aufhören.”

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Von Curaçao via Holland auf den Olympia-Gipfel

Odile Lambriex van Aanholt wurde 1998 auf der niederländischen Karibikinsel Curaçao geboren, wohin ihre segelbegeisterten Eltern ausgewandert waren. Ihr Vater Cor van Aanholt hat im Laser an den Olympischen 2000 in Sydney teilgenommen, war dort Flaggenträger für die Niederländischen Antillen. Die ältere Schwester Philipine blickt auf zwei Olympiastarts 2012 und 2016 im 470er zurück. Bruder Just van Aanholt repräsentierte Aruba bei der olympischen Segelregatta in Marseille.

Odile Lambriex van Aanholt wuchs in einer Familie von Wassersportliebhabern mit starker Verbindung zum Meer auf. Als sie zwölf Jahre alt war, kam die Familie zurück in die Niederlande. 2011 gewann sie bei der Opti-Weltmeisterschaft Gold in der U12-Kategorie, wurde Neunte unter 231 Seglern aus 57 Ländern und holte Bronze bei den Mädchen. Seitdem ging es für sie meistens nur in eine Richtung: aufwärts.

15 Jahre später ist Odile Lambriex van Aanholt als dreimalige Weltmeisterin und Olympiasiegerin eine der erfolgreichsten Seglerinnen in Hollands Nationalmannschaft TeamAllianz. Und sie hat Riesenhunger aufs Weitermachen. Weil Gold-Vorschoterin Annette Duetz aber ihre Karriere nach dem Triumph von Marseille beendet hat, sucht Odile auf Kurs LA28 eine neue Vorschoterin.

Zu wenig Nachwuchs: niederländische Offensive für ein neues Olympia-Spitzenteam

Für die Mission der Bildung eines neuen Spitzensportteams in der olympischen Skiff-Klasse hat Hollands Wassersportverband deshalb im vergangenen Jahr eine ungewöhnliche Großoffensive gestartet: “Wir suchen Spitzensportlerinnen mit Größe, Kraft, Ausdauer und Charakter. Athletinnen, die es wagen, von olympischem Gold in Los Angeles 2028 und Brisbane 2032 zu träumen.”

Auch den Hintergrund der Suche sprach der Verband offen aus: “Unsere derzeitige Sportlergeneration schlägt sich hervorragend. Sie hat eine realistische Chance auf die Qualifikation für Los Angeles 2028. Allerdings gibt es zu wenig Nachwuchs, um die absolute Weltspitze weiterhin zu dominieren.” Weshalb die sehr aktive Suche nach einer Vorschoterin für “die beste Steuerfrau der Welt, Odile van Aanholt” anlief.

Im niederländischen Verband verantwortet Kaj Böcker das außergewöhnliche Programm, wird dabei von Cheftrainer Aaron McIntosh und weiteren Leistungsmanagern unterstützt. Die Rolle, für die der Verband frische Kräfte sucht, wurde so beschrieben: “Das Skiff ist eine einzigartige Klasse, in der alles zusammenkommt: Kraft, Technik, Mut und Teamchemie. Wir haben das Wissen, die Boote und das Programm. Jetzt suchen wir nur noch die richtigen Frauen, die den Sprung wagen.”

Das ist keine Nebenrolle. Das ist eine einmalige Chance.” Kaj Böcker

Gesucht wurden “keine Seglerinnen, sondern große, starke Spitzensportlerinnen”. Mehr als 70 Frauen reagierten auf den Aufruf. Ein intensives dreimonatiges Auswahlverfahren folgte. Zwei hatten fast alle Hürden genommen. Darunter war mit Karlinde van Arendonk eine Feldhockeyspielerin als Quereinsteigerin über das Verbandsprojekt gekommen. Sie ist noch im Spiel. Dazu hat sich aus der eigenen Segelnachwuchsförderung Marissa Ijben empfohlen.

Spitzensegler können auch Quereinsteiger sein

Die Botschaft der Niederländer: “Der innovative Prozess zeigt, dass Spitzensporttalente nicht unbedingt aus dem Segelsport kommen müssen.” Sie können auch Quereinsteiger sein. Mit zwei verschiedenen Vorschoterinnen trat Odile Lambrieux van Aanholt dann Anfang dieses Jahres zu ihrer ersten Regatta nach Olympia, Women’s America’s Cup und der Geburt der Tochter in Vilamoura an: mit Nachwuchsseglerin Marissa Ijben und einer weiteren Quereinsteigerin. Doch Arianne van de Loosdrecht ist inzwischen nicht mehr Teil des Programms.

Bei der folgenden Trofeo Princesa Sofía Mallorca startete die vergoldete Steuerfrau mit der ehemaligen Ilca-6-Seglerin Marissa Ijben. Das Duo schloss mit Platz sieben vielversprechend ab. Für die weiter starke Quereinsteigerin Karlinde van Arendonk aus dem Talentprojekt reaktivierte der holländische Wassersportverband die zurückgetretene norwegische Weltklassesteuerfrau und Olympia-Vierte Helene Næss. “Bei einem Sailing Grand Slam Event sind keine Wechsel erlaubt”, erklärte Odile Lambriex van Aanholt die notwendige Aufteilung der beiden Kandidatinnen. Eine finale Entscheidung habe ihr Einsatz mit Marissa Ijben noch nicht markiert.

Schwere Entscheidung auf Kurs Olympia

Gleichzeitig sagte Odile Lambriex van Aanholt in der Endphase der Suche nach ihrer neuen Vorschoterin: “Vor der Entscheidung habe ich ein bisschen Respekt. Man arbeitet intensiv zusammen, muss aber schließlich entscheiden.” Die finale Weichenstellung soll noch in diesem Jahr erfolgen. Es ist, wie die Veranstalter des ersten Sailing Grand Slams des Jahres, der Trofeo Princesa Sofía, schrieben: “Die Segelwelt beobachtet das ganz genau. Auch andere Nationen prüfen bereits die Ausweitung ihrer Talentsuchen. Wird das eine medaillenreife Initiative sein?”

Offene Worte, klare Kante: Im ausführlichen interview gab Odile Lambriex van Aanholt bereits vor einem Jahr spannende Einblicke in ihre dynamische Segelwelt:

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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