America’s CupLetzte in Barcelona, Erste in Neapel

Tatjana Pokorny

 · 19.10.2026

Bekannte AC75 im neuen Look: Hier geht der Franzosen-Foiler am Montag ins Wasser.
Foto: Nicolas Touzé/La Roche-Posay Racing Team
Frankreichs La Roche-Posay Racing Team drückt das Gaspedal durch. Beim 37. America’s Cup als Last-Minute-Kampagne noch als Letzte mit ihrem Boot in Barcelona angekommen, sind sie im 38. Cup-Zyklus nun die Ersten, die ihre AC75 ins Wasser gebracht und gesegelt haben. Ein Team könnte kaum hungriger antreten.

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215 Tage vor dem Start des 38. Louis Vuitton America’s Cup hat Frankreichs La Roche-Posay Racing Team die erste AC75 in der Bucht von Neapel zu Wasser gebracht und gesegelt. In Barcelona bei der 37. Cup-Edition im Last-Minute-Modus noch als Letzte mit ihrem Boot angekommen, legen die Franzosen dieses Mal vor allen anderen Teams los. Sportchef Philippe Presti sagte: “Es stecken Tausende Stunden Arbeit in diesem Boot. Wir wollen die Zeit maximal nutzen, um am Ende einen Unterschied zu machen.”

Bekanntes Boot im neuen Look für Frankreichs Cup-Jäger

Nachdem das französische Cup-Team den ganzen Sommer über im Heimatrevier von Lorient trainiert hat, sind sie frühzeitig nach Neapel umgezogen. Die AC75 ging per Straßentransport als “Convoi Eceptionnel” in die französische Hafenstadt Sètes und gelangte von dort per Schiffstransport nach Neapel. Wie alle AC75-Yachten in diesem Cup-Zyklus, so ist auch “La Roche-Posay” das bereits im vergangenen America’s Cup eingesetzte Boot in seiner überarbeiteten Version.

In Neapels Hafengebiet von Bagnoli erlebte der Stolz von Bleu, Blanc, Rouge zu Wochenbeginn den Neapel-Stapellauf. Gleich darauf ging es auf den Kurs mit seiner imposanten Vesuv-Kulisse. Zu Gast waren an diesem Meilensteintag für das La Roche-Posay Racing Team um Stephan Kandler und Bruno Dubois America’s-Cup-Repräsentanten, Gäste aus Politik, Wirtschaft und Sport, Medienvertreter aus ganz Europa und viele Freunde des Teams.

Sie alle erlebten Skipper Quentin Delapierre und Co-Steuermann Diego Botin, die im SailGP gegeneinander antreten und im America’s Cup gemeinsam für Frankreich um die bodenlose Silberkanne kämpfen, mit ihrer Crew in Bestlaune. Da schwang auch noch der Rückenwind von der zweiten Cup-Vorregatta mit, bei der die Franzosen trotz zweier Kenterungen einen formidablen dritten Platz erfochten hatten und ihnen von anderen Teams “Raketenspeed” bescheingt worden war.

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Plötzlich fühlt sich alles viel realer an. Als Skipper bin ich wirklich stolz darauf, diese französische Herausforderung zu vertreten.” Quentin Delapierre

Die Trimmer Jason Saunders, Leigh McMillan, Florian Trittel und Maëlenn Lemaitre waren ebenso dabei wie die weiteren Crew-Mitglieder Amélie Grassi, Enzo Balanger und Timothé Lapauw. Amélie Grassi kam nicht “alleine”, wie Philippe Presti lächelnd festhielt: Die französische Ocean-Race-Europe-Gewinnerin erwartet in etwa einem Monat ihr erstes Kind, will danach aber zügig wieder in die Vorbereitungen auf die Herausforderrerunde zum 38. America’s Cup einsteigen.

Neapel und sein Stadtteil Bagnoli profitieren vom America’s Cup

Unter den Gastrednern war in Neapel der italienische Staatssekretär Luigi Sbarra, der den America’s Cup als “eine Veranstaltung von außerordentlicher internationaler Bedeutung” bezeichnete. Sbarra erinnerte auch daran, dass der Cup-Premiere gerade in Bagnoli eine besondere Bedeutung zukomme.

