Mini AtlantiqueTom Wehde kämpft sich zur Halbzeit in die Top Ten

Tatjana Pokorny

 · 30.07.2026

Glücklich mit seinem Top-Ten-Ergebnis im Ziel: Tom Wehde vom Team Next Generation Sailing.
Foto: Vincent Olivaud/Mini Atlantique 2026
Noch am Vortag sah es so aus, als hätte der junge Mini-Steuermann vom Team Next Generation Sailing in der flauen Zitterannäherung an den Etappenhafen Horta zu viele Federn gelassen. Doch dann kämpfte sich “Osterrath”-Solist Tom Wehde bei seinem ersten Mini Atlantique im beharrlichen Endspurt doch noch in die Top Ten. Auch für die Schnellsten lief nicht alles glatt, aber mit Happy End.

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Nur ein Halbzeitsieger hatte schon am 29. Juli das Ziel im Mini Atlantique erreicht: Proto-Favorit Julien Letissier hatte “Branchet” am Mittwoch als Erster über die Linie gebracht. Die erste Hälfte des Mini-Zweiteilers von Les Sables-d’Olonne nach Horta auf den Azoren hatte Letissier in 7 Tagen, 11 Minuten und 14 Sekunden gemeistert. Im Ziel jubelte er und sagte: “Ich bin total glücklich und kann kaum fassen, dass ich Erster geworden bin.”

Mini Atlantique: Sawada schafft es mit Verletzung als Zweiter ins Halbzeitziel

Gut elf Stunden später war ihm an diesem 30. Julli der bravourös kämpfende Koki Sawaka auf “DMG Mori Sailing Academy 2” gefolgt. Sawada hatte zusätzlich zu den Rennaufgaben und der flauen Zitterpartie zum Etappenende eine schmerzhafte Herausforderung zu bestehen, weil er sich schon in der Anlanfangspahse des Rennens am linken Daumen verletzt hatte.

Im Alter von 27 Jahren ist Koki Sawada nun der erste Japaner, der das bis 2025 unter dem Titel Les Sables-Les Açores-Les Sables veranstaltete Mini-Rennen ins Halbzeitziel gebracht hat. Er freute sich über seine Erstleistung, sagte: “Die früheren japanischen Skipper von DMG Mori hatten dieses Rennen nie beendet. Daher ist es unglaublich, als erster japanischer Segler der Academy hier die Ziellinie zu passieren.”

Mit seinem Erfolg hat sich der junge Japaner aus Zushi in der Nähe des zweimaligen Olympiahafens von Enoshima gleichzeitig gute Chancen auf einen Podiumsplatz erarbeitet. Und eine schöne Botschaft hatte Koki Sawada für alle Neueinsteiger auch noch:

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Früher kamen mir 80 oder 100 Seemeilen enorm vor. Aber jetzt, wo ich diese Distanz zurückgelegt habe, ist das eine ganz andere Größenordnung. Es war ein harter Kampf, aber ein großartiges Rennen.” Koki Sawada

Der DMG Mori-Solist sagte nach dem Zieldurchgang: “Ich bin überglücklich. Es hat länger gedauert, as ich gedacht hatte. Und ich hätte nie gedacht, dass ich Zweiter werde! Wie Ihr wisst, habe ich mir den Daumen verletzt. Das war sowohl Pech als auch meine eigene Schuld: Zunächst hatte sich mein Ruder aus der Halterung gelöst und nach oben gebogen. Ich habe versucht, das Problem zu lösen, war aber gerade unter Spinnaker unterwegs. Als ich den Spi einholen wollte, rutschte mir die Schot aus der Hand. Dabei habe ich mich verletzt. Ich habe immer noch kein Gefühl in meinem Daumen.”

Mini Atlantique: mit Angriffslust zum Erfolg

So verletzt, hatte es Sawada im weiteren Verlauf den Rennens schwer, seine Manöver optimal zu fahren. “Anfangs habe ich den Spinnaker gar nicht gesetzt. Ich wollte einfach nur sicher segeln”, berichtete er in Horta. Dann aber habe er seine Meinung geändert, wie Sawada erzählte: “Ich wollte weiter angreifen. Zweiter zu werden, das ist wirklich etwas ganz Besonderes.”

Ich bin überglücklich und so stolz!” Koki Sawada

Nach den schnellsten beiden Proto-Solisten kam schon der Erste der Serienbootwertung ins Ziel. Auch hier setzte sich mit Ronan Jézégou aus Brest einer der Favoriten mit seinem Raison Maxi 650 “Irish Express” von 2024 durch. Mit rund eineinhalb Stunden Vorsprung von Joseph Cloarec auf “Mini Fifty Fifty”, ebenfalls einem Raison Maxi 650, aber vier Jahre älter, und gut zwei Stunden Vorsprung vor dem dritten Serienboot-Solisten Thomas Darmont auf dem dritten Raison Maxi 650 “Demosthene”, hat sich Jezegou ein gutes Polster für die zweite Halbzeit geschaffen.

Auf den Rückweg von Horta nach Les Sables-d’Olonne werden sich voraussichtlich 56 Solisten vorbereiten. Sowohl vier Proto- als auch vier Serienbootakteure haben bislang aufgeben müssen.

Tom Wehde dagegen hat sich durchgebissen. Am sehr frühen Morgen des 30. Juli noch bis auf Platz 17 zurückgefallen, kämpfte er sich auf seinem Bertrand Vector 650 “Osterrath” von 2024 noch bis auf Platz neun vor. Damit hat er binnen eines halben Tages acht Plätze gutmachen können.

Tom Wehde macht in 13 Stunden acht Plätze gut

Während die Deutsch-Französin Carla Hénon-Steck bei den Protos als Siebte am Donnerstagabend noch rund 340 Seemeilen bis ins Ziel vor sich hatte, konnte sich Tom Wehde für seine energische Endspurtleistung nach 8 Tagen, 2 Stunden, 22 Minuten und 4 Sekunden am Abend schon in Horta feiern lassen.

Im Winter 2024 via Wettbewerb als Nachwuchstalent und künftiger Mini-Segler ins Team Next Generation gekommen, markiert sein neuter Platz in der Serienbootwertung von 53 gestarteten Booten zur Halbzeit im Mini Atlantique die bislang stärkste Leistung von Tom Wehde. Sein erster Kommentar: “Die letzten Tage waren schwierig, aber es ist super, jetzt hier zu sein. Ich war noch nie auf den Azoren. Das ist etwas ganz Besonderes.”

Zum Verlauf der ersten von zwei Etappen im Mini Atlantique sagte Wehde: “Die ersten Tage waren sehr windig. Das war schön und ging ziemlich schnell. Aber das Ende verlief langsamer. Es war ein gutes Gefühl, allein an Bord meines Bootes zu sein.” In den finalen Tagen der ersten Rennhälfte hatten sowohl Proto- als auch Serienbootsegler stark mit flauen Winden zu kämpfen.

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Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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