Mini AtlantiqueRücketappe gestartet, Kursänderung wegen Orca-Risiko

Tatjana Pokorny

 · 05.08.2026

Den Start in Halbzeit zwei des Mini Atlantique fotografierte bildstark Vincent Olivaud.
Foto: Vincent Olivaud/Mini Atlantique 2026
Vor Horta hat heute die Rücketappe im Mini Atlantique begonnen. Tom Wehde und Carla Hénon-Steck sind dabei: Er segelt im Feld der 49 Serienboote als starker Neunter der ersten Etappe. Sie ist nach später Ankunft von Etappe eins und weniger als 36 Stunden Vorbereitung unter den sieben Protos aus Kurs Start- und Zielhafen Les Sables-d’Olonne.

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Die Minis sind schon wieder los! Nach der für die einen längeren, für andere kürzeren Halbzeitpause des Mini Atlantique im Etappenhafen Horta auf den Azoren, hat die Wettfahrtleitung die sieben Protos und 49 Serienboote am Mittag des 5. August auf den Rückweg in den Start- und Zielhafen Les Sables-d’Olonne geschickt.

Aus Vorsicht vor Orcas: Kursänderung im Mini Atlantique

Für Halbzeit zwei wurde zuvor der Kurs von der Wettfahrtleitung noch einmal angepasst, um die Flotte weiter von der iberischen Küste entfernt zu halten. So soll das Risiko von Orca-Begegnungen minimiert werden. Nach der Änderung verläuft der Kurs dadurch zunächst deutlich weiter nördlich, ohne dass sich dadurch die Streckenlänge von rund 1300 Seemeilen stark verändert hat. Auf der Hinetappe war Guillaume Wehrlen mit seiner Verdier-Pogo “Pogolab 1” von Orcas gerammt worden.

Direkt davongebrettert ist der Proto-Sieger der ersten Etappe: Julien Letissier führte das Feld nach den ersten Stunden schon mit fast vier Seemeilen Vorsprung vor Landsmann Thomas Jouans (”Minimoana – Demain sera non fumeur”) und dem Japaner Koki Sawada auf “DMG Mori Sailing Academy 2” an.

Carla Hénon-Steck, die gerade erst in der Nacht zum 4. August im Etappenhafen angekommen war, hat ihr Boot mit vielen helfenden Händen rechtzeitig an die Startlinie bringen können. Nach dem 12-Uhr-Start am Mittwoch lag die erst 18 Jahre alte Deutsch-Französin am Nachmittag gut elf Seemeilen hinter dem Spitzenreiter zurück. Die Flotte hatte Teil zwei des Mini Atlantique vor postkartenreifer Azorenkulisse und dem wolkenumhüllten Gipfel des Monte Pico prächtig unter Spinnaker eröffnet.

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Mini Atlantique: ein Frühstart und Gewitter voraus

Einen harten Rückschlag hatte die Niederländerin Nienke Mullink auf “Dutchsail” gleich zum Auftakt hinzunehmen. Der besten Frau der ersten Etappe (4. der Halbzeitwertung bei den Serienbooten) ist ein ärgerlicher Frühstart unterlaufen. Die Strafe dafür liegt im Mini Atlantique bei sechs Stunden. Für die zweite Halbzeit über noch einmal rund 1300 Seemeilen rechnen die Solisten mit etwa einer Woche. Erwartet werden teilweise sehr raue Bedingungen.

Im Atlantik werden es die Miniisten in den ersten 24 bis 36 Stunden mit einigen heftigen Gewittern zu tun bekommen. Ihr vorrangiges Ziel wird es sein, den Durchzug des Tiefs ohne Materialschäden zu überstehen. Der schnellen und turbulenten Startphase dürfte eine eher komplizierte Schlussphase folgen. Julien Letissier sagte vor dem Start: “Bei der Annäherung an den Golf von Biskaya werden wir uns wohl ein wenig die Haare raufen: Die Flotte wird sich wahrscheinlich wieder zusammenfinden. Es könnte in fünf oder sechs Tagen einen Neustart geben.“

So sah es auch Tom Wehde voraus, der jedoch mit einer möglicherweise längeren Rücketappe des Mini Atlantique rechnet: “Am Anfang geht es erst einmal durch ein Tiefdruckgebiet. Danach wird die Vorhersage schnell sehr unklar. Je nach Wettermodell reden wir aktuell über alles zwischen sechs und elf Tagen auf See. Das Routing wird dadurch extrem anspruchsvoll, und es könnte deutlich mehr Amwindsegeln geben als auf der ersten Etappe. Unsere wenigen Wetterinformationen werden deshalb umso wichtiger.”

“Osterrath”-Skipper Tom Wehde: erst Hafenkunst, dann Angriffslust

Platz neun auf der Hinetappe hat Tom Wehde, der sich im Winter 2024 bei einem Talentwettbewerb durchgesetzt und das Mini-Projekt im Team Next Generation Sailing übernommen hatte, für den Rückweg einiges Selbstbewusstsein geschenkt. Illusionen machte sich der “Osterrath”-Solist deshalb nicht: “Es wird wieder ein komplett anderes Erlebnis als auf dem Hinweg. Jetzt geht es erstmal nach Norden, nicht nach Süden. Andere Bedingungen, neue Entscheidungen, ich freue mich drauf.”

Zuvor war auch Tom Wehde einer Tradition in Horta gefolgt. Dort verewigen sich Atlantiksegler seit vielen Jahrzehnten regelmäßig mit selbstgestalteten Bildern auf der Hafenmauer. Gemeinsam mit der Mini-Atlantique-Flotte hat Wehde dabei auch seinen Gruß hinterlassen.

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Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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