Dazu sagte Sbarra: “Er ist Teil einer Entwicklung, eines wunderbaren Projekts und einer institutionellen Synergie, die seit mehreren Jahren im Gange ist und darauf abzielt, einen Prozess echter Erneuerung und Entwicklung für das Gebiet in Gang zu setzen. Dieser Prozess wurde von der Regierung Meloni initiiert und unterstützt, die im Juli 2024 über 1,2 Milliarden Euro aus dem Entwicklungs- und Kohäsionsfonds für die Erneuerung der Infrastruktur und die Sanierung dieses Gebiets bereitgestellt hat – ein Projekt, auf das man seit Jahrzehnten gewartet hat.“

Auch Neapels Bürgermeister Gaetano Manfredi war zu Besuch an diesem Tag, an dem die Franzosen unter strahlend blauem Himmel und warmer italienischer Septembersonne loslegten. Er sagte: “In den kommenden Tagen werden weitere Teams ihre Stützpunkte in der Stadt einrichten. Ein gewaltiger Aufwand, aber auch eine großartige Leistung. Endlich erwacht Bagnoli zum Leben.”

Neue Ambitionen im America’s Cup: Franzosen mit gewachsenem Selbstbewusstsein

Höchst lebendig präsentierte sich an diesem Tag das La Roche-Posay Racing Team, dem man den Cup-Hunger in jeder Minute des Tages anmerkte. Zu den Teamambitionen erklärte Co-CEO Bruno Dubois in Neapel: “Wir sagen nicht, dass wir den America’s Cup gewinnen. Aber wir sind ein Wettbewerber und werden alles dafür tun. Die Weichen sind gestellt, aber es kann immer alles passieren. Im SailGP sind wir mit einem Podiumsplatz in die Saison gestartet und lagen dann in Auckland in Führung, als der Crash mit Neuseeland passierte und die Saison vorbei war.”

Stephan Kandler, deutsch-französischer Gründer und Geschäftsführer der K-Challenge und des La Roche-Posay Racing Teams, sagte in Neapel: ​„Mit dieser neuen Kampagne machen wir einen wichtigen Schritt vorwärts in der Geschichte Frankreichs bei der ältesten Sportveranstaltung der Welt. Zum ersten Mal konnten wir auf einer früheren Kampagne aufbauen und unser Knowhow, unsere Ressourcen und unsere Erfahrung nutzen, um ein noch stärkeres Projekt zu schaffen. Unsere AC75 heute hier in Neapel zu sehen, ist ein bedeutender Moment, markiert aber vor allem den Beginn einer neuen Phase unserer Ambitionen.”

Wir wollen Frankreich fest unter den weltweit führenden Teams etablieren und eine Plattform aufbauen, die eines Tages den America’s Cup gewinnen kann.“ Stephan Kandler

Auch wenn es niemand laut ausspricht: Im La Roche-Posay Racing Team herrscht eine intensive Aufbruchstimmung. Das Team geht angriffslustig zu werk, arbeitet auch weiter mit Designanleihen von Team New Zealand, so etwa für die neuen Foils. “Wir haben schon in der Vergangenheit auf diesem Weg Abkürzungen nehmen können. Sonst wären wir heute nicht da, wo wir stehen”, sagt Stephan Kandler.

Im neuen Crew-Mix erfolgreich auf Kurs America’s Cup

Der Crew-Mix aus Kernmitgliedern der letzten französischen Kampagne und den spanischen 49er-Olympiasiegern und SailGP-Siegern von 2024, Diego Botin und Flo Trittel, scheint das Team zu beflügeln. Auch wird die Verantwortung auf diese Weise da auf mehr Schultern verteilt, wo Quentin Delapierre im letzten America’s Cup sehr viel zu tragen hatte. Wie weit dieses französische Team im 38. America’s Cup kommen kann, muss sich erweisen.

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Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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