Mini AtlantiqueGeneralprobe fürs Mini-Transat – zwei GER-Boote dabei

Tatjana Pokorny

 · 22.07.2026

Der Startschuss zum Mini Atlantique fiel am 22. Juli vor Les Sables-d'Olonne.
Foto: Vincent Olivaud/Mini Atlantique 2026
Vor Les Sables-d’Olonne ist der Startschuss zum Mini Atlantique gefallen. Das Rennen führt in zwei Etappen zu den Azoren und zurück in den Start- und Zielhafen. Mit Carla Hénon-Steck und Tom Wehde sind auch zwei deutsche Skipper dabei. Beide peilen das Mini-Transat 2027 an, nutzten das jetzt angelaufene Azorenrennen als anspruchsvolle Generalprobe.

Themen in diesem Artikel

Die Top-Favoriten im Mini Atlantique sind wie gewohnt Franzosen. Da ist bei den Protos beispielsweise Caroline Boule, die den Superfoiler “Nicomatic – Petit Bateau” gerne aufs Podest steuern würde. Oder auch “Branchet”-Skipper Julien Letissier, der mit seinem Raison-Entwurf von 2023 schon das Mini en Mai gewonnen hatte. Elf Herausforderer sind es bei den Protos insgesamt – ein kleines, aber feines Feld, in dem auch die erst 18 Jahre alte Carla Hénon-Steck im Einsatz ist.

Carla Hénon-Steck im Mini Atlantique: “Noch nie so eine weite Strecke gesegelt”

​Vor dem Start sagte die junge Offshore-Seglerin: “Es ist mein erstes wirklich großes Rennen, denn es geht zu den Azoren! 2600 Seemeilen mit meinem kleinen Boot von Les Sables d'Olonne nach Horta und wieder zurück. Alleine war ich noch nie so weit weg von der Küste oder habe so eine weite Strecke auf meinem Boot zurückgelegt. Ich bin sehr gespannt wie es wird und freue mich riesig, dass ich es in nur 3,5 Monaten geschafft habe, mich für dieses Rennen zu qualifizieren.”

Carlas Blick auf die eigene Vorbereitung auf den Mini-Gipfel in diesem Jahr: “Die letzten Wochen habe ich damit verbracht das Boot vorzubereiten. Ich habe den seitens der Klasse obligatorischen Stabilitätstest gemacht, mich um meine Batterien, die VHF-Antenne und meinen Autopiloten gekümmert, ganz viele Sicherheitschecks gemacht, die Segel nochmal repariert und natürlich den Proviant vorbereitet! Die Stimmung in Les Sables-d’Olonne war sehr gut.”

Mit “Bahia Express” segelte die Solistin einen Manuard-Proto von 2005 mit der Bugnummer 551. Das Boot ist älter als sie selbst. Die Tochter eines französischen Vaters und einer deutschen Mutter ist in Süddeutschland großgeworden, hat aber alle Sommerferien im Familienhaus in der Bretagne verbracht und dort auch die Faszination des Offshore-Segelns für sich entdeckt. Wie auch für Serienboot-Skipper Tom Wehde vom Team Next Generations Sailing, markiert das Mini Atlantique für Carla Hénon-Steck das bislang wichtigste Rennen in der gerade erst begonnenen Karriere.

Meistgelesen

1

2

3

4

5

Tom Wehde segelt in der Tradition von Next Generation Sailing

Tom Wehde treibt im Mini Atlantique die “Osterrath” an. Der Kieler hatte sich im Winter 2024 bei einem Talentwettbewerb durchgesetzt und treibt nun seine Kampagne in Richtung Mini-Tramsat 2027 mit dem Bertrand Vector 650 von 2024 voran. “Diese Regatta ist die ultimative Generalprobe fürs Mini Transat. Genau für diese Herausforderung habe ich die ganze Saison gearbeitet.”

Der “Osterrath”-Mini war in der Woche in Lorients La Base ins Wasser gegangen, in der Boris Herrmanns neue Imoca-Rakete “Malizia 4” vom Stapel lief. Dort bereitete Tom Wehde sie auf den Saisongipfel vor, bevor er das Boot nach Les Sables-d’Olonne brachte. “Ich habe alles gecheckt, wirklich am Boot noch einmal alles doppelt und dreifach geprüft, alle möglichen Szenarien durchgespielt. Ich bin bereit”, sagte Wehde am Starttag des Mini Atlantique.

Bekannt wurde das Rennen unter seinem früheren Namen Les Sables-Les Açores-Les Sables. Erst seit diesem Jahr heißt es Mini Atlantique. Es führt auch weiterhin aus der Wiege der Vendée Globe zu den Azoren und wieder zurück. Rund 1300 Seemeilen sind in jede Richtung zu meistern. Neben den elf Proto-Herausforderern sind 53 Serienboot-Angreifer im Einsatz.

Mini Atlantique: gute Winde bis fast ins Ziel…

Während sich bei den Protos Carla Hénon-Steck in den ersten Stunden nach dem Start auf Platz sechs vorarbeiten konnte, war auch Tom Wehde am 22. Juli als Vierzehnter in seiner fast fünfmal so großen Flotte der Serienboote gut ins Rennen gekommen. Hier lag der einzige österreichische Teilnehmer Valentin Breitfuss am Mittwochnachmittag mit “Naila” auf Platz 29. Angeführt wurden das Klassement der Serienboote zunächst von Joseph Cloarec, einem der Mitfavoriten. Hier geht es zum Tracking.

Das Wetter haben die Miniisten zumindest in der Auftaktphase auf ihrer Seite. Stabile Winde sollten die Flotte über weite Strecken begleiten. Tom Wehde rechnete vor dem Start auch mit druckvollen Passagen, sagte: “Winde zwischen 15 und 30 Knoten – sieht nach Spaß aus.” Unbeständigere WIndverhältnisse werden jedoch für die Azoren-Annäherung erwartet. Da könnte es in der Schlussphase knifflig und entsprechend spannend zugehen.

Melwin Fink, der wie sein Teamgefährte Lennart Burke 2021 selbst am Mini-Transat teilgenommen hatte, damals auf Platz drei gestürmt war und inzwischen in der Class40 zuhause ist, sagte zur Herausforderung für Tom Wehde aus dem eigenen Rennstall: “Das Rennen ist ein echter Härtetest für Tom. Wir sind sehr gespannt, was diese Herausforderung bringen wird. Wir werden natürlich am Tracker hängen und mitfiebern.”

REPLAY! Der Start ins Mini Atlantique in der Wiederholung:

Artikel teilen:
Kommentare

Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

Meistgelesen in der Rubrik Regatta