Gerade hatten sie sich für ein erstes Trainingsrennen in Position gebracht, da hat es für die schon bei der ersten Vorregatta zum 38. Louis Vuitton America’s Cup technisch gehandicapten Briten im Golf von Neapel gekracht. Bei der Kollision mit einem Begleitboot vom Tudor Team Alinghi wurde der britische AC40-Foiler am Dienstag beschädigt. Skipper und Steuermann Dylan Fletcher kam mit einem blauen Auge davon.
“Die Jungs haben etwa drei Minuten vor dem Start das Rib in der Kursmitte nicht gesehen. Sie sind rumgehalst und haben unglücklicherweise das Rib getroffen”, fasste GB1-CEO Ian Walker die Kollision zusammen, bei der Schlimmeres hätte geschehen können. Danach liehen die Schweizer den Briten ein Foil. Eine Nachtschicht später konnten Dylan Fletcher und seine Crew ihre Vorbereitungen auf das zweite Vorspiel zum America’s Cup fortsetzen, während der eigene demolierte Foil-Arm repariert wurde.
Auch der offizielle Auftakt zum AC40-Gipfel hatte am Mittwochabend gezeigt: Neapel kann druckvoll sein! Während Starkwind über die Bucht von Neapel peitschte, fand bei untergehender Sonne die Eröffnungsfeier zur zweiten Vorregatta zum 38. Louis Vuitton America’s Cup auf der Insel Nisida statt. Hier haben die Cup-Teams ihre provisorischen Stützpunkte für den kleinen AC40-Gipfel am Wochenende eingerichtet – mit direktem Blick auf Bagnoli, wo gerade die Teamhauptquartiere in rasantem Tempo fertiggestellt werden.
Doch zuerst wird an diesem Wochenende noch auf den AC40-Test- und Trainingsbooten um die aktuelle sportliche Vorherrschaft im America’s Cup gekämpft. Zwar haben die Ergebnisse der zweiten Vorregatta – wie schon die bei der ersten in Cagliari – keinen Einfluss auf die Hauptrennen im kommenden Jahr, können aber durchaus Aufschluss über die sportliche Stärke der Teams geben. Die dreitägige Regatta mit acht Fleetraces und einem Matchrace-Finale der beiden Top-Teams wird von vielen spannenden Fragen begleitet.
Kann das Senioren-Team Luna Rossa seinen Erfolg von Cagliari wiederholen, wo die Azzurri die Titelverteidiger vom Emirates Team New Zealand auf Platz zwei verweisen konnten? Kann Luna Rossas starkes Frauen- und Jugendteam wieder so glänzen wie in Cagliari, als sie beinahe allen Cup-Stars die Show stahlen und am Ende Dritte wurden? Und wie stark werden die Kiwis um Skipper Nathan Outteridge sein, die inzwischen intensiv im Cup-Revier trainiert haben?
Spannend ist auch diese Frage: Wie nun bestreitet das britische Team GB1 mit Dylan Fletcher nach den technischen Rückschlägen von Cagliari und der Trainingskollision in Neapel sein erhofftes Comeback an die Spitze? Oder diese: Wie wird sich das American Racing Challenger Team USA als bisherige Unbekannte bei seinem Debüt schlagen?
Europäische Augen richten sich auch auf Frankreichs La Roche-Posay Racing Team. Wie stark wird die französisch-spanische Crew-Kombination mit den SailGP-Fahrern Quentin Delapierre und Diego Botin sowie den Trimmern Jason Saunders und Florian Trittel sein? Botin und Trittel treten nach ihrem jüngsten SailGP-Erfolg auf dem Genfersee gegen viele auch aus der Formel 1 des Segelsports bekannte Gegner mit dem guten Gefühl der Sieger an.
Punkten will ebenso das Tudor Team Alinghi, das mit einem britischen und einem neuseländischen Steuermann – Paul Goodison und Phil Robertson – Gas gibt. Interessant auch der Blick auf die Skipper der neun Crews: Zwei sind mit Hannah Mills (Cobham-Ultra GB2) und Margherita Porro (Luna Rossa 2) Skipperinnen. Die eine ist Doppel-Olympiasiegerin im 470er und SailGP-Strategin im Team Emirates GBR, die andere hat den ersten Women’s America’s Cup in Barcelona mitgewonnen und ist seitdem eine feste Größe im italienischen Team.
Diese erste AC40-Regatta in Neapel wird weniger ein Mini-America’s-Cup als vielmehr ein hochkonzentrierter sportlicher Wettkampf auf baugleichen Flitzern sein. Erstmals wird auf dem Cup-Originalrevier für 2027 gesegelt. Damit bekommen die Teams auch wertvolle Informationen über Windverhältnisse, Strömungen, Wellenbilder, Laylines und die typischen lokalen Winddreher, die sie in den kommenden Monaten für die Entwicklung ihrer AC75-Yachten nutzen werden.
Der Rennkurs wird im Naturstadion des Golfs von Neapel direkt vor der Uferpromenade Lungomare entlang der Via Francesca Caracciolo liegen – etwa im Bereich zwischen Neapels ältester Stadtfestung Castel dell’Ovo und der Küste von Posillipo. Die spektakuläre Kulisse bildet der Vesuv. Die bis zu acht Fleetraces dauern pro Rennen maximal 25 Minuten. Gesegelt wird in einem Windfenster von etwa 7,5 bis 21 Knoten.
Geht der Plan der Veranstalter auf, werden am Freitag und am Samstag ab 14 Uhr jeweils drei Fleetraces ausgetragen. Für den finalen Sonntag (27. September) sind noch zwei Fleetraces mit allen Teams und dann das Duell der beiden Top-Teams angesetzt. Hier geht es zur Live-Übertragung an Tag 1 (Freitag, 24. September) bei YouTube. Getestet werden von den Teams teilweise schon bekannte, teilweise neue Crew-Konstellationen.

Freie Reporterin Sport
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