Die Starts sind und bleiben Team Germanys Achillesferse im SailGP. Auch beim elften Event der sechsten SailGP-Saison stolperten Erik Kosegarten Heil und seine Crew auf dem sehr windarmen Genfersee über ihre größte Schwäche.
In Winden, die mitunter sogar vier Knoten unterschritten und selten einmal acht, neun Knoten überstiegen, war Schwarz-Rot-Gold am Samstag mit Rang zwei im ersten Rennen ein guter Einstieg gelungen. Dann aber folgten zu viele holprige Starts, die beiden umstrittenen Penalties in Rennen zwei und ein schwieriger Sonntag.
Es war für uns kein tolles Wochenende. Das hat angefangen mit den Schiedsrichterentscheidungen und uns dann ein bisschen ins Hintertreffen geraten lassen.” Erik Kosegarten-Heil
Nach einem guten und einem schweren Rennen am Samstag erhöhte Team Germany das Risiko am Sonntag. Doch kam das deutsche Quartett damit im flauen Wettkriechen auch nicht auf einen grünen Zweig. Zwar stiegen sie am Sonntag mit einem dritten Rang wieder gut ein. Danach jedoch war die Ernüchterung bei einem vorletzten und einem letzten Rang in der Gruppe A mit Team Artemis, Los Gallos, DS Automobiles France, Rockwool Racing, dem US-Team und Mubadala Brazil umso größer.
Wenn man am Start nicht gut wegkommt, hat man große Probleme, das Rennen gut zu beenden.“ Erik Kosegarten-Heil
“Wir sind ein bisschen zu große Wetten eingegangen und dafür bestraft worden”, brachte Erik Kosegarten-Heil das Problem im Interview mit ZDF-Kommentator Nils Kaben während der Live-Übertragung auf den Punkt. Gemeint hat der zweimalige Olympia-Dritte mit der „Bestrafung“ beispielsweise einen riskanteren Start, dessen Erfolg jedoch das dänische Team vereitelte, indem es die erhoffte Lücke für die von hinten kommenden Deutschen einfach zumachte. Schon konnte Schwarz-Rot-Gold wieder nur das Feld davonziehen sehen.
„Es war heute in den Rennen vier und fünf relativ klar: Wir sind beide Male mit unserer Startstrategie in der zweiten Reihe hängengeblieben“, räumte der Steuermann selbst offen ein. Unter dem Strich blieb Team Germany am Ende der flauen Nervenschlacht eine enttäuschende Bilanz: Der zwölfte und vorletzte Platz warf die Mannschaft auch in der Saisonmeisterschaft um zwei Plätze auf Position zehn zurück.
Der zu Jahresbeginn ehrgeizig ins Visier genommene sechste Platz ist zwei Events vor Ende der sechsten SailGP-Saison nun noch etwas weiter in die Ferne gerückt. Den hält aktuell Team DS Automobiles France mit zehn Punkten mehr auf dem SailGP-Konto. Doch der deutsche Rennstall sieht Licht am Ende des Tunnels. Noch vor den beiden Schlussevents in Dubai (21./22. November) und Abu Dhabi (28./29. November, mit dem großen Saisonfinale) geht es für die Mannschaft ins erste zehntägige Trainingslager nach Pensacola in Florida.
Dort steht den Teams im neuen Trainingszentrum erstmals seit Liga-Beginn dauerhaft ein F50-Trainingsboot zur Verfügung. Diese fehlende Möglichkeit haben vor allem die erst später in die Liga eingestiegenen Teams – wie auch der deutsche Rennstall – lange beklagt. Es fehlte die damit verknüpfte Chance, den Erfahrungsvorsprung der schon länger aktiven Player zu verkürzen.
Es ist ein Highlight für uns, dass wir das erste Mal Trainingszeit haben. Wir werden die ganzen Startsituationen trainieren, trainieren und trainieren.“ Erik Kosegarten-Heil
Der Fahrer erklärt, warum die Starts im erst kürzlich eingeführten SailGP-Gruppensegeln noch wichtiger geworden sind: „Das Feld bleibt in den kleineren Feldern relativ eng zusammen, doch man kommt schwerer vorbei. Deswegen ist es so schade, dass wir es nicht auf die Reihe kriegen, die Starts konstant über die Bühne zu bringen. Das muss jetzt in Pensacola der Hauptfokus werden.“
Ein wenig Fortune fehlte dem deutschen Team auf dem Genfersee auch. “Wir hatten leider nicht das Glück, dass Foiling-Bedingungen kamen, in denen man das Feld noch einmal von hinten aufrollen hätte können. Wir sind dann zwei schmerzhafte Rennen hinterhergefahren”, sagte Erik- Kosegarten Heil. Tatsächlich hatte Gruppe B mit Australiens Bonds Flying Roos, Neuseelands Black Foils, NorthStar Canada, Red Bull Italy, Emirates GBR und Explora Journys Swiss am Sonntag etwas mehr Glück mit ein paar Knoten mehr Wind.
Während Team Germany in seiner erst dritten Saison um bessere Starts und mehr Konstanz ringt, formieren sich im Kampf um die Saisonmeisterschaft die Top-Teams fürs große Finale am 29. November in Abu Dhabi, wo alleine dem Sieger zwei Millionen US-Dollar Preisgeld winken. Einen Vorgeschmack darauf gab es auf dem Genfersee schon zu sehen.
Im Finale haben sich die Tabellen-Zweiten gegen die Tabellenführer durchgesetzt: Los Gallos, 2024 schon einmal Saisonmeister, verwiesen die dreimaligen SailGP-Rekordsieger der australischen Bonds Flying Roos auf Platz zwei. Die “Fliegenden Kängurus” haben in diesem Jahr schon fünf Event-Siege und nun drei zweite Plätze eingeheimst. Sowohl die Australier als auch die Spanier mit ihrem nun dritten Event-Sieg in diesem Jahr haben sich vorzeitig fürs große Finale qualifiziert.
Auf die Plätze drei und vier segelten auf dem Genfersee Rockwool Racing (Dänemark) und das Schweizer Explora Journeys Swiss Team mit Steuermann Sébastien Schneiter. Hier geht es zu den Ergebnissen vom Rolex Switzerland Sail Grand Prix in Genf. In der Saisonmeisterschaft liegen zwei Events vor Schluss die „Fliegenden Kängurus“ (94 Punkte) vor Los Gallos (78 Punkte) und dem schwedischen Team Artemis (59 Punkte).
Bestätigt hat die Liga inzwischen die Austragung der letzten beiden Events in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Das sagte ZDF-Co-Kommentator und SailGP-Experte Felix van den Hövel bei der Live-Übertragung im ZDF-Stream. Weil der Seeweg zum Transport der rund 115 40-Fuß-Container aktuell keine Option ist, wurde ein Landweg für den Transport mit LKWs ausgearbeitet.

Freie Reporterin Sport
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