Tatjana Pokorny
· 04.08.2026
Ihr großes Ziel ist das Mini-Transat 2027. Auf dem Weg dahin hat Carla Hénon-Steck jetzt ihre erste harte Bewährungsprobe erlebt. In der Protowertung des Mini Atlantiques hat die in Kiel lebende 18-Jährige die erste der beiden Etappen des Rennens von Les Sables-d’Olonne nach Horta und zurück gemeistert. Als Siebte kam die junge Steuerfrau ins Ziel. Dabei hatte sie allerdings das Zeitlimit um einen Tag verpasst, das bereits am 2. August um 22.05 Uhr abgelaufen war.
Mehr als zwölf Tage hat Carla Hénon-Steck im Mini Atlantique gekämpft. Gut drei Tage nach dem sechstplatzierten Riccardo Gnocchi und vier Tage nach Sieger Julien Letisiier (”Branchet”) kam sie als Siebte und Flottenletzte ins Ziel. Trotz verpasstem Zeitlimit hat sie sich im Gegensatz zu den insgesamt acht Aufgaben von vier Proto- und vier Serienboot-Akteuren durchgebissen. Hier geht es zum Tracker und den Zielzeiten. Für die deutsche Miniistin ist als Zielzeit das Zeitlimit angegeben. Tatsächlich passierte sie die Linie erst eine Nacht später.
Das Rennen hat der in Kiel lebenden Deutsch-Französin ganze Salven an Herausforderungen entgegengeschleudert. Ihr Einsatz war von technischen Problemen und dem Umgang damit geprägt. Bereits am dem zweiten Tag hatte sie mit dem Ausfall vom Antennensystem und dem Autopiloten zu ringen. “Seit dem zweiten Tag spielte mein Windsensor verrückt und lieferte mir völlig seltsame Daten. Außerdem fiel mein Autopilot ständig aus, ich hatte überhaupt kein Vertrauen in ihn”, berichtete die Mini-Neueinsteigerin am Ende von Teil eins ihrer atlantischen Prüfung.
In dieser Situation verzichtete sie auf ihrem Manuard-Proto, der mit Baujahr 2005 älter ist als sie selbst, auf den Einsatz ihres Spinnakers. “Das habe ich mir dann nicht zugetraut”, erzählte sie nach dem Rennen. Dass sie als mit Abstand Letzte des gesamten Proto- und Serienbootfeldes in Horta gekommen ist, hat die zweisprachig aufgewachsene junge Frau aber nicht von ihrem Kurs abgebracht.
Als jüngste Starterin der gesamten Mini-Atlantique-Flotte hat sie nach den Ausfällen der Co-Favoritin Caroline Boule (”Nicomatic – Petit Bateau”) und Hélène Sohier (”Rura Asso”) als einzige Steuerfrau in der Protodivision die Ziellinie erreicht, wenn auch außerhalb des Limits.
Es ist gut, angekommen zu sein. Ich hatte es wirklich satt!” Carla Hénon-Steck
Die zweigeteilte Reaktion auf ihren Zieldurchgang erklärte Carla Hénon-Steck umgehend: “Die letzten Stunden liefen etwas besser, aber gestern habe ich alles vermasselt. Ich bin erschöpft, aber so froh, am Steg zu sein.” Die Quittung dafür fiel hart aus. Die junge Seglerin verlor bei ihrem ersten atlantischen XL-Einsatz nach gutem Auftakt den Anschluss ans Feld.
Sie selbst erzählt: “Ich habe den Kontakt zur Flotte komplett verloren.” Des Öfteren sei ihr der Gedanke ans Aufgeben in den Sinn gekommen, erzählte die Ozeanstürmerin ungeschönt. “Ich wusste schnell, dass ich weit zurücklag. Aber ich wollte weitermachen. Ich sah, wie andere Protos aufhörten, und sagte mit, dass ich als einzige Frau in der Proto-Wertung noch im Rennen war. Das hat mich wirklich zum Durchhalten motiviert.”
Und auch dieser Gedanke hat Carla Hénon-Steck angetrieben: “Hätte ich in Spanien aufgegeben, hätte ich mich sicher enorm über mich selbst geärgert, denn es waren keine unüberwindbaren Pannen. Ich komme lieber weit hinten ins Ziel, als aufzugeben!” Sie wäre auch nicht die unerschütterliche und zähe Mini-Seglerin, die sie ist, hätte sie nicht schon beim Ankommen in Horta auf den Azoren den Blick auf die Rücketappe gerichtet.
Dazu hatte Carla Hénon-Steck auch allen Anlass, denn nach ihrer späten Ankunft blieben ihr weniger als 36 Stunden bis zum Start der Rücketappe. Da war es gut, dass ihr eine Welle der Hilfsbereitschaft aus der Mini-Familie entgegenschlug. “Mehre Solisten haben Hilfe angeboten und mir gesagt, ich solle mich erstmal ausschlafen. Einige haben mich schon zwölf Seemeilen vor dem Ziel angefunkt, ob ich etwas brauche, um das sie sich schon kümmern können. Die sind ja alle schon seit Tagen da, haben ihre Boote größtenteils fertig. Viele waren in der Nacht auch da, haben mich empfangen”, erzählte Carla Hénon-Steck begeistert.
Ihre Vorhaben bis zum nächsten Startschuss am 5. August um 14 Uhr vor Horta zweite Halbzeit im Mini Atlantique: “Jetzt ist das Ziel, mich auszuruhen, mich dann ums Boot zu kümmern und eine viel bessere zweite Etappe hinzulegen!“ Mit ihrem betagten Proto war die Skipperin zufrieden: “Das Boot hat es drauf. Ich habe es noch nicht so drauf, es gibt viel zu lernen. Ich freue mich auch schon aufs Wintertraining, um mich weiter zu verbessern.”
In gutes Gefühl nimmt sie aus dem ersten langen Atlantik-Rennen ihrer jungen Karriere auf jeden Fall mit: “Ich habe den Atlantik 2022/2023 mit der ‘Thor Heyerdahl’ überquert. Ich habe nicht gewusst, wie sehr ich die lange Dünung, den blauen Atlantik und den Sternenhimmel vermisst habe. Das war sehr, sehr schön!”
Mit Carla Hénon-Steck startet am Mittwoch auch Tom Wehde mit dem Serienmini “Osterrath” in die zweite Halbzeit des Mini Atlantique. Nach Rang neun peilt der Wehde einen Platz in den Top Ten der Gesamtwertung an.

Freie Reporterin Sport
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