Mitunter war es fast schmerzlich anzusehen, wie langsam sich die F50-Foiler am ersten Tag des Rolex Switzerland SailGP auf dem Genfersee im Kurzprogramm über die verkürzten Kurse mühten. Ja, das können die Rennkatamarane auch. Und zum Natursport Segeln zählen Stark- wie Leichtwinde. Doch das Zuschauervergnügen in druckvolleren Winden wie etwa auf dem Rekordkurs von Sassnitz im August ist doch etwas größer als beim teilweise qualvollen Wettkriechen an diesem Samstag.
Im Zeitlupenkampf um den Sieg in Genf kamen an Tag eins in der ausgeglichener segelnden Gruppe A das dänische Team Rockwool Racing und das schwedische Team Artemis mit jeweils sechs Punkten am besten über den Kurs. Dahinter lauern DS Automobiles France und Spaniens Los Gallos mit jeweils fünf Punkten. Es folgen Mubadala Brazil (4 Punkte), Team Germany by Deutsche Bank (2 Punkte) und das US-Team mit Gastfahrerin Martine Grael (0 Punkte).
In Gruppe A wurden am Samstag nur zwei der drei geplanten Rennen ausgetragen. Erik Kosegarten-Heil und Team Germany waren mit einem zweiten Rang stark in das anspruchsvolle Segeln fast ohne Wind eingestiegen. Schwarz-Rot-Gold kam im ersten Lauf 26 Sekunden nach dem siegreichen Team Artemis ins Ziel.
“Im ersten Rennen lief es ganz gut für uns. Wir hatten den Wind richtig gelesen und sind dann gut um die erste Tonne gekommen. Wir sind gut gefoilt und hatten ein ziemlich kontrolliertes Rennen”, berichtete Steuermann Erik Kosegarten-Heil. Dann jedoch kosteten zwei umstrittene Last-Minute-Penalties im zweiten Lauf von Gruppe A den blau-weißen GER-Foiler zwei Plätze. Es blieb nur der siebte und letzte Rang.
Im zweiten Rennen ist alles zusammengekommen, was hätte schief gehen können: Ein unnötiger Battle mit Spanien am Start. Winddreher gegen uns. Jury-Entscheidungen gegen uns.” Erik Kosegarten-Heil
Da hatte sich Team Germany gegen Rennende auf Platz fünf vorgearbeitet, lag vor dem schwedischen Team Artemis und dem US-Team. Dann kam es an der letzten Wendemarke vor dem Zieleinlauf erst zu einer Strafe in Relation zu Team Artemis, weil die Deutschen den innen segelnden Schweden in den Augen der Schiedsrichter nicht genügend Raum gegeben hatten.
In der Folge kam es dann auch noch zu einer zweiten Bestrafung an derselben Marke, weil sich auch das US-Team mit etwas mehr Fahrt noch innen reindrängte. Zwar hatten die Amerikaner dabei kein “klassisches” Wegerecht, doch weil Team Germany zuvor bereits einen Penalty kassiert hatte, so die Auffassung der Regelwächter, hatten die Deutschen ihrerseits kein Recht, die Tür für das US-Team zuzumachen.
Erik Kosegarten-Heil empfand beide Penalties als nicht angemessen, erklärte im ZDF-Interview: “In der ersten Situation mit Schweden, so denken wir, haben wir genügend Platz gelassen. Dafür haben wir schon einen Penalty bekommen. Die zweite Situationen war so: Wir haben immer noch den Innenraum an der Tonne und die Amerikaner waren nicht überlappt. Wir fahren einfach unsere Tonnenrundung und kriegen dafür einen Penalty. Das ist absolut unverständlich für mich.”
Wir werden morgen ein spannendes Debriefing mit den Schiedsrichtern haben.” Erik Kosegarten-Heil
Die TV-Bilder ließen zwischen dem deutschen und dem amerikanischen Team eine Berührung erahnen, die später bestätigt wurde. Den zweiten Penalty sprachen die Schiedsrichter erst nach einiger Überlegung aus, als Team Germany schon fast die Ziellinie erreicht hatte. Wodurch das US-Team mit Fahrerin Martine Grael im Ranking dieses zweiten Rennens der Gruppe A auch noch am deutschen Team vorbeizog, dem überdies in Folge der beiden Penalties zwei Punkte abgezogen wurden, so dass zunächst nur zwei Zähler blieben.
Gruppe B brachte indessen am flauen Samstag sogar ein drittes Rennen ins Ziel, das Gruppe A versagt blieb. Über alle drei Läufe setzten sich mit Tom Slingsbys Bonds Flying Roos (10 Punkte) und Peter Burlings Black Foils (9 Punkte) zwei der Favoriten durch. Dahinter lauern vor Renntag zwei Team Emirates GBR und Sébastien Schneiters Team Explora Journeys Swiss (beide 8 Punkte).
Das stärkste Wechselbad der Gefühle durchlebte am SailGP-Samstag das Schweizer Heimteam. Fahrer Sébastien Schneiter und seine drei Mitstreiter kamen im ersten Lauf in ihrer Gruppe B als Letzte ins Ziel. Das folgende Rennen dann gewannen sie. Im dritten Lauf erreichten sie die Linie als Dritte, als der Wind teilweise sogar unter vier Knoten abnahm. Die Eidgenossen starten am Sonntag aus guter vierter Position in den Kampf um den Einzug ins Finale mit den jeweils beiden Gruppenbesten.
Die Windprognosen versprachen für das SailGP-Sonntagsfinale auf dem Genfersee kaum mehr Druck als am Samstag. “Wir haben wieder wenig Wind wie heute, hoffentlich ein bisschen mehr”, sagte Erik Kosegarten-Heil. Die Liga verkündete am Abend, dass für beide Gruppen am Sonntag noch jeweils zwei Fleetraces anstehen. Damit käme Gruppe A mit Team Germany bis zum Finale auf ein Rennen weniger als Gruppe B – und auch ein Rennen weniger für die erhoffte Aufholjagd.
REPLAY! Hier geht zur Wiederholung der ZDF-Live-Übertragung von Tag eins bei Rolex Switzerland SailGP auf dem Genfersee. Wer sich die Szenen mit Team Germany in Lauf zwei ansehen möchte, die zu den beiden Penalties führte, spult vor zu 1:15:07.

Freie Reporterin Sport
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