Drei offizielle Aufgaben hat das Mini Atlantique seit seinem Start am 22. Juli hinnehmen müssen. Auch Co-Favoritin Caroline Boule (hier mit Benoït Marie im Mini Fastnet) ist mit ihrem innovativen Manuard-Superfoiler “Nicomatic – Petit Bateau” nach technischen Problemen aus dem Rennen. Die 28-Jährige aus Ploemeur in der Bretagne, die ihr Projekt mit Benoït Marie teilt, musste am 26. Juli vier Tage nach dem Start aufgeben.
Damit waren zuletzt noch zehn Protos aktiv im Rennen, darunter auch Carla Hénon-Steck mit ihrem Manuard-Proto “Bahia Express” von 2005. Die junge Deutsch-Französin war gut in die erste Rennhalbzeit von Les Sables-d’Olonne nach Orta gestartet, bevor sie zwischenzeitlich auf den letzten Platz zurückfiel. Inzwischen hat sie sich bei rund 350 Seemeilen Rückstand auf Top-Favorit Julien Letissier auf dem Raison-Proto “Branchet” von 2023 wieder auf Platz sieben zurückgekämpft.
In extrem leichten Winden hate der Proto-Schnellste am Dienstagmorgen noch rund 190 Seemeilen bis ins Etappenziel Horta auf den Azoren vor sich. Hinter ihm kämpfte mit nur 19 Seemeilen Rückstand Koki Sawada auf der “DMG Mori Sailing Academy 2” um Anschluss an den Spitzenreiter. Der Japaner segelt einen Raison-Proto von 2022.
Bei den Serienbooten haben bislang mit Anne-Justine Dion (”Kalisto”) und Rémy Balze (”Gsea Design - Hep Diskrog”) zwei Solisten aufgegeben. Die Flotte der verbliebenen 51 Boote hat sich bis auf fast 1000 Seemeilen weit auseinandergezogen. Vorne macht Ronan Jezegou auf dem Raison Maxi 650 “Irish Express” von 2024 das Tempo, soweit es in den flauen Winden bei kaum einer Handvoll Knoten bei der Annäherung an Horta möglich ist.
Im Feld der Serienboote hält sich Tom Wehde vom Team Next Generation Sailing als Vierzehnter weiter gut im ersten Flottendrittel des großen Rennens für die kleinen Boote. Der “Osterrath”-Skipper hatte am 28. Juli noch rund 270 Seemeilen bis nach Horta vor sich. Analysen zum Rennverlauf von ihm selbst kann es erst im Etappenziel geben, denn den Miniisten ist die Kommunikation nach außen während ihrer Rennen nicht gestattet.
Von außen verfolgten die Co-Partner vom Team Next Generation Sailing den Einsatz ihres Mini-Solisten Tom Wehde. Lennart Burke sagte: “Tom hält sich schon sehr gut. Was mich sehr stolz macht, ist, dass er an der Führungsgruppe dran bleibt und kämpft. Er gibt nicht auf, die Segel zu wechseln, zu trimmen und sicher auch viel zu steuern.”
Mit Blick aufs Feld sieht Burke eine spannende Situation: “Das Feld hat sich etwas verteilt von Nord nach Süd. Wenn der richtige Südwind in etwa 18 bis 24 Stunden mit 15, 20 Knoten kommt und die anfangen, ins Ziel zu reachen, dann wird es nochmal richtig spannend.”
Noch nicht offiziell aufgegeben, aber Schutz im Hafen von La Coruña gesucht hat Guillaume Wehrlen mit seiner Verdier-Pogo “Pogalap 1” von 2016. Der Franzose hatte zunächst in der Nacht vom 23. auf den 24. Juli einen Schaden an seinen Ruderblättern erlitten, wollte deswegen La Coruña anlaufen. Sein Unglück steigerte sich noch, als er rund zehn Seemeilen vor der Hafeneinfahrt eine Gruppe von Orcas begegnete. Sein bericht klang beängstigend.
Wehrlens Schilderngen zufolge hatten die Orcas nicht – wie sonst oft der Fall – die Ruder seines Minis im Visier, sondern rammten direkt die Rumpfseite des Bootes. Wehrlen löste Alarm aus und erhielt dank der Hafennähe zügig Unterstützung durch zwei Schnellboote. Eines konnte die Orcas verjagen, das andere schleppte den Wehrlen-Mini in den Hafen.
Sechs Tage sind die Miniisten inzwischen unterwegs in dem Rennen, das bislang als Les Sables-Les Açores-Les Sables bekannt war und erst seit diesem Jahr unter seinem neuen Namen Mini Atlantique ausgetragen wird. Die Etappenschnellsten dürften sich Horta ab Mittwoch wieder zügiger nähern.

Freie Reporterin Sport
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